Darauf war Barcelona nicht gefasst. Anlässlich der Fußball-EM lud die »Außenwirtschaft Österreich« (AWO), eine Abteilung der Wirtschaftskammer (WKO), zu einem Galaempfang unter dem Titel »Expect Austrian Emotions«. Als Ziel der Veranstaltung nannte Walter Koren, Chef der AWO, das wenig innovative Motiv »Österreich in Spanien umfassend vorzustellen«. Wie das gelingen sollte? Selbstverständlich mit »Musik und Tanz aus Tirol«, einem Wiener Kaffeehaus, einem Heurigen und einer »Après-Ski-Bar«. Hans Krankl und José Carreras waren als Stargäste geladen, doch als eigentlichen »Höhepunkt des Abends« verkündete die Aussendung der WKO: »Entertainer Alfons Haider wird mit Tänzern des Performing Arts Studio Vienna in einer großartigen Musical-Show ein Repertoire an weltbekannten Musikstücken darbieten.«
Es wäre an sich schon eine erschreckende Tatsache, Alfons Haider als kulturellen Botschafter durch die Teilnehmerländer der Europameisterschaft zu schicken. Und überdies ist fraglich, wie sehr Spanier, Kroaten und Griechen auf die Musical-Show des »Entertainers« reagieren werden. Doch wenn man den kolportierten Summen Glauben schenken mag, so kostet ein Abend El Alfonso in Barcelona schlappe 12.000 Euro plus einer vergleichsweise geringen 6.000-Euro-Gage für die begleitenden Tänzer. Geld, das ernsthaften Kulturprojekten vorenthalten bleibt.
Feste Bande
Den Vorwurf, ihre Gelder nicht breit gestreut zu haben, erheben manche Kunstschaffende und Beteiligte am Rahmenprogramm zur Euro auch gegenüber der Initiative »Österreich am Ball«. Bekrittelt wird, dass es im Gegensatz zu Deutschland 2006 keinen öffentlichen Aufruf für die Projekte gab und so vielen Künstlern gar nicht die Möglichkeit gegeben wurde, ihre Vorschläge einzureichen. Grund dafür dürfte vor allem sein, dass »Österreich am Ball« viel zu spät seine Arbeit aufnahm und die Verantwortlichen in kurzer Zeit zu retten versuchten, was zu retten war. Erst im Dezember 2006, eineinhalb Jahre vor Beginn der Europameisterschaft, erfuhr die Öffentlichkeit von den Plänen der Initiative.
Ein Kulturprogramm aus ursprünglich rund 180 Vorschlägen wurde dennoch auf die Beine gestellt. Es hört sich in weiten Teilen recht bieder an (Fußballoper, Literaten-EM), hat aber auch ein paar interessante Punkte zu bieten wie etwa ein sogenanntes »interaktives Quiz der Jubelgesten im Internet«. Koordinator der kulturellen Aktivitäten ist Jürgen Weishäupl, der zu den EM-Projekten auch verwandt schaftliche Beziehungen hat. Sein Bruder Martin Weishäupl ist Mitarbeiter der Firma Brainbows, und diese ist an einem weiteren Projekt der öffentlichen Euro-Vorbereitungen beteiligt, nämlich der ökologischen Initiative »Umwelt am Ball«. Damit aber nicht genug der Zufälligkeiten. Denn einen Schwerpunkt des kulturellen Engagements von »Österreich am Ball« stellt die Ausstellung »herz:rasen« dar, die mit Hilfe des Technischen Museums Wien realisiert wurde. Am Herzen liegt die große Schau dem ehemaligen ÖFB-Präsidenten Beppo Mauhart, der gleichzeitig Sprecher der Wirtschaftsinitiative Neues Künstlerhaus ist. Genau dort, nämlich in den Ausstellungsräumen des Künstlerhauses im Zentrum von Wien, hat »herz:rasen« seinen Platz gefunden.
Was für ein Theater
Auch der oberste Euro-Koordinator des Landes, Heinz Palme, weiß, wie man die Aufgaben am besten zu verteilen hat. Einerseits ist er Geschäftsführer der Initiative »Österreich am Ball«, und andererseits leitet er die Agentur Heinz Palme Management (HPM). Nur logisch, dass HPM für »Österreich am Ball« operativ tätig wurde, und auch allzu verständlich, dass Palmes Gattin einen fixen Job bei den EM-Vorbereitungen innehat.
Derartige Verwandtschaftsverhältnisse sind auch für die Wiener SPÖ kein Problem, wenn es darum geht, aus der Europameisterschaft Kapital zu schlagen. Ein tolles Geschäft verspricht etwa die VIP-Zone im Wiener Burgtheater. Statt, wie auch Jürgen Weishäupl beklagt, das Theater kulturellen Veranstaltungen während der EM zur Verfügung zu stellen, werden Buffets und Leinwände für die betuchte Kundschaft errichtet, die vom Balkon aus dann auf das Treiben des Pöbels auf der »Fanmeile« blicken kann. Angemietet hat das Burgtheater die Telekom Austria, aber nicht direkt von den Theaterbetreibern, sondern vom Echo Medienhaus, das sich als eine Art »Zwischenhändler« bei der Vermietung von öffentlichen Räumen während der Euro betätigt und auch das Wiener Rathaus zahlungskräftigen Kunden anbietet. Ein gutes Geschäft, ohne Risiko, aber mit garantiertem Profit. Wie das Monatsmagazin DATUM vor kurzem recherchiert hat, fungiert als Geschäftsführer der Firma AWH, die 100 Prozent des Echo Medienhauses hält, ein gewisser Helmut Laska, der Ehemann der Wiener Vizebürgermeisterin Grete Laska. Über die tatsächlichen Summen, die zwischen Rathaus, Burgtheater, Telekom und Echo Medienhaus hin- und herfließen, halten sich die Beteiligten jedenfalls bedeckt.
Zeitungsgeld
Wiederum das Bundeskanzleramt ließ auf eigene Faust Millionen an Euro fließen - an die größten Tageszeitungen des Landes. Betitelt als Gelder für »Medienkooperationen« und »redaktionelle Beiträge« erhielt etwa die Kronen Zeitung 630.000 Euro für ihre Berichterstattung zur Europameisterschaft. Die größte Tageszeitung des Landes und, gerechnet im Verhältnis von Lesern zu Einwohnern, auch eine der erfolgreichsten der Welt, bekommt öffentliche Gelder in einer nicht gerade geringen Summe ausbezahlt, um über ein Ereignis zu schreiben, über das sie sowieso in aller Ausführlichkeit berichten würde.
Ebenso unverständlich ist die Zahlung von rund einer Million Euro an die EM-Kooperation der Presse und einiger Bundesländerzeitungen wie der Kleinen Zeitung. Dass diese eine werbefinanzierte Beilage namens Arena 08 herausbringen und daher ebenso wie der Kurier (erhält eine Förderung von 315.000 Euro) für das zusätzliche EM-Geschäft nun eine Art Bonus aus dem Budget des Kanzleramtes erhalten, ist nicht nur im Hinblick auf die Höhe der Förderungen, sondern auch demokratiepolitisch bedenklich. Die »Europhorie« wird so - zumindest in den Medien - vorab sichergestellt, und man darf gespannt sein, ob die geförderten Tageszeitungen auch die negativen Auswirkungen der Europameisterschaft beleuchten werden.






erscheint am 12. Juli 2013.
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