Am 19. Mai 1984 eröffnet sich die große Chance für den kleinen Watford FC, auch einmal eine nennenswerte Trophäe in die Klubräumlichkeiten stellen zu können: den FA Cup. Doch die Hornets unterliegen Everton nach hartem Kampf im Finale. Aus der Traum vom Silber - auch für Watfords Präsidenten Elton John. Immerhin zaubert er, von der Finalniederlage inspiriert, einen neuen Welthit aus dem Ärmel: »Sad songs«.
Die Liebe des exzentrischen Popstars zum Watford FC beginnt 1976, als John eine künstlerisch und kommerziell durchwachsene Zeit durchmacht. Er sucht Abstand vom Musik-Business und kauft sich bei seinem Lieblingsklub ein, der zu dieser Zeit im Niemandsland der vierten englischen Division herumkrebst. John holt mit Graham Taylor einen fähigen Trainer und schafft 1982 den Aufstieg in die höchste Spielklasse, steigt 1988 aber wieder ab.
Das Erreichen des FA-Cupfinales bleibt bislang der größte Erfolg der Klubgeschichte und inspiriert den Autor David Farr zum Theaterstück »Elton John's Glasses«. Es erklärt die Niederlage gegen Everton damit, dass Watfords Torhüter von den Glitzebrillen des Präsidenten geblendet wird. 2002 tritt dieser nach 25-jähriger Amtszeit zurück, bleibt Watford aber als Ehrenpräsident erhalten. Der FC spielt heute genau da, wo Elton John ihn einst übernommen hat.
Jacksons Liebe für Exeter
Von weit kürzerer Dauer ist Michael Jacksons Engagement für den Fünftdivisionär Exeter City. Im Jahr 2002 wird Jackson von Vizepräsident und Löffelverbieger Uri Geller zu einem Matchbesuch überredet, um Geld für den maroden Verein zu sammeln. Die Idee, den Superstar feierlich in einem Zug zum St. James Park, Spielstätte von Exeter City, zu befördern, erweist sich jedoch als wenig durchdacht: Jackson wird am Bahnhof von enthusiastischen Fans fast zu Tode getrampelt. Geller befürchtet das Schlimmste, doch Jackson bleibt ruhig: »I'm all right, Uri Geller. I love them all.« Jackson ist seit diesem Tag Ehrenvorsitzender mit vollem Mitspracherecht, das er aber laut Geller noch nicht genützt hat.
Die Jackson-Episode geht als eine der weniger wirksamen Aktionen unter vielen bemerkenswerten Anstrengungen zur Rettung des Klubs in die Annalen ein. Echte Verdienste erwarb sich vielmehr die Fanvereinigung Exeter City Supporters Trust. Und nicht zuletzt ließen die glorreichen Auftritte des Fünftligisten im laufenden FA Cup gegen Manchester United Michael Jackson locker vergessen.
Die Proclaimers retten die Hibs
»Now raise your scarfs and sing as loud as you can!«. Diese im Rahmen eines Fußballspiels nicht seltene Aufforderung gewinnt an der Easter Road Edinburgh vor jedem Heimspiel des Hibernian Football Clubs eine besondere Bedeutung. Es ertönt sogleich die Hymne der »Hibees«: »Sunshine on Leith«, eine Ode der Proclaimers an einen der heruntergekommensten Stadtteile in Edinburgh. Hier befindet sich auch die Easter Road. Die schottischen Zwillinge Charlie und Craig Reid, Hauptbestandteile der »Proclaimers«, sind seit jeher season ticket holders. Den 1875 gegründeten Traditionsverein unterstützen sie in der Vergangenheit nicht nur musikalisch, sondern auch finanziell.
1990 stellten die Proclaimers, weltweit bekannt geworden mit »I'm Gonna Be (500 Miles)«, nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt Edinburgh fest, dass ihren Hibs eine »Fusion« mit dem Stadtrivalen Hearts of Midlothian bevorstand. Als Konsequenz der katastrophalen Klubführung und eines missglückten Erstversuchs an der Börse sollte der Hibernian FC von den Hearts und deren Inhaber Wallace Mercer übernommen und ausradiert werden.
Doch Mercer, der nach Veröffentlichung seiner Absichten ganztägigen Polizeischutz genoss, musste dank massiver Fanproteste, externer Finanzgeber und nicht zuletzt der von den Proclaimers mitinitiierten Unterstützungsaktion »Hands Off Hibs« seine Pläne begraben. Die Reids festigten ihren Kultstatus unter den »Hibees«, und noch heute löst der »Sunshine on Leith« regelmäßig Freudentränen beim Anhang des Hibernian FC aus. Vor allem wenn gerade wieder die Hearts geschlagen wurden, mit denen sie sich um die Nummer 3 in Schottland hinter den Glasgower Klubs rittern.
Tote Hosen für Düsseldorf
Auch in Deutschland sind sich Musikstars nicht zu schade, mehr als nur Herzblut für ihren Lieblingsverein zu opfern. Absolut Ton angebend sind in dieser Hinsicht die Toten Hosen, die Fortuna Düsseldorf in guten, vor allem aber in schlechten Zeiten unterstützen. Und dies auf unterschiedlichste Art und Weise.
In den 1980er Jahren leitet die Punk-Band einen Teil ihrer Plattenerlöse an den Verein weiter, um den Kauf des Stürmers Anthony Baffoe zu finanzieren. Im Jahr 2000 verhindern die Hosen den Konkurs des Vereins, indem sie als Hauptsponsor einsteigen. Als Gegenleistung ziert das Totenkopf-Emblem der Band zwei Jahre lang die Dressen der Mannschaft und entwickelt sich in kürzester Zeit zum absoluten Kultobjekt der Fans.
Die laufende Saison bestreitet der langjährige Bundesligist in der dritthöchsten Spielklasse - so weit oben, wie schon seit vielen Jahren nicht mehr.
Nußbaum ist White
Aus einer ganz anderen musikalischen Ecke kommt Horst Nußbaum. Im Nachkriegsdeutschland wird er beim Fußballspielen auf der Straße von Hennes Weisweiler, Urgestein des deutschen Trainertums, entdeckt und bei Viktoria Köln in der Oberliga West untergebracht. Bald wechselt Nußbaum nach Holland zum PSV Eindhoven. Doch der Kicker hängt die Fußballschuhe bald an den Nagel und steigt ins Schlagergeschäft ein. Da Horst Nußbaum aber kein Name ist, der auf Schallplattencover gedruckt wird, nennt er sich fortan Jack White, als Gegenstück zum damals höchst populären Roy Black (bürgerlicher Name: Gerhard Höllerich).
Allerdings: Ob Nußbaum oder White, der Ex-Fußballer kann nicht singen, die Platte wird zum Totalflop. Der Musiker verlegt sich aufs Komponieren und Produzieren - mit durchschlagendem Erfolg. Die damalige Elite des Schlagers wie Tony Marshall (eigentlich Herbert Anton Hilger) oder Roberto Blanco (in Wahrheit Roberto Zerquera) gibt sich bei White die Klinke in die Hand. Ein Hit jagt den nächsten, aber so ganz kann White den Fußball nicht vergessen. Für die WM 1974 komponiert er »Fußball ist unser Leben«, das offizielle WM-Lied von Beckenbauer & Co. Die Erfolgsstory nimmt kein Ende, 1976 wird zu Whites Ehren sogar ein Film gedreht. In dem obskuren Streifen »Heute hau'n wir auf die Pauke« werden neunzig Minuten lang nur von White produzierte Gassenhauer gesungen, Handlung gibt es keine.
In den 1980ern produziert er Laura Branigans Welthit »Self control«. Auf dem Gipfel seiner Karriere bastelt er David Hasselhoff, der wirklich so heißt, »Looking for Freedom« auf den Leib, einen Mega-Seller im deutschen Sprachraum. Zugleich entdekt White seine Liebe zum Fußball wieder und wird 1992 Präsident beim Drittligisten Tennis-Borussia Berlin, der auch wirklich so heißt und sich heute in der vierten Spielklasse abmüht. Die Bundesliga vor Augen, pumpt er Geld in den Verein. Tennis Borussia schafft den Aufstieg in die zweite Liga, doch die nächste Saison verläuft kläglich. Die Mannschaft verliert nicht nur regelmäßig, die Fans müssen noch dazu bei jedem Heimspiel Hasselhoffs Partyhit »Is everybody happy« ertragen.
In der Saison 1996/97 wirft White schließlich frustriert das Handtuch, und kehrt zur Musik zurück. Doch das Kapitel Fußball scheint für ihn nicht abgeschlossen, mangelt es der WM 2006 in Deutschland doch an einem offiziellen WM-Lied. Gerüchten zufolge zeigt White Interesse...






erscheint am 12. Juli 2013.
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