Der zurückhaltende Kapitän

ST. PAULI Vor zehn Jahren galt Fabio Morena als eines der größten Defensivtalente des deutschen Fußballs. Mittlerweile ist er 27 und gerade als Kapitän mit dem FC St. Pauli in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Morena sprach  über den Verlauf seiner Karriere, seine Erfahrungen und die Ziele mit dem Hamburger Kiez-Verein.


Jörg Große | 13.05.2008
ballestererfm: Fabio Morena und der FC St. Pauli haben vier turbulente Jahre in der Regionalliga hinter sich. Hatten Sie sich das so vorgestellt, als Sie damals am Millerntor unterschrieben haben?

Fabio Morena: Als ich 2003 zum Verein wechselte, waren nur noch drei Zweitligaspieler übrig, und die neue Mannschaft bunt zusammengewürfelt. Zur Unklarheit über die sportliche Qualität kamen finanzielle Probleme, die erst durch Bürgschaften und Aktionen wie die »Retter«-T-Shirts und »Saufen für St. Pauli« ein Stück weit gelöst wurden. In meiner ersten Saison war der Verein dem totalen Aus näher als dem Aufstieg.

Und wie fühlt sich St. Pauli heute an, kurz vor dem Start in die neue Zweitligasaison?

Sehr gut! Wir haben hart für diesen Erfolg gearbeitet. Man hat bereits in der Saison davor gespürt, dass wir uns langsam nach oben orientieren. Der Nicht-Aufstieg wurde durch die Erfolge im DFB-Pokal kompensiert. In der abgelaufenen Saison mussten wir es dann einfach packen das waren wir auch den Fans schuldig, die uns immer unterstützt haben.

Dennoch sah es lange Zeit nicht nach Aufstieg aus. Was hat die Wende zum Besseren gebracht?

Die Regionalliga Nord war sehr ausgeglichen und unserem Team gelang es nicht, sein größer gewordenes Potenzial abzurufen. Erst der Trainerwechsel von Andreas Bergmann zu Holger Stanislawski im Herbst brachte eine Veränderung. Im Frühjahr hatten wir dann eine sensationelle Serie. 

Der Klub sorgte immer wieder auch für Negativ-Schlagzeilen Amtsenthebung und Rückkehr des Vorstandes, Probleme beim Stadionumbau, Querelen bei der Besetzung des Managerpostens. Welchen Einfluss haben diese Vorgänge auf die Mannschaft gehabt?

Natürlich diskutieren wir im Mannschaftskreis über solche Situationen, aber wir sind auch konsequent genug, uns abzuschotten, wenn es drauf ankommt. Wer bei St. Pauli spielt, sollte das besondere Charisma des Vereins mögen und akzeptieren. Oder anderes gesagt: Wenn das eine Problem gelöst ist, kann sich woanders schon ein neues ergeben.

Die aktuelle zweite Liga wird bereits als »stärkste aller Zeiten« eingeschätzt. Wie bewerten Sie die Chancen, sich gegen Hochkaräter wie Kaiserslautern, Köln oder Gladbach zu behaupten?

Unser Saisonziel lautet Klassenerhalt. Alles darüber hinaus wäre mutig, ist aber nicht planbar. Partien wie die gegen Köln oder Kaiserslautern haben Pokal-Feeling für uns, weil wir krasser Außenseiter sind. Die entscheidenden Punkte müssen wir gegen Offenbach, Koblenz, Jena oder unsere drei Mit-Aufsteiger holen.

Ist der Aufstieg mit St. Pauli Ihr größter sportlicher Erfolg?

Die Mega-Ereignisse scheinen bei mir alle zehn Jahre stattzufinden. 1997 diese unglaubliche U17-WM in Ägypten (Anm.: Die DFB-Auswahl wurde Vierter), 2007 der Aufstieg mit Pauli in die Zweite Liga. Beides war prägend für mich als Fußballer und als Mensch.

Sie waren vor Jahren ganz nah dran an der Ersten Bundesliga. Was hat Ihnen damals zum Durchbruch beim VfB Stuttgart gefehlt?

Der Egoismus. Als junger Spieler musst du dich hinter Stars wie Bordon und Meira anstellen. Und mit der Ellenbogenmentalität einiger gleichaltriger Weggefährten konnte ich auch nicht viel anfangen. Ich war ein eher zurückhaltender Typ

der dann den VfB ohne Bundesligaeinsatz nach Spanien verlassen hat.

2002 bekam ich das Angebot zu zwei Probetrainings in Spanien. Ich unterschrieb einen Ein-Jahres-Vertrag bei Alicante CF, einem Spitzenklub der dritten Liga. Alles lief bestens, doch dann feuerte der allmächtige Präsident den Trainer. Das war der Anfang vom Ende. Wir verpassten den Aufstieg und ich ging zurück nach Deutschland.

Sie sind im März 27 Jahre alt geworden. Was möchten Sie in Ihrer Laufbahn noch erreichen?

Erste Bundesliga, ganz klar! Das war mein Traum vor zehn Jahren genauso wie heute. Ich bin dabei, mich mit Beharrlichkeit und Konstanz ranzupirschen. Das passt wohl auch am besten zu meiner Persönlichkeit. Manchmal denke ich, dass meine Karriere jetzt erst richtig losgeht und ich dummerweise doch schon 27 bin...          


Referenzen:

Heft: 29
ballesterer # 82

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Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

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