„Das ist die Saison meiner Karriere“

Die Admira ist das Überraschungsteam des Jahres – in der Liga und im Cup. Kapitän Christoph Schösswendter spricht über die Laune eines erfahrenen Trainers und den Erfolg einer jungen Mannschaft.

Moritz Ablinger | 05.04.2016

Christoph Schösswendter hat sich die Leiste gebrochen. Frühestens Mitte April wird der Kapitän der Admira seiner Mannschaft wieder zur Verfügung stehen. Zum Interview im Mediencenter der Südstädter kommt er direkt von der Physiotherapie. Mit dem Heilungsprozess ist Schösswendter zufrieden, er wirkt entspannt.

 

ballesterer: Vor genau einem Jahr war die Admira Tabellenletzter, jetzt steht Ihre Mannschaft auf dem vierten Platz und spielt im Cup-Halbfinale. Wie erklären Sie sich das?

Christoph Schösswendter: Genau wissen wir das selbst nicht. Fakt ist jedenfalls, dass wir die Abgänge im Sommer sehr gut verkraftet haben, ohne dass wir auf große Neuverpflichtungen gesetzt haben. Wir sind als Mannschaft näher zusammengerückt. Eine ganze Reihe von Spielern hat einen Sprung gemacht: Stephan Zwierschitz, Markus Lackner, Daniel Toth, um nur ein paar zu nennen. Wir haben darauf gehofft, aber dass diese positive Entwicklung so ausartet, damit haben wir wirklich nicht gerechnet.

 

Welche Ziele haben Sie sich vor der Saison gesteckt?

Das Ziel war ganz klar, den Abstieg zu vermeiden. Es also irgendwie zu schaffen, irgendein Team hinter uns zu lassen. Alles andere wäre damals vermessen gewesen. Jetzt kann ich darüber locker reden, aber im Sommer sind wir nach den Trainings manchmal in der Kabine gesessen und haben uns gefragt, wie das heuer funktionieren soll.

 

Und jetzt? Sie haben noch sieben Punkte Rückstand auf den Dritten, die Austria.

Es bringt nichts, wenn wir jetzt sagen, dass wir die Austria noch ärgern wollen. Dafür haben wir einfach noch nicht die Mannschaft. Wir sind zwar heuer gut, aber wir müssen auch am Boden bleiben. Wir wollen den vierten Platz halten. Das haben wir selbst in der Hand, das ist realistisch. Tiefstapeln wollen wir nämlich auch nicht. Es ist nicht unser Anspruch, nach so einer Saison Fünfter oder Sechster zu werden.

 

Zusätzlich spielt die Admira im Cup-Halbfinale Mitte April gegen Sankt Pölten. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Unser Ziel ist das Finale. Aber es wird ein sehr schweres Spiel, weil jeder erwartet, dass wir weiterkommen. Aber das erwarten wir von uns selbst auch. Wir wollen, dass man sieht, wer der Bundesligist ist. Sankt Pölten spielt zu Recht um den Aufstieg, aber wir müssen schon das Selbstbewusstsein haben zu sagen, dass ein Ausscheiden eine Riesenenttäuschung wäre.

 

Kommen wir zu Ihnen persönlich: Sie sind erfolgreichster Torschütze der Admira und das als Innenverteidiger. Wie passiert so etwas?

Blöd gesagt, ist das einfach zu erklären. Wir waren die letzten Jahre immer schlecht bei Standardsituationen, haben aber gewusst, dass es da ein großes Potenzial gibt. Wir haben ja viele kopfballstarke Spieler und dazu auch gute Schützen. Das haben wir viel zu wenig ausgenutzt. Im Sommer haben wir verstärkt Standards trainiert. Wir haben mehrmals die Woche verschiedene Variationen einstudiert – und das hat sich ausgezahlt. Wir sind ja nicht nur offensiv gefährlich, sondern verteidigen die Standards auch sehr gut.

 

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Schon im Winter hat es Transfergerüchte gegeben. Wie sieht Ihre Zukunft aus?

Es laufen Gespräche – Verhandlungen wäre wohl übertrieben – mit der Admira. Das Angebot will ich mir auf alle Fälle anschauen. Ich weiß zu schätzen, was ich an dem Verein habe. Ich habe die Rückendeckung der Trainer, des Klubs und der Mannschaft. Ich bin seit neun Jahren Profi und weiß, was das wert ist. Wenn die Admira bereit ist, zu zeigen, was ich ihr wert bin, ist ein Verbleib natürlich ein Thema. Ich bin aber auch nicht so naiv zu sagen, dass ich auf alle Fälle bleibe. Das ist bisher die Saison meiner Karriere. Es ist schon ein Anreiz, jetzt im besten Alter noch einmal einen Schritt zu machen und zu einem Verein zu gehen, der um den Titel mitspielen könnte.

 

Die Admira hat einige Besonderheiten: Sie hat das jüngste Team der Liga und wird von einem Trainerduo betreut. Was macht den Klub aus?

Die Trainer spielen eine ganz wichtige Rolle. Neben dem Ernst Baumeister und dem Oliver Lederer ist auch noch Co-Trainer Michael Horvath zu nennen. Sie beherrschen den Umgang mit der Mannschaft einfach perfekt. Gerade junge Spieler sind oft noch nicht konstant, da hat der Ernst Baumeister sicher eine große Rolle gespielt. Er hat ja eine chronisch gute Laune, wie der Oliver Lederer das immer nennt.

 

Ist das ein Unterschied zum vorherigen Trainer Walter Knaller?

Schon. Er war auch ein absoluter Fußballexperte, aber oft sehr ernst und sehr sachlich. Er war ein klassischer Fußballlehrer. Der Baumeister, mit seinem Schmäh und seiner Ausstrahlung, ist einfach ein anderer Typ.

 

Letzte Frage: Wie feiert man eigentlich einen 4:0-Sieg bei Rapid?

Das war schon etwas Besonderes. So schnell wird das nicht wieder passieren, dass Rapid zu Hause so zerstört wird, wenn ich das so sagen darf. So ein Spiel bringt zwar auch nur drei Punkte, aber da darf man auch einmal feiern und es sich ein Wochenende lang gut gehen lassen.

 

Zur Person:

Christoph Schösswendter (27) ist Innenverteidiger beim FC Admira Wacker. Sieben Tore hat er diese Saison bereits erzielt, so viele wie kein anderer Verteidiger der Liga. 2013 ließ der SK Rapid den Salzburger ziehen und gab ihn nach einer Leihe nach Altach in die Südstadt ab.


Referenzen:

Heft: 111
Rubrik: Spielfeld
Verein: Admira Wacker
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png