Jetzt aber soll wieder einmal alles besser werden. Dem seit Jahren regelmäßig nachgelebten Prinzip des totalen personellen Austausches auf allen Ebenen folgend, wird GC auf die Saison 2007/08 hin erneut runderneuert wobei »neu« im Grunde das falsche Wort ist. Denn die Leute, die das vormals stolze Flaggschiff des helvetischen Fussballs wieder auf Kurs bringen sollen, sind vornehmlich alte Bekannte: An der Spitze des Vereins steht ab sofort Ex-Torwart Roger Berbig, und der starke Mann im Klub ist wie schon zwischen 1988 und 1999 der an die Stelle von Hobby-Sportchef Karl-Heinz Riedle getretene Erich Vogel. Die ihresgleichen suchende Machtfülle, die Letzterer beim »Relaunch« der Marke GC an sich gerissen hat, ist verblüffend. Zwar verbindet man mit dem Namen Vogel selige Erinnerungen an zahllose Titel und das stärkste GC-Team der letzten Jahre mit Spielern wie Ciriaco Sforza und Giovane Elber, weshalb die Rückkehr des 68-Jährigen von vielen denn auch gefeiert wurde wie die Ankunft des Messias; doch mindestens so viele würden den streitfreudigen Wirbler und Mauschler am liebsten gleich wieder zum Teufel jagen.
Wenngleich sich Vogel mit seinen scharfzüngigen televisionären Analysen zuletzt einige Feinde gemacht hat, sind ihm manche profilierte Freunde geblieben. Diese schart er nun auf Kosten anderer fleißig um sich. In der noch unlängst hoch gelobten Jugendabteilung, in die trotz beharrlichen Ausbleibens eines nennenswerten Ertrags etwa ein Drittel des Saisonetats fließt, hat Vogel als Erstes aufgeräumt.
Sodann nahm er sich der Position des Trainers an. Sie war in der Vorsaison mit dem vor allem durch Konzeptlosigkeit auffallenden Balakov kaum tauglich besetzt gewesen. Vogel holte seinen einstigen Lieblingsspieler Murat Yakin als Co, und als dessen Chef seinen in Köln gescheiterten Spezi Hanspeter Latour auf den Hardturm zurück. Ein psychologisch wichtiges Zeichen setzen schließlich Vogels erste Transfers: Mit Ex-Captain Ricardo Cabanas kaufte er GC eine veritable Integrationsfigur zurück, und dem Ligakrösus aus Basel luchste er mit Boris Smiljanic, selbstredend ebenfalls ein Rückkehrer, den wohl besten Innenverteidiger der abgelaufenen Saison ab. Auch wenn der erste Meisterschaftstitel seit 2002/03 vorläufig noch nicht ins Visier genommen wird, ist mit GC unter Vogels Führung mittelfristig wieder verstärkt zu rechnen. Scheitert der Klub indes auch mit diesem Experiment, wird er wohl endgültig im Chaos versinken. Denn ob es einem nun passt oder nicht: Vogel scheint GCs letzte Chance zu sein.






erscheint am 12. Juli 2013.
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