Die Knipser von Ried

cache/images/article_2205_prokop_140.jpg Rene Gartler und Robert Zulj sind die Erfolgsgaranten der SV Ried. Gemeinsam haben sie in dieser Saison bereits 17 Tore erzielt. Im Interview sprechen sie über ihre Zukunftspläne, eine Mannschaft ohne große Chefs und den faden Geschmack von Mineralwasser.
Mathias Slezak | 18.11.2013
Die SV Ried erfindet sich wieder einmal neu. Während früher die Urgesteine Oliver Glasner, Herwig Drechsel und Michael Angerschmid das Sagen hatten, herrscht heute eine flache Hierarchie in der Mannschaft. Für die Tore sorgen mit Robert Zulj und Rene Gartler zwei typische Vertreter dieser neuen Generation. Beide haben in Ried den Durchbruch geschafft, nachdem sie bei ihren vorherigen Vereinen keinen Vertrag mehr bekommen hatten. Beim Interview im alten Rieder Stadion lässt Zulj durchklingen, dass er kein Lautsprecher ist. Gartler dagegen nimmt sich vor allem hinsichtlich der Freizeitgestaltung von Fußballern kein Blatt vor den Mund.

ballesterer: Woran denkt ihr beim Begriff Magisches Dreieck?
Rene Gartler: An Balakov, Bobic und Elber, damals beim VfB Stuttgart. Das waren meines Wissens die ersten, die im deutschsprachigen Raum so genannt worden sind.
Robert Zulj: Zu meiner Zeit in der Akademie in Linz hat es beim LASK auch ein magisches Dreieck gegeben: Vastic, Mayrleb und Prager.

Entsteht mit euch und Clemens Walch in Ried jetzt auch so ein Dreieck?
Gartler: Wir stehen in der Offensive etwas stärker im Mittelpunkt, weil wir Tore erzielen oder vorbereiten, aber wir wollen uns da nicht herausstreichen.
Zulj: Ich sehe das genauso. Die Mannschaft ist ganz wichtig, ohne die anderen würde es kein magisches Dreieck geben.

Rene, du bist im Sommer 2012 von Rapid zu Ried gewechselt. Hattest du Anpassungsschwierigkeiten?
Gartler: Ich habe die Stadt nicht gekannt, aber ungefähr gewusst, was auf mich zukommt. Es ist natürlich alles viel kleiner als in Wien, aber ich war ja auch schon ein Jahr in Lustenau und ein halbes in Kapfenberg. Von daher weiß ich, wie es in Kleinstädten zugeht. Meine Familie und ich, wir fühlen uns sehr wohl hier.

War es schwer, Rapid nach zwanzig Jahren im Verein zu verlassen?
Gartler: Ich war eigentlich froh, dass der Verein die Option nicht gezogen hat, weil ich dadurch ablösefrei war. Ich habe das relativ früh gewusst und konnte mit Ried noch vor der Sommerpause alles fixieren. Hier hat es ab dem ersten Testspiel super funktioniert, und ich hoffe natürlich, dass es so weitergeht.

Hast du vor deinem Wechsel befürchtet, dass es für die Bundesliga nicht reichen könnte?
Gartler: Nein, ich habe bei Rapid unter Peter Pacult ja auch 15 oder 20 Spiele von Anfang an gemacht und war Einserstürmer. Dann habe ich mir leider den Unterarm gebrochen, und in der Saison darauf hat Peter Schöttel andere forciert. Das muss man akzeptieren, und deshalb war es nach dem einen Jahr unter ihm die beste Lösung, Rapid zu verlassen.

Robert, du warst in der Akademie Linz. Warum ist die Wahl auf Ried gefallen?
Zulj: Ich hätte vom LASK keinen richtigen Profivertrag bekommen. Im letzten Spiel für die Akademie war Stefan Reiter da, und danach hat mir Ronnie Brunmayr, der als Spielerberater gearbeitet hat, vom Interesse von Ried erzählt. Zwei Tage später war ich schon hier, das war der richtige Schritt.

Brunmayr ist ein Beispiel für einen Spieler, der in Ried noch einmal durchgestartet ist. Siehst du deinen Werdegang ähnlich, Rene?
Gartler: Seit ich in Ried bin, war ich mit Ausnahme der Ellbogengeschichte fast völlig verletzungsfrei und habe immer die volle Vorbereitung mitmachen können. Das war in den Jahren davor nicht immer so. Ich habe hier ein perfektes Umfeld und ein Trainerteam, das mir Vertrauen schenkt. Dann kann man als Stürmer auch seine Tore schießen. Bei Rapid hat das nicht so gut geklappt.

Was ist das Besondere an Ried?
Zulj: Der Druck von außen und von den Medien ist nicht so groß wie bei Rapid oder der Austria. Die Trainer können hier in Ruhe arbeiten und die Jungen forcieren.
Gartler: Der Verein entwickelt sich auch außerhalb des Platzes gut weiter. Das wird klar, wenn man sich das Akademiegelände anschaut oder die neue Rasenheizung im Stadion. Der Verein bleibt nicht stehen. Die Mannschaft wird jedes Jahr gut zusammengestellt, mit vielen jungen Spielern, die hier die Chance haben, sich zu beweisen. Ried hat gezeigt, dass dieser Weg funktioniert.

Euer Kader ist relativ jung. Rene, siehst du dich schon als Routinier?
Gartler: Ich bin mit 28 der zweitälteste Spieler, natürlich versucht man da, den Kollegen das eine oder andere mitzugeben. Aber ich will authentisch bleiben und kann mir von jüngeren Spielern genauso etwas abschauen. Es gibt in unserer Mannschaft keinen, der groß auf Leitwolf macht. Wir sind eine geile Truppe, jeder rennt für den anderen.

Wie ist das für einen jungen Spieler?
Zulj: Bei uns kann jeder seine Meinung sagen, es gibt keinen großen Chef. Ich bin am besten, wenn ich frei drauflos spielen kann. Ohne Angst, dass mich irgendjemand zusammenscheißt, wenn ich einen Fehler mache.

Die SV Ried hat in den letzten Jahren immer wieder mit guten Leistungen überrascht. Besteht da nicht die Gefahr, dass irgendwann einmal eine Sättigung eintritt?
Gartler: Ried ist ein Ausbildungsverein. Wenn du einmal Sechster wirst, geht die Welt auch nicht unter. Eine Sättigung ist aber sicher nicht eingetreten, weil sonst im Umfeld nicht so viel weitergehen würde, wie das in den letzten Jahren der Fall war.

Lesen Sie das gesamte Interview in der aktuellen Printausgabe des ballesterer (Nr. 87, Dezember 2013). Ab 19.110. österreichweit in den Trafiken sowie im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel!

Foto: Lothar Prokop

Referenzen:

Heft: 87
Rubrik: Spielfeld
Verein: SV Ried
ballesterer # 120

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