»Er war seinen Konkurrenten eine Generation voraus«, schreibt der britische Journalist Andrew Jennings in seinem FIFA-Buch »Foul!«. Er hat Funktionäre wie Fingerpuppen bewegt. Horst Dasslers Vater Adolf hat Adidas gegründet, nachdem er sich mit seinem Bruder zerstritten hatte (Rudolf Dassler war seinerseits der Gründer von Puma). Erstmals trat der 1936 geborene Horst bei den Sommerspielen 1956 in Melbourne in Aktion. Er verschenkte massenhaft Schuhe an Athleten das hatte es bis dahin nicht gegeben. Die Bilanz: 70 Sieger in Adidas-Schuhen. Bessere Werbung gab es nicht.
1959 war ihm die Adidas-Welt in Herzogenaurach zu klein, er baute im Elsass einen eigenständigen Firmenzweig auf. In der Zwischenzeit hatte er begonnen, die Sportpolitik neu zu erfinden: Dassler bezahlte Fußballer, um seine Bälle in den Spinden der Schiedsrichter zu platzieren; seine Keiler bezahlten Kicker dafür, dass sie die »falschen« Bälle beim Match über den Zaun schossen um ihnen einen Adidas-Ball zurückzuwerfen. Und Horst Dassler war der Erste, der im großen Stil Verbände statt Einzelsportlern unter Vertrag nahm. Aus der Auberge du Kochersberg in Landersheim machte er seine Kommandozentrale. Von hier aus pflegte er seine Topkontakte bis in die Nomenklatura der Sowjetunion, die Auberge war jahrelang das Machtzentrum des internationalen Sports. Seine größten Coups: 1974 machte er Havelange zum FIFA-Chef, 1980 half er dem Spanier Samaranch auf den Thron des Internationalen Olympischen Komitees.
Ein Geschäftspartner brachte ihn auf die Idee, Sport nicht nur als Medium für seine drei Streifen zu nutzen, sondern direkt zu vermarkten. Für das Kapital sorgte der ehemalige Autorennfahrer und Immobilienunternehmer Andre Guelfi, ein Kerl mit einem drehbuchreifen Lebenslauf. Dassler und Guelfi kauften die Marketingrechte für die Spiele 1980 und die WM 1986. Um sie weiterzudealen, gründeten sie die Firma International Sports and Leisure (ISL). Dass ISL später implodierte und bis heute schmutzige Details der Rechtedeals publik werden, hat Dassler nicht mehr erlebt. Er starb 1987 an Augenkrebs, Adidas hat seither mehrmals den Besitzer gewechselt.






erscheint am 12. Juli 2013.
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