GEORG PANGL: Wir stehen ja grundsätzlich in einer guten Kommunikation mit den Fans. Ich stelle mir meinen Einstieg so vor, dass wir diese weiter pflegen und versuchen, alles, was an Misskommunikation bestanden hat, auszuräumen. Für mich gibt es nichts Schöneres als ein Stadion, in dem etwas los ist. Was die Choreografien betrifft, muss man natürlich unterscheiden, zwischen erlaubten und unerlaubten Sachen. Prinzipiell wird aber alles, was von den Fans an Atmosphäre erzeugt wird, von uns gern gesehen. Die Anmeldungen haben einen Sinn, hier ist von allen Seiten ein professionelles Verhalten gefordert. Wenn sich das einspielt, werden die Kontrollen auch nicht mehr als Schikanen interpretiert werden.
Es gibt aber auch Fans, die der Bundesliga kritisch gegenüber stehen. Treffen mit Liga-Verantwortlichen wurden boykottiert. Und unter ihrem Vorgänger wurden ja einige haltlose Versprechen gegenüber den Fans gemacht.
Ich will nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Die Kommunikation kann nur im persönlichen Bereich stattfinden. Sobald eine Seite die Sache boykottiert, bringt sie zum Ausdruck, dass sie nicht kommunizieren will. Wenn ich den Grund dafür weiß, werde ich mich bemühen, das Problem aus dem Weg zu schaffen.
Das so genannte Steward-Modell war unter ihrem Vorgänger heiß diskutiert, in letzter Zeit ist es ruhig geworden um dieses Thema. Wollen Sie das Vorhaben umsetzen und wer soll diesen Job erledigen?
Das Steward-Modell wird ja in ganz Europa praktiziert, auch auf höchstem Niveau in der Champions League. Der FC Porto hat beim Finale in Gelsenkirchen nur eine Handvoll solcher Leute mitgehabt. Die hatten das perfekt im Griff, haben sich im Hintergrund gehalten und waren nicht mehr als Ansprechpersonen. Ich will keine Soldaten, sondern Stewards, die ein Bindeglied sind zwischen den Fangruppen und den Behörden, die vor Ort ihren Dienst verrichten. Wir arbeiten im Hinblick auf die EURO 2008 daran, eine Steward-Kultur einzuführen und eine Crew auszubilden. Und je früher es diese Gruppe gibt, je besser sie gecoacht wird, desto mehr ist das im Sinn der Sache.
Nun gibt es da verschiedene Ansätze. Bei Olympique Marseille sind die Stewards Vereinsangestellte, die sehr zurückhaltend agieren. Auf der anderen Seite steht das deutsche Modell, wo private Sicherheitsdienste diese Tätigkeiten teilweise sehr aggressiv ausführen. Wo wird das österreichische Modell stehen?
Das kann nur in Richtung Marseille gehen. Wir wollen weg von den Uniformen, den Baretten und Stiefeln und schon von der optischen Seite Aggression herausnehmen.
Ist an eine gewisse Autonomie für die Vereine gedacht?
An dem Konzept wird noch gearbeitet. Wir brauchen die Vereine, weil sie die Veranstalter sind. Auf der anderen Seite müssen wir in Hinblick auf die EURO über das einzelne Stadion hinausschauen.
Wann soll das Modell umgesetzt werden?
Wir haben noch dreieinhalb Jahre bis zur EM. Es muss vorher Probeläufe geben, die Leute müssen geschult werden. Ich schätze, dass die ersten Stewards 2005 rekrutiert werden. Da wird man nur die nehmen, die diese Tätigkeit auch erfüllen können, die sich nicht provozieren lassen und ein gewisses Niveau mitbringen. Fans verschiedener Klubs haben im Vorjahr die Initiative »Die Kurve gehört uns« ins Leben gerufen. Sind Sie mit ihren Forderungen vertraut?
Ich hab schon davon gehört. Wie die konkreten Anliegen aussehen, kann ich allerdings nicht sagen.
Die darin organisierten Gruppen lehnen Stewards ab, weil sie sich gegen jede zusätzliche Überwachung aussprechen. Wie begegnen sie dieser Einstellung?
Die Fans werden Erfahrungen gemacht haben, denen man nachgehen muss. Mein persönliches Ziel ist es, das Modell so zu organisieren, dass die Stewards gar nicht auffallen.
Soll die Polizeipräsenz in den Stadien dadurch zurückgehen?
Ich kann den zuständigen Beamten nicht vorgreifen, aber auch das wäre mein Ziel. Es gibt ein Erlebnis, das mich geprägt hat: Das Spiel zwischen Galatasaray und Juventus, zu der Zeit als der Öcalan (PKK-Anführer, d. Red.) verhaftet worden war. So viel Polizei und Militär wie dort habe ich noch nie gesehen, da waren 20.000 Sicherheitskräfte vor und im Stadion. Ich brauche im Prinzip so gut wie keine Polizisten. Und ich glaube, auch die Polizei wäre glücklich, wenn wir sie nicht benötigen würden. Die Klubs würden sich viel Geld sparen, die Polizisten hätten mehr Freizeit am Wochenende und die Fans würden sich viel freier fühlen. Wenn wir diesen Kreis quadrieren könnten, wäre das sicher das Größte für uns alle.
Während in der Fanarbeit international zunehmend auf präventive Maßnahmen gesetzt wird, regiert in Österreich immer noch die Repression. In Deutschland gibt es über 30 Fanprojekte und auch die Schweiz hat nachgezogen. Wäre ein solches Modell nicht auch in Österreich eine sinnvolle Investition in eine bessere Kommunikation mit den Fans?
Das könnte ich mir gut vorstellen. Wir sollten alles daran setzen, in diese Richtung zu gehen. Es wird nicht einfach und alle Beteiligten müssen ihren Teil beitragen. Unterm Strich wäre doch jeder froh, wenn wir die Polizei- und Stewardpräsenz reduzieren könnten und man einfach ins Stadion geht und sich wohl fühlt. Daran müssen wir arbeiten.
In Deutschland teilen sich Staat, Länder, Kommunen, Liga und Verband die Kosten. Von wem könnte die Initiative für die Einrichtung von Fanprojekten in Österreich ausgehen?
Ich weiß, wie schwierig es ist, in diesen Zeiten Mittel von Behörden, Stadt oder Land aufzutreiben. Prinzipiell wäre es natürlich wünschenswert, wenn jemand die Initiative ergreift. Eigentlich sind wir aber alle gemeinsam gefordert, den Stein ins Rollen zu bringen.
In der Vorsaison hat es einen großen Konflikt um die Ankickzeiten während der Woche gegeben. Wie haben Sie den Konflikt zwischen Fans und ORF miterlebt?
Ich hab damals die Situation aus 1.000 Kilometer Entfernung mit verfolgt. Es ist natürlich schwierig, hier alle Interessen unter einen Hut zu bringen und der 18 Uhr-ORF-Termin war sicher nicht im Sinne der Stadionbesucher. Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass die TV-Zeiten der heurigen Saison nicht vom Fernsehen diktiert, sondern von der Liga mit den Klubs ausverhandelt wurden. Bei der Neuverhandlung der Rechte war es eines unserer zentralen Anliegen, die Beginnzeit wochentags 18 Uhr zu vermeiden, was uns durch das Entgegenkommen von Premiere gelungen ist.
Von verschiedener Seite wird vermehrt Unmut geäußert über den gesunkenen Werbewert nach dem Wechsel der TV-Rechte zu Premiere und ATV+. Stehen Sie unter Druck?
Ich weiß nicht, auf welchen Grundlagen diese Unkenrufe basieren. Natürlich ist die Fernsehlandschaft eine andere als vor dem Wechsel. Aber es gibt neutrale Erhebungen, die minimale Abweichungen in manchen Bereichen aber auch riesige Steigerungen in anderen Sparten belegen. Jetzt heißen die Partner der Bundesliga Premiere und ATV+ Und darauf wird sich der Fußball-Konsument und Fan einstellen, auch wenn es nach Jahrzehnten des ORF-Monopols etwas Zeit braucht.
Glauben Sie, dass der Wechsel zu Premiere einen positiven Einfluss auf die Zuschauerzahlen in den Stadien haben könnte?
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das ähnliche Auswirkungen hat wie auch schon in Deutschland. Die Konferenzschaltung ist für mich ein Weltklasseprodukt. Unterm Strich glaube ich, dass es eine gute und richtige Entwicklung ist.
Was halten Sie von der neuen Bundesliga-Sendung auf ATV+?
Wenn man bedenkt, dass der ORF 30 Jahre gebraucht hat, um die Fußballsendung so zu entwickeln wie sie am Ende war und ATV+ in wenigen Wochen mit beschränkten Mitteln eine derartige Sendung aus der Retorte geboren hat, ist der »Volltreffer« eine hervorragende Sendung. Natürlich darf man nie aufhören, an sich und der Qualität seines Produkts zu arbeiten. Die Kollegen von ATV+ sind durchaus selbstkritisch, sie wollen dem Fan auch hier ein Premium-Produkt bieten.
Wollte die Bundesliga mit Ihrer Einsetzung ein Zeichen setzen, dass sie weniger abhängig von Frank Stronach ist als oftmals angenommen?
Die Nominierung war von meiner Warte aus nicht geplant, weil ich noch ein paar Jahre in der Schweiz verbringen wollte. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass eine Abhängigkeit gegenüber dem Herrn Stronach besteht. Er hat nur das Bestreben, dass die Bundesliga gut und rund läuft. Wenn alle Hausaufgaben gemacht werden, ist er - entgegen vielen anderen Annahmen - der Letzte, der sich dauernd einschaltet.






erscheint am 12. Juli 2013.
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