Golden Boys

cache/images/article_2278_img_0348_140.jpg Im australischen Nationalteam findet ein Generationswechsel statt. Für die Jungen, darunter Austria-Mittelfeldspieler James Holland, könnte die WM in Brasilien aber noch zu früh kommen.
Mathias Slezak | 12.05.2014

40 Kilogramm schwer war das Goldnugget, das 1851 den australischen Goldrausch und eine bis dahin beispiellose Einwanderungswelle ausgelöst hat. 154 Jahre später hat eine Goldene Generation Australien begeistert. John Aloisi verwandelte am 16. November 2005 im Relegationsspiel gegen Uruguay den entscheidenden Elfmeter und schoss seine Mannschaft zur WM nach Deutschland. Bis dahin war der Kontinent in der Fußballwelt eine Randnotiz: Nur einmal, 1974, hatte sich die Mannschaft für eine WM qualifizieren können.

Ende einer Generation
Aloisi repräsentierte eine neue Generation australischer Fußballspieler, die den Sprung nach Europa geschafft hatten. Er spielte bei Deportivo Alaves in der Primera Division. Nur zwei Spieler des WM-Kaders verdienten ihr Geld in Australien, elf spielten in England, darunter Mark Schwarzer als Tormann des FC Middlesbrough, Harry Kewell beim FC Liverpool und Tim Cahill bei Everton. Sie schieden im Achtelfinale durch einen umstrittenen Elfmeter gegen den späteren Weltmeister Italien aus. Vier Jahre später war aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber Ghana in der Gruppenphase Schluss.


Obwohl sich die Australier zum dritten Mal in Folge für eine WM qualifiziert haben, hat die Goldene Generation ausgerechnet kurz vor dem Turnierbeginn ihr Ende gefunden: Harry Kewell hat die Fußballschuhe an den Nagel gehängt, Rekordspieler Mark Schwarzer seine Teamkarriere beendet. Die Vereine ehemaliger Leistungsträger lassen auf Karriereausklang schließen: Tim Cahill spielt bei den New York Red Bulls, Kapitän Lucas Neill verteidigt in der zweiten englischen Liga. Dafür rücken vermehrt Spieler aus der heimischen A-League nach. Dort lässt sich zwar mittlerweile gutes Geld verdienen, das sportliche Niveau der Liga schwankt jedoch. Zu groß ist der Spagat zwischen Jugendförderung und spektakulären Verpflichtungen von europäischen Alt-Stars wie Alessandro Del Piero und Emile Heskey.

Schottland statt England
Die Spieler, die den Sprung nach Europa schaffen, spielen nur noch selten in Spanien oder England. Schottland, Niederlande und Österreich heißen die neuen Destinationen. James Holland räumt seit zwei Jahren im Mittelfeld der Wiener Austria auf. Er hat vom Generationenwechsel profitiert und mittlerweile zwölf Länderspiele absolviert. "Wir haben viele junge, aber gute Fußballer", sagt er dem ballesterer. "Natürlich will ich spielen, ich trainiere hart, damit mir der Trainer die Chance gibt."


Teamchef Ange Postecoglou, der nach zwei 0:6-Testspiel-Niederlagen gegen Brasilien und Frankreich den Deutschen Holger Osieck ersetzt hat, muss seine Mannschaft auf eine schwierige Aufgabe vorbereiten: Chile, Niederlande und Spanien heißen die Vorrundengegner. "In dieser Gruppe wird uns jeder abschreiben. Aber wir haben die Möglichkeit, gegen die besten Teams der Welt zu spielen und für Schlagzeilen zu sorgen", sagte Postecoglou nach der Auslosung. Seine Spieler sollen bei der WM Erfahrungen sammeln, von denen sie in vier Jahren profitieren können. Dann könnte der nächste australische Goldrausch noch in diesem Jahrzehnt folgen.

 

Foto: Werner Koisser

Referenzen:

Heft: 92
ballesterer # 112

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