Auswärts immer top

cache/images/article_2505_tbi_5746_140.jpg

Der FC Bayern und Borussia Dortmund sorgen in Deutschland für volle Stadien – auch auswärts. Von der Reisefreudigkeit ihrer Fans wollen die anderen Klubs profitieren und verlangen für diese Spiele besonders hohe Eintrittspreise.  

Arne Steding | 09.09.2015

Den Fans von Borussia Dortmund reicht es. Sie müssen bei Auswärtsspielen tief in die Tasche greifen, weil der gastgebende Verein sich von den angereisten Fans ein gutes Geschäft verspricht. Die Preisgestaltung der TSG Hoffenheim in diesem Jahr hat nun das Fass zum Überlaufen gebracht – die BVB-Fans wollen der Partie aus Protest kollektiv fernbleiben.

Wertvolle Gäste
Das günstigste Sitzplatzticket beim Gastspiel in der Sinsheimer Arena am 23. September kostet 55 Euro, 20 Euro mehr als noch im Jahr zuvor, 20 Euro mehr als beispielsweise die Fans von Schalke 04 beim Gastspiel für denselben Platz zu zahlen haben und sogar knapp 30 Euro mehr als die TSG für dieses Ticket gegen den FC Augsburg verlangt. „Dabei waren beide Vereine letztes Jahr sportlich vor dem BVB“, sagt Marc Quambusch, Sprecher der Initiative „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“. Der Ärger unter den Fans sei groß gewesen – und entsprechend hoch die Bereitschaft, sich am Boykott zu beteiligen. „Die Fans, mit denen wir gesprochen haben, waren ausnahmslos dafür.“ Ohnehin gehören die Dortmunder zu den eifrigsten Aktivisten in der 2010 gegründeten „Kein Zwanni“-Initiative, leiden sie doch besonders stark unter der Preisgestaltung. „Wir haben einige Erfolge erzielen können, was Stehplätze betrifft“, sagt Quambusch. „Leider gibt es aber auch Klubs, die die Sitzplatzpreise permanent erhöhen.“

Tatsächlich macht das Beispiel Schule, Anhänger der großen Vereine auswärts zur Kasse zu bitten. Während die Dauerkartenpreise in der Liga weitgehend konstant bleiben, variiert der Tageskartenpreis je nach Attraktivität der Gegner. Bei Bayer Leverkusen beispielsweise kostet die günstigste Sitzplatzkarte gegen den FC Bayern und die Dortmunder Borussia so viel wie die teuerste gegen Darmstadt 98, nämlich 32 Euro. Bei Hertha BSC macht die Frage, mit welchem Verein man nach Berlin anreist, beim Kartenpreis bis zu 45 Euro Unterschied aus; beim Hamburger Sportverein gar 49 Euro.

Schieflage
Prinzipiell habe die „Kein Zwanni“-Kampagne kein Problem damit, wenn Fans mehr zahlen, die den eigenen Verein gegen die Bayern oder den BVB sehen wollen, nicht aber gegen Ingolstadt, sagt Quambusch. Die Frage sei nur, warum diese Preisgestaltung auch auf die Gästekarten für die Fans jener Vereine angewandt werde. Bayern-Fans zahlen für die günstigste Sitzplatzkarte bei Auswärtsspielen im Schnitt über zehn Euro mehr als Anhänger aus Ingolstadt und Darmstadt. Und das, obwohl ein Kick in Hannover oder Berlin für sie alles andere als ein Topspiel ist.

Diese Schieflage macht sich auch im Preis bemerkbar, den die Hoffenheimer Fans beim Rückspiel im Februar in Dortmund zu zahlen haben: 31,20 Euro kostet dann das günstigste Sitzplatzticket, 45 Prozent weniger als die TSG im September verlangt.

Foto: Bielefeld    

Referenzen:

Heft: 105
Thema: Deutschland
ballesterer # 114

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 15.09.2016.

Abo bestellen

Newsletter


RSS Feed abonnieren

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png