»Wir wollten in den düsteren Zeiten des erstmaligen Abstiegs in die Viertklassigkeit dem Verein und der Fanszene helfen. Millionen hatten wir nicht, fußballerisch hatten wir leider auch nur Kreisklasseniveau, da mussten wir es eben mit Schreiben versuchen«, schildert Goll die Motive am Beginn. »In der Oberligazeit gab es sehr wenig über den OFC zu lesen, das Internet war in den Kinderschuhen, das Vereinsmagazin gerade eingestellt, von daher hatten wir eine gewisse Lücke zu füllen.« Und diese Lücke füllte die ERWIN-Redaktion in der Tat. Neben den amüsanten Spielberichten, in denen nicht nur Gegner und Schiris, sondern mitunter auch die eigenen Fans ihr Fett abbekamen, zeichneten das Blatt vor allem ausführliche Interviews mit Kickers-Akteuren aus, jenes mit Manni Binz (»Klaus, die hacken mir die Eier ab«) brachte es zu deutschlandweiter Popularität. Im Jänner dieses Jahres wurde ERWIN noch einmal zum »Kultzine des Jahres« gewählt. »Ich denke, dass wir dazu beigetragen haben, neue Leute für den OFC zu gewinnen«, resümiert Volker Goll, »der Ruf des Klubs war nicht der beste und so ein Fanzine passte in den Augen vieler nun so gar nicht nach Offenbach. Unserer Meinung nach natürlich schon.«
Doch nun ist Schluss. Das Redaktionsteam, das über die Jahre auch für den Aufbau des Offenbacher Fanprojekts verantwortlich zeichnete, ist in die Jahre gekommen. »Inzwischen fehlender Spaß und Teamspirit« seien die Hauptgründe für ERWINs Ende, heißt es in einem selbstkritischen Artikel in der letzten Ausgabe. Der letzte Vorhang fiel dann nicht ohne Gänsehaut und Tränen. »In der Halbzeit des Spiels gegen 1860 München sind wir vor 10.000 Zuschauern auf dem Rasen offiziell vom Verein verabschiedet worden. Ein sehr ergreifender Moment«, erzählt Goll, »wir haben ja nur 2.000 Hefte pro Ausgabe verkauft, aber da klatschten deutlich mehr Leute.« Dass das Aus von ERWIN ein weiterer Beleg für das angebliche Fanzine-Sterben sei, glaubt er nicht: »Die Zeit für Zines ist sicher nicht vorbei. Denn wer geht schon mit seinem Laptop ins Bett, um noch ein paar nette Zeilen zu lesen, oder verzieht sich damit aufs stille Örtchen?«






erscheint am 12. Juli 2013.
Abo bestellen