Zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe hielt sich BETandWIN über das Geschäft noch bedeckt. Anscheinend fehlten noch die entsprechenden Unterschriften auf dem Vertrag. In die Strategie des Wettanbieters passt der Deal aber perfekt: »Schließlich fließt ein Großteil unseres Cash-Flows ins Marketing«, erklärt der Head of Investor Relations, Konrad Sveceny, dem ballestererfm. »Jetzt sind die Marketing-Deals billig, da werden wir nicht Nasenbohren.« So ist es zu erklären, dass BETandWIN trotz dreistelliger Wachstumsraten beim »Brutto-Rohertrag« im vergangenen Jahr nur einen geringen Jahresüberschuss in den Bilanzen aufweist.
Begeisterte Börsianer
Das Geld, das die Wetten hereinbringen, wird umgehend investiert: In viel, viel Werbung, aber auch in neue Geschäftsbereiche. Der Deal mit der deutschen Bundesliga über die komplette Verwertung der Rechte im Ausland ist so ein Beispiel. Was man damit anfangen will, ist noch gar nicht klar. Sveceny spricht von Übertragungen auf der Webseite, die zu den angebotenen »Live-Wetten« gut passen würden. Sehr wahrscheinlich wird man auch ausländische Sender mit den Bundesliga-Spielen beliefern. Vor ein paar Jahren hätte man noch von einer schiefen Optik gesprochen, wenn ein Wettanbieter gleichzeitig Medienlieferant der Spiele und Sponsor mehrerer Vereine (Werder Bremen, 1. FC Köln) ist. Heute klatscht die Börse Applaus: 400 Prozent Kursanstieg gab es im vergangenen Jahr, mehr bei jeder andere Aktie, die in Wien gehandelt wird.
Keine Steuern
Nur in Portugal war man nicht so glücklich, als BETandWIN 2005 zum Namensgeber der ersten und zweiten Liga wurde. Das staatliche Monopol auf Glücksspiele besitzt das »Heilige Haus der Barmherzigkeit«, die Einnahmen kommen karitativen Zwecken zugute. Doch die Proteste halfen nichts, die Profifußballer in Portugal spielen neuerdings in der »Liga betandwin.com«.
Als Internet-Unternehmen agiert BETandWIN in vielen europäischen Ländern im Graubereich: Nur in England und Österreich sind die Sportwetten liberalisiert, ansonsten gelten eigentlich staatliche Monopole, die das österreichische Unternehmen gerne abgeschafft sähe. Die »BAW International Ltd.« hat ihren Sitz in Gibraltar und muss dort keinerlei Abgaben für ihr Wettgeschäft tätigen.
Übernahmeschlacht
Um die Pole Position am europäischen Wettmarkt wird eifrig gerangelt. Als Konkurrenten nennt Sveceny englische Anbieter wie »Sportingbet«, heimische Mitbewerber wie »Interwetten.com« oder staatliche Wettbüros wie die deutsche »Oddset«. Also wird auch ein guter Teil der Einnahmen in Akquisitionen gesteckt: Ob schwedische Online-Casinos oder türkische Wett-Plattformen wie »beteurope.com«, die Expansion geht ungehemmt weiter. Bis zur Fußball-WM 2006 will sich BETandWIN am europäischen Markt weiter verstärken. Dann erst will man es mit dem Rest der Welt aufnehmen.






erscheint am 12. Juli 2013.
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