Aufstieg der Kleinen

cache/images/article_2014_lask_140.jpg Reformdiskussionen mit der Bundesliga, kein Konkurrenzkampf im Osten, ein drohendes Relegationsduell zwischen den Red-Bull-Satellitenklubs aus Pasching und Liefering und zwei Traditionsklubs, die ebendieses verhindern wollen. In den Regionalligen gärt es.
Mathias Slezak | 12.02.2013

Die Relegation ist Geschichte. Am 14. Dezember hat das 13-köpfige ÖFB-Präsidium mit nur drei Gegenstimmen, jenen der Bundesliga-Vertreter, den Direktaufstieg der Regionalliga-Meister ab der Saison 2013/14 beschlossen. Am Tag vor der ÖFB-Präsidiumssitzung hatte die Bundesliga ein Konzept für die Zusammenlegung von drei auf zwei Regionalligen vorgelegt. Die Erste Liga sollte weiterhin mit zehn Vereinen gespielt werden, die zwei Regionalliga-Meister fix aufsteigen dürfen. Ein Vorschlag, den die Vertreter der Landesverbände nicht einmal diskutieren wollten. Nun liegt es ausgerechnet an der Bundesliga, den Beschluss des ÖFB-Präsidiums umzusetzen. »Ich glaube, dass das nicht gescheit gemacht worden ist«, sagt LASK-Trainer Karl Daxbacher. »Ich verstehe, dass die Vereine den Direktaufstieg wollen, aber niemand weiß, wie man das umsetzen soll.« Darüber soll sich jetzt eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Bundesliga und ÖFB Gedanken machen. Sie soll bis zur nächsten ÖFB-Präsidiumssitzung einen gemeinsamen Vorschlag erarbeiten. Bleibt der ÖFB bei seiner Forderung nach dem Direktaufstieg, ist eine Aufstockung der Ersten Liga wohl unumgänglich, denn bei aktuell zehn Vereinen müsste jedes Jahr fast ein Drittel der zweiten Spielklasse in den Amateurbereich absteigen, was langfristiges Planen so gut wie unmöglich machen würde.


Konkurrenzlos im Osten
Planungssicherheit gibt es hingegen für die Spitzenteams in der Regionalliga Ost. Und das, obwohl die Tabellensituation eigentlich auf ein spannendes Frühjahr hindeuten würde: Die Austria Amateure führen die Tabelle mit drei Punkten Vorsprung auf Parndorf an, einen Punkt hinter den Burgenländern liegt der FAC in Lauerstellung. Es wäre also alles angerichtet für einen spannenden Aufstiegskampf, wenn nicht die Austria als Amateurteam ohnehin nicht aufsteigen dürfte und die Floridsdorfer nicht bereits Ende November verlautbart hätten, dass sie nicht um die Lizenz für die Erste Liga ansuchen werden. Grund dafür seien die hohen Anforderungen der Bundesliga, die unter anderem die Anstellung von mindestens 18 Fußballern sowie umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen verlangen. Rund 400.000 Euro müssten die Wiener in ihre Anlage investieren, um sie zweitligatauglich zu machen. »Wir müssten unser Budget verdreifachen. 1,5 Millionen Euro sind dort das Minimum, und mit diesem Betrag spielst du gegen den Abstieg«, sagt Peter Eigl, sportlicher Leiter des FAC. Er fordert ein neues Ligaformat: »Wir brauchen endlich eine Liga, die unserem Land angepasst ist. Österreich hat nicht den Markt für zwei Profiligen.« Die Bundesliga solle auf 16 Vereine aufgestockt werden und darunter drei Regionalligen und neun Landesligen installiert werden. Die zweite Liga würde in diesem Modell wegfallen. »Das wäre eine realistische Lösung«, sagt Eigl. Während man in Floridsdorf am Ligaformat und dem Übergang zwischen Amateur- und Profibereich tüftelt, muss Parndorf nur mehr unter die ersten fünf der Tabelle kommen, um sich den Startplatz für die Relegation zu sichern. Die Burgenländer haben als einziger Ostligaverein die Lizenz beantragt.
 
Schweigen im Waldstadion
Deutlich spannender ist es in der Regionalliga Mitte, wo sich der FC Pasching innerhalb eines Jahres vom Abstiegskandidaten in einen Titelanwärter verwandelt hat. Derzeit liegen die Oberösterreicher mit vier Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze, ein Jahr davor fehlten ihnen als Vorletzter in der Winterpause acht Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz. Doch dann kam Red Bull und die Rettung in letzter Sekunde. Mit einer Finanzspritze aus Salzburg wurden Spieler mit Bundesliga-Erfahrung wie Hans-Peter Berger, Daniel Sobkova und Martin Grasegger verpflichtet. Nach einer Aufholjagd im Frühjahr konnte sich Pasching mit einem 8:0-Kantersieg gegen den GAK, der seine erste Garnitur für die Relegation geschont hatte, in der letzten Runde den Klassenerhalt sichern.


Im Sommer wurde der Kader abermals verstärkt und 13 neue Spieler verpflichtet. Jetzt führt der FC Pasching die Tabelle vor dem LASK an. In der Relegation könnte Pasching auf den zweiten Red-Bull-Satellitenklub treffen, den FC Liefering aus der Regionalliga West. Auf dieses Szenario angesprochen, herrscht Schweigen im Paschinger Waldstadion. Auf die Interviewanfrage an Geschäftsführer Norbert Schnöll, der vor seinem Engagement in Pasching beim ehemaligen Red-Bull-Kooperationsklub Anif tätig war, folgt aus der Geschäftsstelle die Auskunft, dass man keinen Kommentar abgebe. Auch Trainer Gerald Baumgartner, der im Sommer 2012 von den Red Bull Juniors zu den Oberösterreichern gewechselt ist, stehe für kein Gespräch zur Verfügung.


Nicht viel mitzureden haben auch die Ex-Klubs von Schnöll und Baumgartner und zwar im Titelkampf der Regionalliga West. Anif und die Red Bull Juniors bilden seit Sommer eine Spielgemeinschaft, die nach der Herbstsaison nur auf dem siebenten Tabellenrang liegt. Die Verantwortlichen in Salzburg legen ihr Augenmerk neuerdings ohnehin auf den FC Liefering, der im Sommer 2012 die Lizenz von Anif übernommen hat. Die Herbstsaison haben die Salzburger, deren Kader mit Ex-Bundesliga-Spielern wie Rene Aufhauser, Andreas Schrott und Wolfgang Mair gespickt ist, mit zwei Punkten Vorsprung auf Austria Salzburg an der Tabellenspitze abgeschlossen. Die besten Chancen, ein Red-Bull-internes Relegationsduell zwischen Liefering und Pasching doch noch zu verhindern, haben zwei Traditionsvereine: der LASK und Austria Salzburg.

 
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Referenzen:

Heft: 79
Rubrik: Spielfeld
Thema: Regionalliga
ballesterer # 121

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