Modernes Nordkorea, altmodisches Brasilien
Viele Teams verschoben stets zum Ball und konnten den Spielaufbau der Gegnerinnen mit intensivem Pressing stören. So spielten etwa die Nordkoreanerinnen. Wenn sie um die ballführende Gegnerin eine schnelle Überzahl herstellten, lösten sie sich von den Positionen ihres 4-4-2 und bereiteten damit dem Favoriten USA große Probleme.
Das Prinzip »Überzahl um den Ball herstellen« galt für die brasilianischen Frauen offensichtlich nicht. Sie spielten in einem 3-4-3, zwischen Defensive und Offensive entstand eine Kluft: Während Abwehr und Mittelfeld weitgehend verteidigten, griffen meist nur drei Spielerinnen an, Anspielstationen boten sich kaum. Auch Johannes Uhlig, Trainer von Österreichs Meister SV Neulengbach, vermisste ein kompaktes Brasilien: »Da hat es zu wenig Zusammenspiel gegeben. Sie waren von Einzelaktionen einer Marta oder Rosana abhängig und sind deshalb verdient im Viertelfinale ausgeschieden.«
Flankendes Deutschland, schnelle USA
Weiter haben es die deutschen Gastgeberinnen auch nicht geschafft. Sie liefen mit einem 4-2-3-1 auf. Ein Trend, der sich bereits bei der Männerfußball-WM 2010 gezeigt hatte und nun auch in den Aufstellungen von Englands und Frankreichs Frauenteam niederschlug. Deutschlands Trainerin Silvia Neid forcierte das schnelle Umschalten: In Ballbesitz wurden die Flügelspielerinnen angespielt, die die körperlich und technisch starken Stürmerinnen mit Flanken bedienten.
Den Konter bevorzugten auch andere: »Schweden, Norwegen und die USA versuchten mit schnellem Vertikalspiel in die Spitze sofort zum Abschluss zu kommen. Das hat man zum Beispiel am Tor im Finale von Alex Morgan nach einem Pass über 40 Meter gesehen«, sagt Uhlig. Morgan war kaum vom Ball zu trennen und wie ihre Kolleginnen schussstark. Die USA spielten, wie die meisten Teams der WM, in einem 4-4-2 und wurden auch über die Flügel gefährlich, wo etwa Megan Rapinoe die abschlussstarke Abby Wambach bediente. Johannes Uhlig haben zwei weitere Positionen imponiert: »Mittelfeldspielerinnen wie Homare Sawa waren sehr torgefährlich. Die Außenverteidigerinnen haben sich häufig mit Flanken in die Offensive eingeschaltet.«
Japanische Dominanz
Der ehemalige Milan-Trainer Arrigo Sacchi hat einmal gesagt, dass den großen Vereinen der Geschichte Platz und Ball gehörten, da sie bei Ballbesitz das Spiel und beim Verteidigen den Raum kontrollierten. Das versuchten Australien und Frankreich mit ansehnlichem Kombinationsspiel, allerdings mit einigen Defiziten. Auf hohem Niveau ist das nur dem Weltmeister gelungen: »Japan hat ein schnelles, solides und flüssiges Barcelona-ähnliches Kurzpassspiel forciert«, sagt Uhlig. »Sie sind taktisch diszipliniert und kommunizieren gut. Unter Druck machen sie kaum Fehler und erobern den Ball rasch wieder zurück.« Über das gesamte Turnier hinweg gehörten den Japanerinnen Platz und Ball.
Johannes Uhlig sieht nicht nur bei den Weltmeisterinnen einen Entwicklungsschub: »Die Frauen haben insgesamt einen riesigen Sprung gemacht. Seit 2007 haben sich Athletik, Geschwindigkeit, Technik und Taktik enorm verbessert. Besonders die Finalspiele sind fantastisch gewesen.«
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Brasilien vertraut auf individuelle Stärke, Deutschland schaltet schnell um, die USA kontern erfolgreich und Japan kombiniert. Die WM 2011 war auch eine Konfrontation verschiedener Spielauffassungen. Die wichtigsten Trends in der Analyse.
erscheint am 12. Juli 2013.
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