Scouting am Bildschirm

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Datenagenturen versuchen, den Fußball zu quantifizieren, und bieten dazu Videos von Spielern rund um den Globus an. Statt einem Spieler kosten- und zeitintensiv vor Ort auf die Beine zu schauen, geht das auch am Computer.

Benjamin Schacherl | 14.07.2015

Es ist ein wenig wie bei Fußballmanager-Spielen auf der Konsole. In der Suchmaske gibt man die Kriterien ein, um den gewünschten Spieler zu finden: Position, Nationalität, Liga, Alter, Vertragssituation, bevorzugter Fuß und Leistungsdaten wie Tore und Assists. Dazu gibt es eine Reihe von weiteren Attributen, etwa Qualitäten in der Spielgestaltung, taktisches Verständnis, Beidbeinigkeit oder spezielles Pressingverhalten. Die Szenen, in denen Stärken und Schwächen eines Spielers zum Vorschein kommen, können per Knopfdruck auf Video angeschaut werden. Die Software verschiedener Datenanalysefirmen wie InStat und OptaPro bietet die Möglichkeit, Spieler am Bildschirm zu scouten.    

 

Service im Test

Mit der Admira, der Austria, Mattersburg, Rapid, Red Bull Salzburg und Sturm sind gleich sechs Bundesligisten Kunden des russischen Anbieters InStat. Wir haben das Programm getestet. Wie nützlich ist die Software zum Beispiel bei der Suche nach einem großgewachsenen Mittelstürmer? In unserem Szenario soll der Spieler nicht älter als 30 Jahre und besonders kopfballstark sein. Die Spieler sind in sieben Niveaus eingeteilt, auf dem ersten Level sind ausschließlich Weltklassespieler zu finden, wir orientieren uns an Stufe vier. Der Neuzugang soll Österreicher sein, da der Verein sonst um Einnahmen aus dem Österreicher-Topf kommt. Er soll in der vergangenen Saison mindestens zehn Kopfballduelle pro Spiel geführt und davon nicht weniger als die Hälfte gewonnen haben. 

 

Auf Basis dieser Faktoren schlägt InStat uns zwei Spieler aus der zweiten Liga vor: Thomas Hirschhofer von Wacker Innsbruck und Christian Falk, der im Juni von Rot-Weiß Erfurt zu Austria Klagenfurt gewechselt ist. Nach einem Klick auf das Profil von Falk sind sämtliche Einsatz- und Leistungsstatistiken ersichtlich, 73 Spiele mit seiner Beteiligung sind in voller Länge auf Video abrufbar ebenso wie einzelne Detailsequenzen wie gewonnene und verlorene Zweikämpfe, Schussversuche, Defensivverhalten bei gegnerischen Standardsituationen oder auch, wie sich Falk in Konterangriffen freiläuft. 

 

Live is Life

„Derartige technische Hilfsmittel sind auch für uns extrem wichtig“, sagt Spielerberater Max Hagmayr, der ebenfalls auf die mit Videomaterial gespickten Datenbanken zurückgreift. „Wir bekommen so viele ausländische Spieler übermittelt, die wir nicht kennen. Da müssen wir erst einmal irgendwo nachschauen.“ Den Trend zur Technik bestätigt auch Ernst Tanner, Akademiechef von Red Bull Salzburg. Auch in Salzburg und Leipzig wird per Video gescoutet. „Um ein endgültiges Urteil abgeben zu können, braucht es aber die Fieldscouts“, sagt Tanner.

 

Mitarbeit: David Eder, Wolfgang Fiala, Martin Hanebeck & Jürgen Pucher

Foto: Instat

Referenzen:

Heft: 103
Rubrik: Thema
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