Wohin des Weges?

cache/images/article_1245_43liga_140.jpg Die Aufstockung der Ersten Liga ist abgeblasen, die Regionalligen bleiben bestehen. Ebenso wie eine Reihe von Problemen und offenen Fragen. Bevor die Reformtür wieder aufgemacht wird, gilt es Antworten zu finden, die über eine reine Formatdiskussion hinausgehen.
Am Ende war es ein Sturm im Wasserglas. Die außerordentliche Hauptversammlung der Bundesliga erteilte am 25. Juni der vom ÖFB-Präsidium abgesegneten Empfehlung, die Erste Liga ab der Saison 2010/11 auf 16 Vereine aufzustocken und die Regionalligen im folgenden Spieljahr abzuschaffen, eine Absage. Und das in ziemlich deutlicher Form: Eine Zweidrittelmehrheit hätte es gebraucht, zustande kam aber nicht einmal eine einfache, weil die Bundesligisten Sturm, Kapfenberg und Mattersburg sowie alle Zweitligaklubs bis auf Wacker Innsbruck der Reform ihre Zustimmung versagten.

Die kleine Revolution scheiterte also vor allem am Widerstand der direkt Betroffenen. Neben den Regionalligisten im Osten, die sich medial massiv gegen eine Auflösung der Liga gewehrt hatten, war auch Erste-Liga-Vertretern wie Hubert Nagel die Erleichterung anzumerken. »Sagen Sie mir einen Grund, der für eine Sechzehnerliga spricht. Ich kenne keinen«, sagte der Austria-Lustenau-Präsident zum ballesterer und führte vor allem wirtschaftliche Interessen ins Treffen: »Die Zehnerliga hat heute Fernsehpräsenz, sie hat Professionalität und einen Ligasponsor alles Dinge, die man vorher nicht hatte, und die man mit einer Sechzehnerliga wieder nicht hätte.« Freilich sei nicht alles rosig, die Klubs hätten schon finanzielle Sorgen, gibt Nagel zu: »Aber wenn man wenig Geld hat, teilt man das, was man hat, nicht durch mehr Vereine.«

Andere wiederum beruhigt das Nichtzustandekommen der Aufstockung aus sportlichen Motiven. Für Martin Blumenau, Fußballblogger des Radiosenders FM4, würde eine größere zweite Spielklasse noch mehr in drei Teile zerfallen als es schon aktuell der Fall sei. »In jene Klubs, die ohne Rücksicht auf Ausländer- oder Jugendregelungen hysterisch möglichst schnell in die Bundesliga kommen wollen, in die Amateurvereine der großen Bundesligisten und in ein paar Klubs, die sich halt irgendwie durchwurschteln.« Wobei man hierbei zwischen Traditionsvereinen wie Austria Lustenau und Klubs wie Grödig oder Vöcklabruck unterscheiden müsse, »wo ein lokaler Wichtigtuer sich engagiert, der aber meistens nur Geld für eine Saison hat und sie dann wieder ins Nirvana zurückbefördert.« Resümee Blumenau, der für eine Aufstockung der höchsten Spielklasse eintritt: »Eine inhomogene Gruppe mit völlig unterschiedlichen Interessen.«

Kein Platz für Amateure
Tatsächlich steckt hinter der Diskussion eine Fülle von Einzelinteressen. Auch wenn sich die großen Verlierer der Abstimmung angeführt von Austria Wien und Red Bull Salzburg, deren Amateurteams ab der kommenden Saison in die Regionalliga zwangsrelegiert werden in ihren Reaktionen betont staatstragend gaben. Die Wiener erklärten am Tag nach der Entscheidung, diese sei nicht nur für die Austria, sondern auch für den österreichischen Fußball langfristig nicht sinnvoll. Sportdirektor Thomas Parits: »Die Diskussion wird sehr bald wieder anlaufen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu Änderungen kommen wird.«

Austria AG-Vorstandschef Thomas Kraetschmer stellt gegenüber dem ballesterer vor allem den Zwangsabstieg in Frage: »Wir haben im Vorjahr für das Modell Zehn/Zehn gestimmt, weil wir gesehen haben, dass die Zwölferliga ein fauler Kompromiss war. Was ich nicht einsehe ist, dass damit jetzt der Abstieg der Amateurteams einhergehen muss. Wir haben das Motto Heute für morgen gelebt haben, das beweist die Statistik der letzten Jahre und die Anzahl der Teamspieler, die wir herausgebracht haben.« Ein drittklassiges Amateurteam habe sich hingegen ebenso wenig bewährt wie die Kooperationen mit Untersiebenbrunn, Leoben oder Ried, zu denen Spieler verliehen wurden. »Bei all dem haben wir erkannt, dass ein Amateurteam in der zweiten Liga die beste Plattform ist, um Spieler an die erste Mannschaft heranzuführen«, sagt Kraetschmer und erwähnt die Beispiele Okotie, Suttner, Dragovic und Madl. Ob die Austria die jetzigen Perspektivspieler nach dem Zwangsabstieg halten wird können, stehe in den Sternen.

Auch Salzburg konnte sich mit der Entscheidung so gar nicht anfreunden. Kapfenberg-Präsident Erwin Fuchs berichtet, dass Red Bull den Erste-Liga-Klubs in der Ligasitzung zehn Minuten vor der Abstimmung sogar eine Million Euro geboten habe, sollten sie einer Aufstockung zustimmen und der TV-Partner Premiere seinen mit Ende der Saison auslaufenden Vertrag deshalb nicht verlängern. Red Bull hätte in diesem Fall die TV-Vermarktung übernehmen wollen, so Fuchs. Einige Klubvertreter sollen angesichts dieses Angebots ihre Position kurz überdacht haben, schließlich ließen sie sich davon aber nicht vereinnahmen...

 

Lesen Sie den gesamten Artikel in der Printausgabe des ballesterer (Nr. 43/Juli 2009) Ab sofort österreichweit in den Trafiken sowie im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel!

Referenzen:

Heft: 43
Rubrik: Thema
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png