Fußball verkauft keinen Stahl

cache/images/article_2164_20130820_0243_140.jpg Das »Hochofenballett« aus Donawitz tanzt schon lange nicht mehr. Mit einem Zwangsabstieg verabschiedeten sich die Obersteirer 2009 nach 53 Jahren aus dem bundesweiten Spielbetrieb, 2013 folgte der Abstieg in die Landesliga. Die ansässige Industrie zeigt kein Interesse am Fußball, und die Versprechen von Mäzenen mag in Leoben niemand mehr glauben.  
Moritz Ablinger | 16.09.2013
Es nieselt in Leoben. 240 Menschen verirren sich am vierten Spieltag der steirischen Landesliga ins Donawitzer Stadion. Sie sehen eine schwache Partie, die die Gäste aus Weiz 1:0 gewinnen. Der DSV Leoben steht mit drei Punkten am vorletzten Tabellenplatz. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga im Sommer muss sich der Verein erst in der neuen Liga zurechtfinden. »Es hätte alles viel schlimmer kommen können«, sagt Vereinsarchivar Alfred Karner. »Immerhin hat sich immer wieder jemand gefunden, der den Verein übernimmt. Auch nach dem Zwangsabstieg und der Geschichte um den Linz.«

Linz-Donawitz-Verfahren
Gemeint ist Ex-Präsident Hans Linz, der seit 1998 die Geschäfte des Vereins führte und mit seiner Finanzberatungsfirma HLF Hauptsponsor des Klubs war. Er übernahm damit die Rolle, die traditionell die Alpine Montangesellschaft innegehabt hatte. Das staatliche Stahlunternehmen, das 1973 in der Voestalpine aufgegangen war, finanzierte den Werkssportverein Donawitz bis 1991, ließ ihn im Zuge der Krise der verstaatlichen Industrie allerdings fallen. »Ich verkaufe nicht mehr Stahl, wenn auf einem Fußballdress unser Firmenname steht«, habe der damalige Voestalpine-Vorstand und spätere Konzernchef Peter Strahammer gesagt, erinnert sich DSV-Vorstand Wilfried Gröbminger.

Unter dem neuen Vereinspräsidenten Linz ging es sportlich zunächst bergauf. Der Klub wurde zu einem fixen Bestandteil der zweiten Liga, in der Saison 1999/2000 spielte der DSV sogar um den Aufstieg in die Bundesliga mit und wurde letztlich hinter der Admira Zweiter. Im Verein lag aber schon damals einiges im Argen. »Linz hat sich alles so hingedreht, wie es ihm gepasst hat«, sagt Ronni Jakschitsch vom Fanklub »Green Elite«. »Er hat den ganzen Vorstand ausgetauscht und mit seinen Leuten besetzt.« Dazu verließen damals viele junge Spieler den Verein. Spätere Bundesliga-Profis wie Christian Gratzei, Boris Hüttenbrenner und Martin Ehrenreich spielten lange im DSV-Nachwuchs, Linz ließ sie ablösefrei ziehen.

Der Kollaps ereilte den Verein allerdings erst einige Jahre später. Als der Finanzkonzern AvW, an dem Linz beteiligt war, 2008 zusammenbrach, bekam auch der damalige DSV-Präsident schwere finanzielle Probleme: Seine HLF musste ebenfalls Konkurs anmelden. Die AvW-Pleite entwickelte sich zum Kriminalfall, über zwölf Jahre lang hatte Linz Anleger um mehr als 35 Millionen Euro betrogen. Im April 2011 wurde er deswegen rechtskräftig zu sieben Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Im Frühjahr 2009 musste auch der Verein den Bankrott erklären und in die Regionalliga absteigen. »Das hat niemand kommen sehen«, sagt Jakschitsch. »Der Linz und sein Geld waren von einem Tag auf den anderen weg.«

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Referenzen:

Heft: 85
Rubrik: Spielfeld
Verein: DSV Leoben
ballesterer # 121

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