Wonder Boys

cache/images/article_1319_48dreier_h_140.jpg Knappe zwei Jahre verzauberte das Wunderteam Fußball-Europa mit elegantem Kombinationsfußball und Toren am Fließband. Ein groß- artiges Kollektiv,­ aus dem einige Weltklassespieler herausragten. In den Spielerbiografien finden sich tragische Schicksale und unvergessene Wuchteln, abseits des Fußballs gingen die ­Handelnden recht unterschiedliche Wege.
Clemens Zavarsky | 03.12.2009

JOSEF BLUM

04.02.1898 18.10.1965
7 Spiele für das Wunderteam

Wie später Ernst Happel trug auch der Vienna-Verteidiger den inoffiziellen Titel »Wödmasta«. Bekannt für seine Ruhe und Übersicht, gefürchtet für seine Effizienz bei Freistößen und Elfmetern. Blum war zwölf Jahre Kapitän der österreichischen Nationalelf und bis zu seinem Rücktritt nach dem 8:2 gegen Ungarn im April 1932 unumschränkter Chef des Wunderteams.

KARL GALL

05.10.1905 27.02.1943
9 Spiele

Technisch brillanter Seitenläufer, der es mit dem Dribbling jedoch manchmal übertrieb. Hatte mit Walter Nausch einen Mannschaftskollegen von der Austria als Konkurrenten im Team. Starb 1943 als Wehrmachtssoldat in Russland bei einer Minen­explosion.

FRITZ GSCHWEIDL

23.12.1901 15.04.1970
11 Spiele (4 Tore)

Groß gewachsener Stürmer, der den Ball hervorragend abdecken konnte, aber mitunter phlegmatisch wirkte. Im Team als rechter Verbinder nach Startschwierigkeiten kongenialer Partner von Matthias Sindelar. Der gelernte Buchhalter spielte noch mit 45 Jahren für seine Vienna.

RUDOLF HIDEN

09.03.1909 11.09.1973
13 Spiele

Der gebürtige Grazer, der 1927 vom GAK zum WAC wechselte, galt über viele Jahre als einer der besten Tormänner Europas: faust- und fangsicher, stark im Herauslaufen, wegen seines robusten Einsatzes bei gegnerischen Stürmern gefürchtet. Unterschrieb 1930 einen Vertrag bei Arsenal, musste aber mangels Arbeitserlaubnis unverrichteter Dinge wieder heimreisen. Von 1933 bis 1940 Legionär bei Racing Paris, wo er auch die französische Staatsbürgerschaft annahm.

HANS MOCK

09.12.1906 22.05.1982
3 Spiele
Der elegante Seitenläufer konkurrierte im Team mit Smistik. Bei der Austria bildete er mit Gall, Nausch und Adamek die starke Mittelfeldformation jener Mannschaft, die sich 1933 und 1936 den Mitropa­cup sichern konnte. Bereits vor dem »Anschluss« Mitglied der NSDAP und SA, danach Teamkapitän der deutschen National­mannschaft.

WALTER NAUSCH            

05.02.1907 11.07.1957
10 Spiele

Der universell einsetzbare Läufer und zeitweise Kapitän des Wunderteams galt als echter Sir. Die Nazis boten der Austria-Legende 1938 eine hohe Position als Fußballfunktionär an. Nausch ging stattdessen mit seiner jüdischen Frau in die Schweiz und folgte dem Ruf von Grasshoppers-Manager Karl Rappan. Führte Österreich nach seiner Rückkehr als Teamchef zu Platz drei bei der WM 1954.

KARL RAINER                

01.07.1901 - 09.06.1987
8 Spiele

Technisch hervorragender Verteidiger mit intelligentem Stellungsspiel. Harmonierte bei der Vienna hervorragend mit Pepi Blum und im Team mit Karl Sesta. Der »Musterknabe«, als den ihn Hugo Meisl gern bezeichnete, war Kapitän beim Jahrhundertspiel gegen England an der Stamford Bridge.

ANTON SCHALL

22.06.1907 10.08.1947
14 Spiele (20 Tore)

Einer der explosivsten Stürmer des österreichischen Fußballs. Krönte sich fünfmal in Folge zum Liga-Torschützenkönig (1927/28 bis 1931/32) und war auch der erfolgreichste Goalgetter des Wunderteams. Schall bildete gemeinsam mit Adolf Vogl im Team und bei der Admira das perfekteste linke Flügelpaar aller Zeiten. Gegen Karriere­ende auch ein hervorragender Verteidiger. Verstarb mit 40 Jahren als Betreuer des FC Basel während des Trainings an einem Herz­infarkt.

ROMAN SCHRAMSEIS

20.03.1906 10.12.1988
4 Spiele

Der kompromisslose Verteidiger schonte weder sich noch den Gegner. Schramseins war ein echter Wiener mit losem Mundwerk. Mit dem umsichtigen und ruhigen Blum bildete der Rapidler das erste Verteidigerpaar des Wunderteams.

KARL SESTA                

18.03.1906 12.07.1974
6 Spiele
Muskulöses Energiebündel schnell, technisch perfekt, schusskräftig. Der WAC-Verteidiger war für seine Ausflüge in den Angriff ebenso berühmt wie für seine Scherensprünge und Beinscheren. Nebenbei war der gelernte Hufschmied österreichischer Meister im Ringen. Der »Blade« war auch als begeisterter Sänger und Schmähbruder bekannt. Unvergessen sein angeblicher Dialog mit dem englischen Königssohn George, der anlässlich des Länderspiels an der Stamford Bridge zu ihm gesagt haben soll: »Sie haben einen wunderschönen Beruf.« Woraufhin Sesta der Überlieferung zufolge auf Wienerisch meinte: »Sie haben oba a ka schlechte Hackn.« (Siehe auch Artikel auf Seite 30, Anm.)

MATTHIAS SINDELAR

10.02.1903 23.01.1939
14 Spiele (14 Tore)

In Mähren geboren und auf den Gstätten Favoritens aufgewachsen, wurde Sindelar zum populärsten Repräsentanten der Wiener Schule: technisch perfekt, trickreich, effektiv. Nach einer Verletzung bei seinem ersten Profiklub Hertha stets mit Kniestrumpf unterwegs, ob seines eleganten und körperlosen Spielstils »der Papierene« genannt. Englische Vereine boten für Sindelar über eine Million Schilling, blitzten bei der Austria aber ab. Nachdem er 1938 ein »arisiertes« Kaffeehaus übernommen hatte, starb er 1939 unter nicht restlos geklärten Umständen an der Seite seiner Geliebten Camilla Castagnola an einer Kohlenmonoxidvergiftung.

JOSEF SMISTIK

28.09.1905 28.09.1985
9 Spiele (1 Tor)

Der gebürtige Stadlauer repräsentierte die kraftvolle Spielweise Rapids im Wunderteam. Smistik war ein verlässlicher Mittelläufer der Extraklasse. Als Nachwuchstrainer beim FAC und Stadlau entdeckte er später Ernst Ocwirk, weitere Trainerstationen führten Smistik in die Schweiz zu Schaffhausen und als Sektionsleiter zur Austria.

ADOLF VOGL                

04.05.1910 09.04.1993
14 Spiele (6 Tore)
Der elegante und pfeilschnelle Flügelstürmer debütierte als 17-Jähriger für die Admira und wurde von seinen Kollegen »König« genannt. Ging später nach Schweden, wo er lange als Trainer tätig war und 1993 als letztes Mitglied des Wunderteams verstarb.

KARL ZISCHEK

28.08.1910 06.10.1985
13 Spiele (11 Tore)

Einer der schnellsten und besten Rechtsaußen, die Österreich je hatte. Debütierte beim ersten Match des Wunderteams gegen Schottland in der Nationalelf. Spielte zeit seiner Karriere nur für Wacker Wien, für die er sogar mit 40 Jahren noch einsprang. Schaffte sich als Cafétier und Fischhändler in Meidling ein zweites Standbein.

TORE & EINSÄTZE

In 16 Matches vom 5:0 gegen Schottland am 16. Mai 1931 bis zum 1:2 gegen die Tschechoslowakei am 9. April 1933 traf das Wunderteam 63-mal ins Tor, ein beeindruckender Schnitt von 3,94 Toren pro Spiel. Neben den Porträtierten kamen folgende Spieler zu Wunderteam-Einsätzen: Georg Braun (7), Leopold Hofmann (5), Heinrich »Wudi« Müller (3), Johann Horvath, Johann Luef, Josef Molzer und Franz Weselik (je 2), Karl Adamek, Josef Adelbrecht, Josef Bugala, Leopold Czeijka, Josef Chloupek, Leopold Drucker, Karl Graf, Rudolf Hencl, Anton Janda, Otto Kaller, Peter Platzer, Karl Stoiber, Johann Urbanek, Georg Waitz und Rudolf Zöhrer (je 1).

Referenzen:

Heft: 48
Rubrik: Thema
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