Der Patient sitzt natürlich am längeren Hebel sprich an der Gabel , und täglich werden diese Hypertoniekämpfe von Medizinern verloren. Vorerst wird der gewissenhafte und ausdauernde Doktor freilich versuchen, an die Eigenverantwortung des Patienten zu appellieren. Schlagworte wie: Änderung der Lebensführung, Fit mach mit, Schlank & Schön, Freude mit Bewegung werden fallen. Und Aufklärungsarbeit auf diesem Gebiet gibt es schon genug. So wird täglich vom Radiodoktor, von Prof. Bankhofer Hademar in »Willkommen Österreich« und zahlreichen anderen Fernseh- und Pensionistenmagazin- Gesundheitsexperten die immergleiche Schose berichtet. Beim durchschnittlichen österreichischen Hypertoniker werden diese Informationen zwar interessiert gehört, verklingen aber ähnlich schnell wie der Auswärtssupport der »Kärntner Amigos« im Hanappi-Stadion. Bis schließlich der Arzt frustriert das Handtuch wirft, zum Rezeptblock greift und ein Blutdruck-Pulver verschreibt. Meist ist dann dem Arzt und dem Patienten geholfen weder der eine noch der andere wird in den nächsten Monaten ein Wort über salzarme Kost, Alkohol- und Rauchgewohnheiten, Kneippsche Wechselbäder oder Gewichtsreduktion verlieren.
Ein Blutdruck ist essenziell
Ein bisserl dürfte aber auch der sympathische Hoeneß Uli mit seinem Doktor über den Blutdruck gesprochen haben. Denn: Anfang 2005 hat der Wurstfabrikant wohl auf das selbst gemachte Würstel verzichtet und 16 Kilogramm abgenommen. Seinem Blutdruck wird diese Kur wohl bekommen sein. Wenn man den Stress hernimmt, den so ein Bayern-Manager aushalten muss, ist es kein Wunder, dass das Blut in Wallung gerät und das Gesicht rot anläuft. Auf die Dauer kann sich so was aber auch aufs Herz und Hirn schlagen. Schlaganfall und Herzinfarkt sind häufige Begleiter der Hypertonie. Wobei einzelne Blutdruckspitzen kein großes Problem darstellen. Erst wiederholte Messungen von Werten größer 140 mmHg systolisch bzw. 90 mmHg diastolisch lassen die Diagnose Hypertonie zu. Ursachen dafür gibt es recht viele, und der Arzt begibt sich erst einmal auf die Suche, ehe er dann in mehr als 90 Prozent der Fälle eine essenzielle Hypertonie diagnostizieren wird.
Diese hat wie so vieles im Leben multifaktorielle und polygene Ursachen und lässt sich auf mancherlei Art behandeln. Nur so viel: Der Fußballer unter den Hypertonikern braucht weniger Pulver. Denn: Regelmäßige Bewegung ist blutdruckfreundlich und mit der Einnahme eines Blutdruckmedikaments vergleichbar. Selbstverständlich sind die Pillen beliebter weil bequemer einzunehmen und besser beworben. Von der Pharmaindustrie bekommt man kaum einen Trainingsplan in die Hand gedrückt. Dass Fußballspielen dennoch nicht gänzlich vor Bluthochdruck schützt, beweist das Beispiel Mayrleb Christian. Seine Blutdrucktablette brachte den damaligen Pasching- Spieler an den Rand des Berufsverbots. Das sicher nicht leistungssteigernde Medikament war versehentlich bei der Dopingagentur nicht gemeldet worden. Ob sich der nicht ganz austrainiert wirkende Stürmer durch forciertes Training sein Pulver hätte ersparen können, ist freilich wieder nur eine wüste Spekulation.
Weitere Texte aus der Notfallambulanz von Dr. Pennwieser






Der Hoeneß Uli hat einen hochroten Kopf. Ob das am Reflektieren der roten Bayern-Jacke liegt oder ob er an einem Bluthochdruck leidet? In der Notfallambulanz wird spekuliert.
erscheint am 12. Juli 2013.
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