Auf die Pfeife

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Christoph Schröder bietet in seinem Buch seltene Einblicke in die Innenwelt von Schiedsrichtern und macht Heißhunger auf Bratwurst und Amateurfußball.

 

Christoph Schröder
„Ich pfeife!“
(Tropen 2015)

Alexander Juraske | 24.09.2015

Auf der Beliebtheitsskala von Fußballfans rangiert der Schiedsrichter wohl zwischen einer Wurzelbehandlung und einem Griff ins Klo. Wer derartige Urteile revidieren möchte, dem sei Christoph Schröders Buch „Ich pfeife! Aus dem Leben eines Amateurschiedsrichters“ empfohlen. Der Autor, selbst seit seinem 14. Lebensjahr als Schiedsrichter unterwegs, nimmt die Leser mit auf eine Reise über die Amateurplätze Hessens. Er bietet Einblicke in das Umfeld des wohl undankbarsten Jobs der Welt, erklärt, warum die Bratwurst das Symbol des Amateurbereichs schlechthin ist, und schlägt über Betrachtungen zur Regelkunde den Bogen zum Profifußball.


All dies gelingt vorzüglich. Schröder findet immer die richtigen Worte – sein Hauptberuf als Literaturkritiker mag da geholfen haben – und betrachtet die Dinge mit einer großen Portion Selbstreflexion. Bei der Lektüre kommt man auf den Geschmack, wieder ein Amateurspiel zu besuchen, sich eine Wurst zu gönnen und einen anderen Blick auf die Schiedsrichter zu wagen.

ballesterer: Warum ist der Dienst an der Pfeife für Sie eine Berufung, der Sie schon seit 27 Jahren nachgehen?
Christoph Schröder: Weil es ungeheuren Spaß macht, wenn alles gut läuft. Jedes Wochenende auf einen Platz zu fahren und es mit 22 Menschen zu tun zu haben, zu denen du in kurzer Zeit ein Verhältnis aufbauen musst. Denn nur so kannst du auf dem Platz eine Atmosphäre schaffen, in der alle miteinander zurechtkommen. Wenn das funktioniert, empfinde ich eine große Freude.
Was sollte ein Schiedsrichter als wichtigste Fähigkeiten mitbringen?
Man braucht vermutlich eine Mischung von eigentlich entgegengesetzten Eigenschaften: Einfühlungsvermögen, körperliche Fitness, aber auch Flexibilität und Durchsetzungsvermögen. Einfühlungs- und Durchsetzungsvermögen sind wahrscheinlich die beiden wichtigsten Faktoren.


Werden Schiedsrichter auf ihre Tätigkeit am Platz gut vorbereitet?
In Deutschland gibt es von Verbandsseite neuerdings einige Versuche, mit Mentaltrainern zu arbeiten. Ich glaube, dass solche Persönlichkeitsschulungen sehr hilfreich sein können. Als ich angefangen habe, hat es das noch nicht gegeben. Damals haben wir uns Dinge bei den Großen im Fernsehen abgeschaut.
Was sind die größten Herausforderungen für das Schiedsrichterwesen?
Das Spiel wird immer schneller – nicht nur im Profibereich, sondern auch bei den Amateuren. Die Schiedsrichter müssen da mithalten und gleichzeitig die Fehlentscheidungen minimieren. Ohne technische Hilfsmittel wird das aber nicht möglich sein. Das darf jedoch nicht dazu führen, dass der Spielfluss durch ständige Unterbrechungen gestört wird. Die Dynamik des Spiels muss erhalten bleiben.

Referenzen:

Heft: 103
Rubrik: Rezensionen
ballesterer # 120

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