Ried at Heart

cache/images/article_1192_ried_140.jpg Wenn Fußballfans auswärts fahren, dann zählt der Moment und nicht das Morgen. Nach Graz und retour mit den Rieder Glory Boys. Eine punk- und alkoholhältige Geschichte über 32 Innviertler Rebellen mit Kämpferherzen.
Reinhard Krennhuber | 07.04.2009
»Schau, die pissen den Kiberern fast aufs Auto.« Am Parkplatz hinter der Osttribüne des Rieder Stadions kommt gute Laune auf. Ungefähr 30 Mitglieder und Freunde der Glory Boys der zweiten Rieder Ultragruppe neben den Supras warten auf die Abfahrt des Fanbusses zum Auswärtsmatch gegen Sturm Graz. Zwei Nachzügler haben gerade direkt neben dem zivilen grauen Ford der lokalen Szenekundigen Beamten ins Gebüsch uriniert. Polizei und Ultras, das ist auch im Innviertel eine konfliktbeladene Beziehung.

Entsprechend herzlich werden die beiden Provokateure von der Gruppe begrüßt. Die letzten Dinge wandern in den bereitstehenden Bus, der in Sachen Komfort auch den Ansprüchen einer Wochenendreisegruppe genügen würde: steigenweise Bier, Alkopops ebenfalls in rauen Mengen. Und ein paar Flaschen Mineral und Cola. »Die haben wir extra für euch gekauft«, scherzt einer der Ultras.

Um halb vier verlässt der Bus das Messegelände. Punkige Klänge begleiten die Ausfahrt aus Ried, die Glory Boys haben per MP3-Player die Kontrolle über die Busanlage an sich gerissen. Der Chauffeur unterbricht die Musik für eine Durchsage: »Burschen, wir haben heut einen halbwegs sauberen Bus. Schauts bitte, dass das so bleibt.« Tatsächlich werden Müllsäcke ausgegeben und an den Sitzgriffen befestigt. Der Hinweis auf die Anschnallpflicht (»Bei einer blutigen Nase steigt die Versicherung aus«) sorgt dann aber doch für Belustigung.

Verurteilt als Zecken, die Drogen verchecken
Die Glory Boys aus Ried im Innkreis haben sich 2005 aus der Taufe gehoben, das erste Transparent (eigentlich: der erste »Fetzn«) der Gruppe wehte im darauffolgenden Oktober vom Zaun des Stadions in Salzburg-Siezenheim. Entsprechend jung sind die 29 Burschen und drei Mädels, die die 480 Kilometer nach Graz und retour in Angriff nehmen. Das Spektrum reicht von 17 bis 24 Jahren. Auch wenn viele Kapuzenpullover, Schals und Sonnenbrillen tragen, machen sie keinen homogenen Eindruck. Neben den klassischen Ultra-Outfits finden sich Casuals mit Stone-Island-Jacken und Burberry Caps, Hip-Hopper, Lederjackenträger und einige, deren Outfit nicht auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Jugendkultur schließen lässt.

Vereint werden die Glory Boys durch ihre Leidenschaft für die Rieder Spielvereinigung und ihre soziale Herkunft aus der lokalen Arbeiterschaft. Bis auf einen Studenten mit migrantischem Background, der sich mittels T-Shirt als »Integriert« bezeichnet, sind alle Businsassen Arbeiter (eigentlich: »Hackler«), teilweise noch in der Lehre. Zwei sind seit kurzem arbeitslos. »Die meisten von uns waren früher Punks und sehr links«, erzählt Karim, Capo und einer der Gründer der Gruppe. »Wir haben viel Oi-Punk und Streetpunk gehört. Der Name Glory Boys ist in Songtexten vorgekommen, unter anderem bei den Dropkick Murphys.«

Im Verein wie in der Stadt stießen die Punks nicht unbedingt auf Gegenliebe. »Für viele waren wir die linken Zecken, die Drogen verchecken. Dieses Image ist teilweise noch immer da«, sagt Karim

Lesen Sie den gesamten Artikel in der Printausgabe des ballesterer (Nr. 41/April 2009) Ab sofort österreichweit in den Trafiken sowie im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel!

Referenzen:

Heft: 41
Rubrik: Thema
ballesterer # 121

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