Wird sich die FIFA spalten?

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Joseph Blatter wird beim FIFA-Kongress Ende Mai in Zürich wieder für das Präsidentenamt des Weltverbandes kandidieren, und das schon zum fünften Mal. Kaum jemand bezweifelt, dass er in seinem Amt bestätigt wird. 

Moritz Ablinger | 17.03.2015

Trotzdem muss er sich das erste Mal seit 2002 mit Gegenkandidaturen herumschlagen. Der Portugiese Luis Figo, der Niederländer Michael von Praag und der Jordanier Prinz Ali bin al-Hussein treten an. „Die Gegenkandidaten sind chancenlos“, sagt Thomas Kistner, Journalist bei der Süddeutschen Zeitung und FIFA-Experte. „Es zeigt sich aber ein Bruch zwischen den europäischen Verbänden und der FIFA-Führung.“
    

Ohne Europa zur WM
Unter der Oberfläche hat es schon länger gebrodelt, mittlerweile tragen mehrere europäische Länderverbände und Blatter ihre Konflikte offen aus. Hintergrund ist der Plan des Präsidenten, die WM 2022 in Katar im November und Dezember austragen zu wollen. Eine Kampfansage an den europäischen Ligabetrieb, der so für mindestens zwei Monate unterbrochen werden müsste. Entschädigen will die FIFA die Ligen nicht, und das, obwohl ein Viertel der bei der WM 2014 aktiven Spieler allein in England und Deutschland unter Vertrag stand. „Die FA und der DFB sind enorm mächtig“, sagt Kistner. „Wenn sie die WM boykottieren würden, wäre das Turnier plötzlich unattraktiv.“ Die Verbände haben ihre Macht mittlerweile auch realisiert. Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga, kündigte zuletzt eine Allianz mit dem englischen Verband an.

Aller guten Dinge sind drei
Sollten sich die Ligaverbände weigern, ihre Spieler für die WM freizugeben, würden sie zudem ein weiteres Problem gleich miterledigen. Spieler wie Philipp Lahm und Franck Ribery sind in vergleichsweise jungen Jahren aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, um die Mehrfachbelastung und die damit verbundene erhöhte Verletzungsgefahr zu reduzieren. Sollten sich die großen Ligaverbände zusammenschließen und eine Kontinentalliga der Topklubs gründen, wären Nationalteams wohl kein Thema mehr. Pläne für eine solche am erfolgreichen Champions-League-Modell angelehnte Liga werden hinter vorgehaltener Hand schon seit Anfang der 2000er Jahre diskutiert. Der aktuelle Konflikt lässt sie zusätzlich attraktiv erscheinen, müsste man sich so auch nicht mehr mit dem katastrophalen Image der FIFA plagen.

Die Spannungen zwischen dem Weltverband und den Europäern sind so von enormer Bedeutung für den Fußball. „An der Frage Katar wird sich zeigen, dass die Europäer immer wieder einknicken, wenn die FIFA mit genügend Geldscheinen winkt“, sagt Kistner. „Schlussendlich wird es ihr gelingen, das Thema aus der Welt zu schaffen. In diesen Sphären spielen drei Dinge eine Rolle: Geld, Geld und Geld.“   

Foto: Marcello Casal JR/ABr

Referenzen:

Heft: 100
Thema: FIFA
ballesterer # 120

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