Einstürzende Zubauten

cache/images/article_2036_stadio_is_arenas_140.jpeg Ein neues Stadion, das schon wieder baufällig ist. Ein Vereinspräsident, der deshalb im Gefängnis sitzt. Und ein Bürgermeister, der sich als harte Hand des Gesetzes darstellt: Cagliari ist derzeit Schauplatz einer Schmierenkomödie.
Edgar Lopez | 12.03.2013

Massimo Cellino bleibt weiterhin in Haft. Der Präsident des italienischen Erstligisten Cagliari wurde am 14. Februar zusammen mit Mauro Contini, Bürgermeister der sardischen Kleinstadt Quartu, und dem Stadtrat Stefano Lilliu festgenommen. Die Anklagepunkte gegen die Beschuldigten: versuchte Veruntreuung und Betrug. Hintergrund ist der Streit um ein Stadion.


Miethaie gegen Spekulanten
Cagliaris traditionelles Heimstadion Sant'Elia wurde 1970 errichtet und war 2002 schon so baufällig, dass die Sicherheit der Zuschauer nicht mehr gewährleistet war. Dank eines Provisoriums aus Stahlrohrtribünen zwischen Kurven und Platz konnte der Spielbetrieb gerade noch weitergeführt werden. Dennoch versuchte der Verein seit 2007 einen Stadionneubau außerhalb der Stadt, der jedoch nie über das Planungsstadium hinauskam. Er scheiterte mehrfach an der Finanzierung und der Suche nach einem geeigneten Standort. Zuletzt verweigerte Cagliaris Bürgermeister Massimo Zedda seine Zustimmung zu einem Neubau im Vorort Elmas, da das geplante Stadion zu nahe am Flughafen gelegen wäre. Cagliari-Präsident Cellino warf der Stadt als Eigentümerin des Sant'Elia daraufhin vor, das Projekt zu blockieren, um weiterhin Stadionmiete kassieren zu können. Umgekehrt wurde gegen Cellino der Vorwurf laut, sich durch Grundstücksspekulation bereichern zu wollen.


Ende der Saison 2011/12 eskalierte der Streit: Cagliari trug seine letzten drei Heimspiele im mehr als tausend Kilometer entfernten Triest aus. Ausschlaggebend dafür waren aber nicht die mehrmals geäußerten Sicherheitsbedenken der Liga, vielmehr wollte Cellino durch den Auszug aus dem Sant'Elia den Druck auf die Stadtverwaltung und Bürgermeister Zedda erhöhen.


Geisterspiel im Neubau
Vor der neuen Saison verhärteten sich die Fronten weiter: Im Sommer übersiedelte Cellino mit seiner Mannschaft nach Quartu Sant'Elena. Um kolportierte 1,2 Millionen Euro war auf dem Sportplatz der Gemeinde im Eiltempo ein neues Stadion aus Stahlrohrtribünen errichtet worden - das Stadio Is Arenas. Doch auch bei der neuen Heimstätte hatte die Präfektur Sicherheitsbedenken: Cagliari musste sein erstes Heimspiel gegen Atalanta ohne Zuschauer austragen. Auch das zweite Spiel gegen Roma sollte dieser Maßnahme zum Opfer fallen, doch Cellino forderte die Abonnenten auf, dennoch ins Stadion zu kommen. Schließlich sagte die Liga das Spiel ab und wertete es mit 3:0 für Roma. Nachdem das Is Arenas schließlich für einige Partien zugelassen worden war, häuften sich Mitte Dezember erneut Sicherheitsbedenken.


Sein Heimspiel gegen Juventus musste Cagliari kurz vor Weihnachten im 750 Kilometer entfernten Parma absolvieren. Auch die Partie gegen Milan Anfang Februar sollte ursprünglich verlegt werden. Allerdings weigerte sich dieses Mal auch Milans wahlkämpfender Ehrenpräsident Silvio Berlusconi, der eine Rückverlegung nach Quartu durchsetzen konnte.


Vier Tage nach dem Spiel gegen Milan wurde Cellino schließlich verhaftet. Die Staatsanwaltschaft hat nun neue Beweise ausfindig gemacht, die belegen sollen, dass Cellino und Quartus Bürgermeister Mauro Contini beim Bau des Stadions 360.000 Euro aus öffentlicher Hand verwendet haben, berichtet die Tageszeitung La Repubblica. Aus dem Vorwurf der versuchten Veruntreuung ist somit der Vorwurf der tatsächlichen Veruntreuung geworden. Anfang März wandelte das Gericht Cellinos Untersuchungshaft in Hausarrest um. Allerdings weigerte er sich zunächst, das Gefängnis zu verlassen. Gegenüber La Repubblica sagte sein Anwalt Benedetto Ballero: »Präsident Cellino hat es als angemessen erachtet, erst zu gehen, wenn anerkannt wird, dass er mit der Sache nichts zu tun hat. Er hat kein Gesetz gebrochen.« Die Aufführung ist um einen Akt reicher.

Referenzen:

Heft: 80
Rubrik: Spielfeld
Verein: Cagliari Calcio
ballesterer # 120

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