42 × B + 23 × 3 + 13 × 1 = A

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Süditalienische Klubs sind in der Serie A traditionell unterrepräsentiert. In der neuen Saison bekommen sie mit dem FC Crotone aus Kalabrien Verstärkung.

Martin Schreiner | 14.08.2016

a2 + b2 = c2 – der wohl berühmteste Satz des Mathematikers und Philosophen Pythagoras wird nicht nur in der Schule gelehrt, sondern auch in der Curva Sud von Crotone. Ein Doppelhalter in Form eines rechtwinkeligen Dreiecks untermalt den Lehrsatz auch optisch. Die Ultras huldigen damit dem berühmtesten Bewohner der süditalienischen Stadt, der 529 vor unserer Zeitrechnung eine Denkschule und politische Bewegung im antiken Kroton begründete. Am 29. April 2016 reichte den Fans allerdings eine einfachere Botschaft: ein simples A. Dank eines 1:1 in Modena sicherte sich der FC Crotone den Aufstieg in die höchste italienische Spielklasse – zum ersten Mal in seiner 106-jährigen Geschichte.

Im südlichen Schatten
Der Klub stand immer im Schatten von größeren Klubs aus der Umgebung wie Reggina, Bari und Lecce. Die Hafenstadt an der Schuhsole des italienischen Stiefels mit ihren 62.000 Einwohnern hat zudem mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen und leidet noch immer unter den Fabrikschließungen der Erdöl- und Chemieindustrie Ende der 1980er Jahre. 2015 hatte Crotone mit 31,46 Prozent die höchste Arbeitslosenrate Italiens.

Auch der FC Crotone war in seiner Geschichte häufiger abwärts als aufwärts unterwegs, zweimal musste er sich schon neu gründen. Als Anfang der 1990er Jahre die Familien Gualtieri und Vrenna mit Sportdirektor Peppe Ursino das Ruder übernahmen, änderte sich das. Der Verein stabilisierte sich und spielte seit der Jahrtausendwende zumeist in der Serie B. Ein Grund für den überraschenden Aufstieg in der Vorsaison lag in der Heimstärke der Mannschaft. Im 9.500 Plätze fassenden Stadio Ezio Scida verlor Crotone nur einmal und holte dort 50 seiner 82 Punkte.

Auf diesen Vorteil wird der Klub zu Saison beginn nicht bauen können, das Stadion taugt den Anforderungen der Serie A nicht und muss umgebaut werden. Die Entscheidung, die ersten Spiele im fast 500 Kilometer entfernten Pescara auszutragen, führte schon zu Boykottandrohungen der Ultras, nach denen in Crotone sogar ein Platz benannt ist.

Haigefahr
Auf dieser Piazzale Ultras wird zumeist auch das zweite Erfolgsgeheimnis des Klubs verraten, dort werden die Neuzugänge präsentiert. Sportdirektor Ursino setzt dabei traditionell auf Leihgaben von größeren Klubs, die bei Crotone zu Spielpraxis kommen sollen, wie Roma-Spieler Alessandro Florenzi. Spieler wie Trainer werden in Crotone oft getauscht. So übernahm in der Sommerpause Davide Nicola das Traineramt von Ivan Juric, Toptorschütze Ante Budimir wechselte zu Sampdoria.

Ob die „Haie“ – wie die Mannschaft aufgrund des Vereinswappens genannt wird – auch in der Serie A gefährlich werden, können sie erstmals am 21. August in Bologna beweisen. Die lokale Staatsanwaltschaft zeigte dem Klub schon Anfang des Jahres die Zähne. Damals versuchte sie das Vermögen von Klubeigentümer Raffaele Vrenna zu beschlagnahmen, weil der Unternehmer in einem Naheverhältnis zum ’Ndrangheta-Clan Vrenna- Bonaventura stehe. Das Berufungsgericht in Catanzaro wies den Antrag jedoch ab.   

Referenzen:

Heft: 114
Thema: Italien
ballesterer # 121

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