Dem sensationellen Lauf der Leipziger im Europacup fiel in Runde zwei auch eine österreichische Mannschaft zum Opfer: Der SK Rapid schied mit einem 1:1 und einem 1:2 nach Verlängerung aus. Und auch das Finalspiel hatte Österreich-Bezug. In den Reihen von Ajax stand der damals 19-jährige Frank Verlaat in der Startformation, der in den 2000er Jahren bei Austria und Sturm spielen sollte. Und für Leipzig stürmte Olaf Marschall, Anfang der 1990er Jahre Goalgetter bei der Admira. Lok-Trainer war Hans-Ulrich Thomale, 1993 bis 1996 GAK-Trainer, der 2002 anlässlich der 100-Jahr-Feier der Grazer zum »Jahrhundert-Trainer« gewählt wurde.
Ajax-Trainer Johan Cruyff hatte im Vorfeld des Spiels vor Lok gewarnt: »Aufpassen, das sind Individualisten.« Die Mannschaft von Thomale entsprach auch neben dem Platz nicht dem klassischen DDR-Klischee. Ganz im Gegenteil. Bei einem Ausflug zum »Klassenfeind« nach Bremen saßen die Leipziger Spieler Rene Müller, Hans Richter und Uwe Zötzsche ausgelassen mit Werder-Manager Willi Lemke an der Bar. Auf die Mahnung eines Funktionärs »Meine Herren, zwölf Uhr, Zapfenstreich« sollen sie mit einem gelassenen »Bloß keine Eile« geantwortet haben. Gefeiert wurde bis in die Morgenstunden.
Thomale galt als DDR-Coach westlicher Prägung: dynamisch, ehrgeizig, konsequent. Aus der verspielten Leipziger Mannschaft formte er ein homogenes Team, das seine Führungsspieler in den drei »frechen Hunden« von der Bremer Bar gefunden hatte. Trotz der 1:0-Niederlage in Athen war 1986/87 die erfolgreichste Saison in der Geschichte von Lok Leipzig. Der dramatische Halbfinalsieg gegen Girondins Bordeaux im Elfmeterschießen vor 73.000 Zuschauern im Zentralstadion bleibt unvergessen und gefeiert wurde danach ganz westlich. Nämlich mit Sekt bis in die Morgenstunden.






erscheint am 12. Juli 2013.
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