»Das A kommt vor dem E«

cache/images/article_2082_partis2_140.jpg Thomas Parits hat der Wiener Austria unter Joschi Walter gedient und für Frank Stronach Spieler gekauft. Nach dessen Abgang war er als Sportvorstand verantwortlich für den neuen Weg, der die Austria nun zum 24. Meistertitel führen soll. Ein Gespräch über Nationalspieler auf Knien, den Traum von der Champions League und Tankstellen im Burgenland.
Reinhard Krennhuber | 13.05.2013
Thomas Parits kann nicht sitzen, als er den ballesterer zum Interview in der Austria-Geschäftsstelle empfängt. Grund ist aber nicht das 2:2 im Derby gegen Rapid, das den Vorsprung auf Red Bull Salzburg auf sechs Punkte hat schmelzen lassen. Dem 66-Jährigen macht ein Bandscheibenvorfall zu schaffen. Doch der sportliche Leiter der Austria nimmt es so locker wie möglich und absolviert das einstündige Interview im Stehen. Unbeweglich ist Parits aufgrund seines Malheurs noch lange nicht. Zwischendurch präsentiert er Fotos von der Aufstiegsfeier seines Ex-Klubs Granada, blickt auf die Trainingsplätze der Wiener Austria und zeigt den Qualifikationsraster für die kommende Champions-League-Saison. Und schon beginnen seine Augen wieder zu funkeln.

ballesterer: Die Meisterschaft geht ins Finale, der Vorsprung der Austria ist zuletzt geschmolzen. Mit welchem Gefühl gehen Sie in die letzten Spiele?
Thomas Parits: Wir haben drei Viertel der Meisterschaft dominiert, aber ich habe gewusst, dass sich das irgendwann drehen wird. Salzburg ist ein sehr harter Konkurrent. Sie haben vor der Saison 15 Millionen Euro investiert. Entscheidend ist: Wir wollten um den Titel mitreden, das haben wir erreicht. Ebenso die Qualifikation für die Champions League. Was den Titel angeht, bin ich ruhig. Wir haben sechs Punkte Vorsprung und das bessere Torverhältnis. Salzburg müsste fast alle Spiele gewinnen, damit sie uns noch einholen.
Was sind die entscheidenden Faktoren für den Erfolg der Austria?
Der Hauptgrund für unsere Stärke ist Peter Stöger. Er hat einen Kader übernommen, der fast ident war mit jenem aus dem Frühjahr der Vorsaison, und das Maximum herausgeholt. Mein Anteil daran ist nicht so groß. Ich habe nur geschaut, dass jede Position doppelt besetzt ist. Im Herbst hatten wir kaum Verletzte, das hat die Konkurrenz gesteigert. Der Peter hat es geschafft, die Mannschaft bei Laune zu halten. Im Trainingslager war ein Teambetreuer mit, der den Zusammenhalt gestärkt hat. Das sind Kleinigkeiten, aber dadurch ist ein Teamgeist entstanden, den ich so noch nicht gesehen habe.
Wie greifen die Räder von Stöger und Ihnen ineinander?
Wir analysieren die Spiele gemeinsam und liegen dabei sehr oft auf einer Linie. Ansonsten lasse ich ihn frei arbeiten. Der Peter ist die optimale Besetzung für den Trainerposten. Er macht nach außen hin den Eindruck eines Kumpeltyps, aber er ist sehr hart. Er kümmert sich um sehr viele Details und spricht alles an.
Mit der Verpflichtung von Philipp Hosiner ist Ihnen ein Goldgriff gelungen. Zuletzt hat Hosiner nicht getroffen und die Austria nicht gewonnen. Ist das Team abhängiger von ihm, als man es sich eingestehen möchte?
Nein, Philipp Hosiner ist genauso wie zum Beispiel Ale­xander Gorgon ein junger Spieler, bei dem wir Formschwankungen akzeptieren müssen. Tore werden nicht am Fließband geschossen. Philipp wird in den letzten Runden aber weitere Tore machen.
Welche Bilanz ziehen Sie über Ihre Transfers der vergangenen Jahre?
Ich bin sehr zufrieden. In den letzten sieben Jahren habe ich rund 70 Spieler verpflichtet. Da kann nicht jeder einschlagen. Wir haben stattliche Transfererlöse erzielt. So viel Geld wie Nazer Barazite wird uns ein Spieler so schnell nicht mehr bringen. Dass ein Multimillionär mit dem Geldkoffer kommt, spielt es normalerweise nicht. Dazu kommt, dass sich die abgegebenen Spieler im Ausland durchgesetzt haben: David Alaba, Zlatko Junuzovic, Julian Baumgartlinger, Aleksandar Dragovic. Natürlich tut es weh, wenn solche Spieler gehen, aber du kannst ihnen diese Möglichkeit nicht verbauen. Junuzovic hat mich vor dem Wechsel zu Bremen auf Knien um die Freigabe gebeten.
Dare Vrsic, von dem Sie sich ebenfalls viel versprochen haben, hat sich bisher nicht durchgesetzt. Warum?
Vrsic war Spielmacher im slowenischen Nationalteam und bei Ljubljana, er hat in einer Saison 22 Tore geschossen. Bei uns konnte er nicht daran anknüpfen. Stöger hat auf seiner Position zunächst rotieren lassen, jetzt steht ihm Alexander Grünwald im Weg, der sensationell spielt. Roman Kienast geht es ganz ähnlich. Er war bei Sturm Zweiter der Torschützenliste, bei uns sitzt er auf der Bank. Der Konkurrenzkampf ist bei der Austria stärker als bei anderen Mannschaften.
Was ist Ihre Strategie als Sportvorstand der Wiener Austria?
Im Vergleich zu Salzburg verfügen wir über begrenzte Mittel, deshalb konzentrieren wir uns auf die Entwicklung von österreichischen Talenten. Baumgartlinger hat bei 1860 nie gespielt, aber ich bin zu ihm nach München gefahren, weil ich mir viel von ihm versprochen habe. Junuzovic hat in Kärnten mehr verdient als bei der Austria, aber er hat sich überzeugen lassen, dass er hier den nächsten Karriereschritt machen kann. Wenn bei einem Länderspiel sechs oder sieben Ex-Aus­trianer in der Startaufstellung stehen, gibt mir das etwas. Das ist eine Befriedigung.
Für die kommende Saison wollen Sie den Stamm der Mannschaft halten. Am Horizont steht die Champions-League-Gruppenphase. Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?
Ich bin überzeugt, dass diese Mannschaft ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat. Das A kommt vor dem E - das Arbeiten vor dem sportlichen Erfolg. Wir haben uns diese Position hart erarbeitet. Wenn wir uns für die Champions League qualifizieren, liegen zehn Millionen Euro auf dem Tisch. Davon würde der gesamte österreichische Fußball profitieren, weil sich die Konkurrenz noch mehr anstrengen muss. Und unsere Spieler steigen durch die internationalen Auftritte in ihrem Wert.
Was Thomas Parits über Joschi Walter, Frank Stronach und seine Zeit als Tankstellenpächter sagt, lesen Sie in der Vollversion dieses Interviews in der aktuellen Printausgabe des ballesterer (Nr. 82, Juni/Juli 2013). Seit 14.5. österreichweit in den Trafiken sowie im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel!

Referenzen:

Heft: 82
Rubrik: Interview, Spielfeld
Verein: FK Austria Wien
ballesterer # 120

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