Präsidiale Basisdemokratie

Entscheidungen innerhalb der FIFA-Gremien werden stets basisdemokratisch legitimiert. Nicht immer zum Wohlwollen aller. Vor allem die großen Fußballnationen fühlen sich durch das »One country, one vote«-System benachteiligt. Ein Gewinner steht aber jedes Mal fest: Sepp Blatter.
Mathias Slezak | 01.02.2011

Neben Präsident Sepp Blatter (seit 1998) und Generalsekretär Jerome Valcke (seit 2007) sind das Exekutivkomitee und der Kongress die zentralen Entscheidungsträger der FIFA. Das Exekutivkomitee besteht aus dem Präsidenten, acht Vizepräsidenten und 15 weiteren Mitgliedern, die von den Kontinentalverbänden entsandt werden. Es ist vor allem für die WM-Vergaben zuständig. Derzeit besteht das Komitee statt aus 24 nur aus 22 Mitgliedern, da vor der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zwei Funktionäre wegen Bestechungsvorwürfen suspendiert wurden. Jedes Mitglied hat eine Stimme, es wird gewählt, bis ein Kandidat die absolute Mehrheit hat. Solange das nicht der Fall ist, scheidet in jedem Wahlgang der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus. Gibt es im finalen Wahlgang Gleichstand zwischen zwei Kandidaten, entscheidet der Präsident. So klar das Wahlprozedere ist, so umstritten sind die Entscheidungen meist hinterher. »Es ist ein Skandal, wie dort die Dinge ablaufen. Die großen Verbände aus Spanien, England und Deutschland müssten da mal kräftig aufräumen«, sagte FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach der jüngsten WM-Vergabe. Blatter war von der Kritik wenig beeindruckt: Hoeneß dürfe man nicht ernst nehmen, konterte er in einem CNN-Interview.

 

Die Forderung des Deutschen stößt nicht nur auf präsidiales Unverständnis, sie ist auch kaum realisierbar, wie ein Blick auf das zweite Entscheidungsorgan, den jährlich stattfindenden FIFA-Kongress zeigt. Er ist das Basisgremium der FIFA und damit für die Statuten, die Aufnahme neuer Mitglieder und die Präsidentenwahl zuständig. Jeder der 208 Verbände hat, unabhängig von Größe und fußballerischem Prestige, eine Stimme. Das Votum des fünffachen Weltmeisters Brasilien ist ebenso viel wert wie jenes von Montserrat. Das Team aus der Karibik liegt seit Jahren auf den hinteren Rängen der Weltrangliste wenig verwunderlich, hat die Insel doch nur 6.500 Einwohner. Die FIFA sieht im diesem System Gleichberechtigung und »den Geist einer wahren Demokratie« realisiert; Kritiker eher einen Nährboden für Korruption. Das Prinzip »One country, one vote« sorgt dafür, dass Hoeneß´ Forderung nach Aufräumarbeiten nicht umgesetzt werden kann. Vor allem Blatter wird sich hüten, den Europäern mehr Macht einzuräumen: Er holte die entscheidenden Stimmen für seine Wahl 1998 in vielen kleinen Staaten, die Europäer stimmten großteils für den damaligen UEFAPräsidenten Lennart Johansson.

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