„Ich bin kein Showman mehr“

cache/images/article_2472_arnie2_140.jpg Die Geister der Vergangenheit sind für Marko Arnautovic kein Thema mehr. Der Wiener hat in England trotz lauter „Arnie“-Rufe zur Ruhe gefunden. Ein Gespräch über Tricks, Tattoos und schmerzende Finger.

Marko Arnautovic sitzt im Esszimmer seines Hauses, unweit von Manchester. Hinter ihm Familienfotos, an der Wand gegenüber ein großformatiges Gemälde mit den Worten „Only God can judge me“. Sein Bruder Danijel, der uns an der Tür empfangen hat, stellt Mineralwasser auf den Tisch und lauscht den Ausführungen des Hausherrn. Arnautovic hat sich auf das Gespräch vorbereitet: „Ich habe nicht gewusst, was der ballesterer ist. In der Trafik habe ich mir dann ein Heft angeschaut – um 4,50 Euro! Alle anderen kosten zwei Euro, ihr müsst also was draufhaben.“ Schließlich, sagt er, lasse er nicht jeden in sein Zuhause. Marko Arnautovic ist ein gebranntes Kind, was Interviews angeht. Doch er nimmt sich kein Blatt vor den Mund.

ballesterer: Sie haben vorgestern, beim 1:1 gegen Sunderland, wieder eine Torvorlage geliefert. Waren Sie mit Ihrer Leistung zufrieden?
Marko Arnautovic: Ich mag nicht über mich selber sagen: „Hey, super!“ Das machen die anderen. Der Trainer war zufrieden. Spaß habe ich am Feld ja eh immer. Wenn mir dann etwas aufgeht, habe ich noch mehr Spaß.
In einer Szene sind Sie in einem Sprint mit dem Rechtsverteidiger von Sunderland gewesen. Er zieht an Ihrem Trikot, Sie gehen vorbei, er reißt gleich wieder. Werden Sie oft so attackiert?
Natürlich weiß die gegnerische Seite, was ich drauf habe. Die wollen mich auch irgendwie stoppen. Ich würde auch so reagieren, wenn ich einen Gegenspieler hätte, der jedes Mal das Eins gegen Eins probiert. Er provoziert halt mit dem Reißen und dem Hinschlagen. Das ist eben England. Es bringt auch nichts, mit ihm zu reden. Der interessiert mich gar nicht.
Und Sie wehren sich auch nicht?
Natürlich schimpfe ich schon mal. Ich habe ja früher auch in der Wiener Liga gespielt. Wenn sie dich da gefoult haben, hast du gesagt: „Okay, wir sehen uns nach dem Spiel.“ Dann hat es oft Rangeleien gegeben. Aber da ist es ja um nichts gegangen, hier kannst du dir das nicht erlauben. In den fünf Sekunden, in denen ich mit ihm streite, kann ein Gegentor fallen. Das kann dann mein Fehler sein.
Wir sind hier bei Ihnen zu Hause. Kennen Sie Ihre Nachbarn?
Nein. Ich habe gehört, dass hier einige bekannte Leute wohnen – gegenüber wohl ein Reality--Star, irgendwo in der Straße auch irgendein hohes Tier. Aber mit denen habe ich nichts zu tun.
Sie leben etwas außerhalb von Manchester. In Stoke selbst scheint nicht so viel los zu sein, oder?
Ich war noch nie in der Stadt. Wenn ich unterwegs bin, dann eher in Manchester. Aber das auch nur selten. Da gibt’s das Trafford Centre, das ist wie die Shopping City Süd in Wien. Aber da gehst du etwas essen oder shoppen und bist wieder draußen. Für mich ist es das Beste, meine Ruhe zu haben.
Werden Sie auf der Straße erkannt?
In England ist das ganz locker. Spieler von den größeren Vereinen werden natürlich erkannt, aber man wird hier nicht angesprochen, das ist alles ganz chillig.
Aber die „Arnie“-Rufe im Stadion sind nicht zu überhören.
Ja, klar. Es ist ja jetzt nicht so, dass nur einer „Arnie“ ruft, das würde ich ja gar nicht hören. Aber wenn das ganze Stadion hinter dir steht, ist das ein schönes Gefühl.
Die Leute jubeln besonders, wenn Sie in der eigenen Hälfte den Ball zurückerobern. So eine Szene hat es im Spiel gegen Sunderland auch gegeben.
Dieser Lauf in der ersten Halbzeit war extrem schwer für mich. Ich habe mir gedacht: „Oida, jetzt ist es gleich vorbei mit mir.“ Aber wenn du das machst, sehen die Zuschauer auch, dass du alles aus dir herausholst, und jubeln. Das ist das Geile dran.
Ihr Spiel ist effizienter geworden, aber ist nicht manchmal die Verlockung da, einen Ihrer Tricks zu zeigen?
Nein, ich bin kein Showman mehr. Früher habe ich das schon öfter gemacht. Wenn ich den Ball auf der linken Seite vorbeilege und ihn mit der Ferse zurückspiele, rutscht der Gegner wahrscheinlich vorbei – das ist ja was Gutes. Aber wenn ich jetzt im Spiel am Ball stehe und mit dem Popo wackle, schaut mich der Gegner vielleicht blöd an, aber es ist nur Zirkus. Wenn ich dann nicht vorbeikomme und wieder zurückspielen muss, ist es sinnlos.
Früher wurde Ihnen oft der Vorwurf gemacht, Sie seien zu verspielt.
Ja, das ist in Österreich oft über meine Leistungen im Nationalteam gesagt worden. Jetzt sind wir erfolgreich, da sagt das keiner mehr. Aber wenn ich einen Trick oder einen No-Look-Pass machen will, mache ich das auch. Wenn er ankommt, jubelt jeder. Wenn nicht, buht jeder.

Foto: Stefan Reichmann

 

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Referenzen:

Heft: 102
Rubrik: Interview
ballesterer # 120

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