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Karim Onisiwo hätte im Sommer aus der Regionalliga in die Bundesliga wechseln können, er entschied sich für Mattersburg und die zweite Liga und kam zu seinem Debüt im U21-Nationalteam. 

Martin Hanebeck | 12.11.2014

Eine große Zukunftshoffnung ist Karim Onisiwo für U21-Teamchef Werner Gregoritsch nicht. Mit seinen 22 Jahren ist der Wiener ab dem nächsten U21-Turnier zu alt für die Nachwuchsnationalmannschaft - und dennoch nominierte Gregoritsch den Stürmer für die entscheidenden EM-Qualifikationsspiele im September. "Der Junge ist ein Naturtalent", sagt der Trainer. Onisiwo ist wahrscheinlich die auffälligste Neuentdeckung der Ersten Liga. Für den SV Mattersburg hat er in seinen 15 ersten Ligaeinsätzen bereits neunmal getroffen.

Bezugsperson gesucht
Die Liste seiner bisherigen Vereine ist trotz Onisiwos noch junger Karriere lang. Allein in Wien spielte er in seiner Jugend bei sieben verschiedenen Klubs, darunter bei der Austria, Rapid und der Vienna. Länger als ein Jahr hielt es ihn jedoch selten irgendwo. "Karim ist ein sensibler Mensch", sagt Thomas Klochan, der ihn letztes Jahr als Co-Trainer bei Austria Salzburg betreute. "Wenn er nicht genug Vertrauen vom Trainer oder von den Mitspielern gespürt hat, ist er in ein Tal gefallen."

Auch Heimo Pfeifenberger hat ähnliche Beobachtungen gemacht. Onsiwo habe sich schnell hängen lassen, wenn etwas nicht nach Plan lief. "Seine Entwicklung zeigt aber, dass er das hinter sich gelassen hat", sagt der Wiener-Neustadt-Trainer. 2011 wollte Pfeifenberger Onisiwo zum damaligen Zweitligisten Grödig holen. Im Probetraining konnte er jedoch nicht überzeugen. "Ich habe ihm dazu geraten, in der Umgebung Fuß zu fassen und Erfahrungen zu sammeln", sagt Pfeifenberger. Onisiwo folgte dem Rat: Über den TSV Neumarkt und SV Strasswalchen landete er 2012 bei Austria Salzburg. Im ballesterer-Gespräch berichtet Onisiwo von weiteren Fastengagements der vergangenen Jahre: ein Probetraining beim VfL Bochum in Deutschland, ein weiteres bei Heart of Midlothian in Schottland. Beide Verpflichtungen, sagt er, scheiterten an zu hohen Forderungen seines damaligen Beraters. Mit Austria Salzburg wurde er vergangenen Sommer Meister der Regionalliga. Noch vor der verlorenen Relegation gegen den FAC unterschrieb er einen Einjahresvertrag beim SV Mattersburg. Andere prominente Klubs waren ebenfalls an einer Verpflichtung interessiert. "Wacker Innsbruck wollte mich haben, und auch Grödig hat starkes Interesse gezeigt", sagt Onisiwo. Der SK Sturm hingegen habe ihm zwar intensiv beobachtet, aber nie ein Angebot vorgelegt. Warum er dennoch nur in die zweithöchste Spielklasse ging? Thomas Klochan vermutet, dass Onisiwo den Wechsel zu einem Bundesligisten nicht ohne eine Bezugsperson wagen wollte. "Ich glaube, Karim ist zu Mattersburg gegangen, weil sein Teamkollege Michael Perlak ebenfalls dorthin gewechselt ist", sagt er. "Das war für mich einer der Gründe", bestätigt Onisiwo. "Hier passt das Kollektiv gut zusammen."

Stögers Taktik
Über die nächsten Karriereschritte will Onisiwo nicht spekulieren. "Mein aktuelles Ziel ist der Aufstieg mit Mattersburg. Was in drei Jahren passiert, interessiert mich noch nicht." Im September 2014 folgte mit der Einberufung ins U21-Team ein weiterer Sprung nach vorne. Beim Spiel gegen Bosnien-Herzegowina kam Onisiwo in St. Pölten zu einem Kurzeinsatz, gegen Spanien saß er nach der Rückkehr der davor gesperrten Michael Gregoritsch und Florian Kainz nur auf der Tribüne. "Er hat auf diese Entscheidung sehr korrekt reagiert und sich super verhalten", sagt Werner Gregoritsch. "Wenn er so weiterarbeitet, traue ich ihm bald die Einberufung ins Nationalteam zu." Onisiwo selbst sagt, er habe viel mitgenommen aus den zwei Wochen beim U21-Team. "Ich bin sehr froh, dass ich mit solchen Kollegen zusammenspielen durfte." Erfahrene Spieler wie Marcel Ritzmaier, Robert Zulj, Louis Schaub und Cican Stankovic stehen im Kader.

Karim Onisiwos Karriere unterscheidet sich von der anderer Spieler seines Jahrgangs, er hat keine der professionellen Akademien besucht. Dass er deswegen taktische Defizite habe, glaubt Onisiwo nicht. Mit 15 sei er zur Vienna gewechselt und habe dort später auch bei Peter Stöger mittrainiert. "Da dürfte ich nicht so viel versäumt haben, wenn man sich anschaut, wo der jetzt trainiert." Aus Sicht von Thomas Klochan stellt sich das etwas anders dar. Er sieht einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Karrierewegen, Onisiwos größtes Manko liege im taktischen Bereich: "In den Akademien wird viel Wert auf Stellungsspiel, richtiges Verschieben und insgesamt auf Taktik gelegt", sagt er. Ein Nachteil muss das für die weitere Karriere von Osiniwo aber nicht sein: "Akademiespieler sind den Erwachsenenfußball nicht gewohnt. Spieler, die über den Amateurfußball kommen, haben gelernt, sich durchzubeißen."

Foto: Martin Hanebeck

Referenzen:

Heft: 97
Verein: SV Mattersburg
ballesterer # 113

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