Dundee Reunited

Die viertgrößte Stadt Schottlands stellt in dieser Saison erstmals seit sieben Jahren wieder zwei Vereine in der Premier League. Zu verdanken hat Dundee das den Glasgow Rangers. Wie nahe Freud und Leid in Schottland aktuell beisammenliegen, zeigt ein Blick in die Hafenstadt an der Ostküste.
Johannes Hofer | 14.08.2012

Die einstige Industriemetropole Dundee hat nicht nur ihre wirtschaftliche Blütezeit längst hinter sich, auch im Fußball sind die großen Zeiten von Dundee FC und Dundee United lange vorbei. Dabei erreichten beide Vereine einst das Halbfinale des Meistercups. 1963 scheiterte der FC erst am späteren Sieger Milan, United 21 Jahre später an der Roma. Den Grundstein für die internationalen Erfolge legten beide mit ihren jeweils einzigen Meistertiteln. Neben den historischen sportlichen Parallelen liegen auch die Stadien der beiden Vereine am Dundee Law etwas außerhalb des Stadtzentrums gerade einmal zwei Minuten Gehzeit voneinander entfernt.

Fanverein Dundee FC

Doch die geografische Nähe täuscht, die Rivalität der beiden Klubs ist in der Stadt allgegenwärtig. »Wir hassen den FC, aber wir freuen uns schon auf das Derby«, sagt etwa Stewart Hannan, der eigentlich im 80 Kilometer entfernten Stonehaven bei Aberdeen wohnt, aber seit seiner Kindheit United-Supporter ist. Durch den Zwangsabstieg der Rangers ist der FC heuer erstmals seit 2005 wieder in die Premier League aufgestiegen. Eigentlich eine beinah ironische Entwicklung der Dinge, denn finanzielle Probleme kennt der kleinere der beiden Vereine in Dundee selbst nur allzu gut. 2010 musste der FC Konkurs anmelden und bekam als Konsequenz eine Strafe von 25 Minuspunkten aufgebrummt. Den Klassenerhalt schaffte das Team nur, weil es 23 Spiele in Serie unbesiegt bleiben konnte. Mittlerweile sind die »Dee«, wie sie von ihren Fans genannt werden, finanziell wieder im Reinen. Die »Dundee FC Supporters Society«, eine Fanorganisation, hat den Verein entschuldet und ist jetzt Hauptaktionärin.


Talenteschmiede Dundee United
Wenn es am 19. August zum ersten Dundee-Derby seit sieben Jahren kommt, sind die Rollen klar verteilt. Der Favorit heißt United. Auch die Generalprobe in der Vorbereitung ist mit einem 3:0-Sieg locker gelungen. Der Verein konnte 2010 den Cup holen und hat sich in den letzten Jahren unter den Top fünf der Liga etabliert, zumindest die Europa-League-Qualifikation gehört zum jährlichen Fixprogramm. Die finanzielle Situation ist besser als beim Stadtrivalen, aber ebenfalls nicht entspannt. Der Kader setzt sich aus ablösefreien Spielern und Talenten aus der eigenen Jugend zusammen. Die besten Spieler verlassen den Verein früh. Im vorigen Sommer etwa wechselte David Goodwillie, Mittelstürmer und schottischer Nationalspieler, um knapp drei Millionen Pfund (rund 3,4 Millionen Euro) zu Blackburn. Der Fanveteran Shuggy Falconer, der seit knapp 20 Jahren kein einziges Spiel seines Teams verpasst hat, kommt beim Gedanken an Goodwillie immer noch ins Schwärmen: »Er war das größte Talent, das ich hier je gesehen habe.«


Gemeinsam mit Stewart Hannan und 20 weiteren Fans hat Shuggy die Mannschaft ins Trainingslager nach Oberösterreich begleitet. Sie hoffen auf bessere Zeiten für ihren Verein, jetzt da die Karten in der schottischen Premier League neu gemischt werden. Am Abend wünscht Stewart sich in einem Salzburger Lokal vom DJ das Stone-Roses-Lied »I am the Resurrection«. »Das ist für United«, sagt er und lacht. Dass die Liga durch den Wegfall der »Old Firm« international untergehen könnte, daran wollen die Fans an diesem Abend nicht denken. Und auch die 0:3-Niederlage im Testspiel gegen den SK Rapid ist ihnen egal. Sie freuen sich, endlich wieder ein Derby zu sehen.

 

Über den tiefen Fall der Rangers lesen Sie in der aktuellen Printausgabe des ballesterer (Nr. 74, September  2012) Ab 16.8. österreichweit in den Trafiken sowie im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel!

Referenzen:

Heft: 74
Rubrik: Spielfeld
ballesterer # 82

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Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

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