Nummer fünf lebt!

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"Wöche Numma nimmst?" - Auf diese Frage bei der Verteilung der neuen Dressen meines Jugendvereins konnte es für mich nur eine Antwort geben: "Fünf." Die Zahl fünf verbanden die meisten Gleichaltrigen zu dieser Zeit - wir reden von den sehr frühen 1980er Jahren - mit der gerade im Fernsehen laufenden Serie "Die fünf Freunde".

Peter Hörmanseder | 10.12.2014

Für mich war sie jedoch untrennbar mit Bruno Pezzey verknüpft. Auch wenn Spieler wie Hans Krankl und Herbert Prohaska in den medialen Vordergrund drängten, Pezzey überragte diese nicht nur körperlich. Die schwarz-rot längsgestreiften Jerseys der - für einen jungen Oberösterreicher eigentlich nicht wahnsinnig attraktiven - Frankfurter Eintracht wurden für ein paar Jahre zu den schönsten Dressen der Welt. Weil Bruno Pezzey bei Frankfurt spielte. Wann immer ich die samstägliche ARD-Sportschau sehen konnte, gierte ich danach, einen kurzen Blick auf den langen Vorarlberger werfen zu können. Er war einer, den man sofort an der Bewegung erkannte. Ein Raumzusteller, als es noch hauptsächlich gegen den Mann ging. Ein Flugbegleiter in beiden Strafräumen. Irgendwie war Pezzey immer überall. Vielleicht lag es aber auch daran, dass sein dunkler Wuschelkopf unübersehbar war.

Hörte man ihn mal reden, war er eigentlich ein bisserl fad. Aber seine Stimme klang trotzdem gut. Ich denke, das Langweilige war seine Stärke. Kein Großmaul, das immer im Licht stehen wollte. Er war der strahlende Schattenmann. Ein früher Spieleleser. So einem wollte ich instinktiv nacheifern, obwohl mir dazu die Fähigkeiten auf dem Fußballplatz fehlten. Nur großgewachsen war ich auch. Dafür ein Großmaul. Für das eine konnte ich nichts, das andere machte ich später zu meinem Beruf.

Das Trikot mit der Nummer fünf sollte ich damals nicht bekommen. Ein Mitspieler, zwei Köpfe kleiner und um vieles talentierter, hatte aus sportlichen Gründen das Vorrecht. Außerdem war er der Libero. So wie der große Bruno.

Als Pezzey verstarb, soll er direkt davor noch gesagt haben, dass er sich müde fühle. Dann war er tot. Aber seine Art, Fußball zu spielen, lebt immer noch. Sollte es eines Tages einen Film über Bruno Pezzey geben, hätte ich gerne, dass er den Titel trägt: Nummer fünf lebt.

Peter Hörmanseder ist Teil der Kabarettgruppe Maschek, Fußball spielt er nur noch mit seinen Kindern.

 

Foto: Eintracht Frankfurt Museum

Referenzen:

Heft: 98
Thema: Bruno Pezzey
ballesterer # 121

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