EM-Buch #1: Im Fußballrausch

cache/images/article_1847_cover_wodka_2_140.jpg Eigentlich ist es gar kein Wodka, sondern das Betäubungsmittel Phenobarbital, das dem Tormann von Torpedo Kiew in der ersten der elf Kurzgeschichten die Sinne raubt, die Reflexe erschwert und so einen Wettbetrug möglich macht. In das geschobene Spiel sind nicht nur zwei Kiewer Abenteurer, sondern auch der Mannschaftsarzt von Torpedo verwickelt.
Reinhard Krennhuber | 16.05.2012
Ähnlichkeiten zu realen Vereinen und Personen sind von Autor Maxym Kidruk natürlich nicht beabsichtigt. Deshalb nennt er das Provinzteam, gegen das Torpedo untergeht, auch die Fliegenden Mähdrescher aus Kirowohrad. Schon die erste Geschichte des Sammelbands, den der Berliner Übersetzerverein translit herausgegeben hat, lässt erkennen, dass es in diesem Buch nicht um die Vermittlung von Fußballwissen oder -geschichte geht, sondern jungen Autorinnen und Autoren aus der Ukraine eine Plattform geschaffen werden soll, die es ohne die EM nicht gäbe. Neben alten Bekannten wie Serhij Zhadan, Saschko Uschkalow (beide sind auch in der Neuerscheinung »Totalniy Futbol« vertreten) und Oksana Sabuschko werden weitgehend unbekannte Schreiber wie Artem Tschech, Tanja Maljartschuk und Irena Karpa vorgestellt.

 

Den Bogen zum Wodka darf aber dann doch Zhadan in seiner Geschichte »Weiße Hemden, schwarze Hosen« schließen. Seine rauschhafte Erzählung eines Spieltags aus der Perspektive eines Fans spielt wie andere Beiträge des Buches gekonnt mit dem Absurden und endet mit dem schönen Satz: »Denn im Fußball ist alles klar und einfach Weiße Hemden, schwarze Hosen, orange Wolken, grüne Sonne, rosa Gras.«

 

Verein translit (Hg)
»Wodka für den Torwart. 11 Fußball-Geschichten aus der Ukraine«

(Edition Fototapeta, 2012)

Referenzen:

Heft: 72
Rubrik: Rezensionen
ballesterer # 121

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