Immer schon Zlatan

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Der Star des schwedischen Nationalteams nähert sich dem Herbst seiner Karriere. Eine neue Dokumentation über Zlatan Ibrahimovic zeichnet den Weg des Teenagers aus Malmö in den Profifußball nach.

Nicole Selmer | 10.05.2016

Wenn es nach ihm geht, wird die Europameisterschaft besser als die letzte Weltmeisterschaft. „Eine WM ohne mich ist es nicht wert, dass man sie anschaut“, hatte Zlatan Ibrahimovic erklärt, als das schwedische Team in den Play-offs zur WM in Brasilien ausgeschieden war. In Frankreich ist Schweden dabei, und es wird vermutlich das letzte große Turnier für den 34-jährigen Stürmer sein. Wie Ibrahimovic zum Star wurde, lässt sich jetzt in der Dokumentation „Zlatan. Ihr redet – ich spiele“ sehen.

 

Malmös Star

Der Film der Brüder Fredrik und Magnus Gertten wirft einen Blick zurück auf die Anfänge von Ibrahimovics Karriere. Zu Beginn des Films reist der junge Zlatan mit Hasse Borg, dem Sportdirektor seines Heimatklubs Malmö FF, nach Amsterdam, wo der Wechsel zu Ajax eingefädelt wird. Er solle sich entspannen, rät Ibrahimovic dem Funktionär, und die Dinge genießen. „Zlatan spielt nicht für Tore, sondern zum Spaß“, wird später Fabio Capello sagen, Ibrahimovics Trainer bei Juventus.

 

Die Gerttens haben in ihrer Doku auf Material zurückgegriffen, das sie vor 15 Jahren für einen Film über Malmö FF gedreht haben. Damals war der Klub gerade abgestiegen und Ibrahimovic ein unbekannter Teenager aus dem Stadtteil Rosengard. Ein Teenager, der die Schule schwänzte und Mitspielern, Gegnern und Funktionären gleichermaßen den Nerv raubte. Diese Seite von Ibrahimovic wird ebenso deutlich wie sein großes Talent und sein vielleicht noch größeres Mundwerk.

 

Einsam beim IKEA

Ibrahimovics breites Grinsen verschwindet mit dem Erfolg. Einen Einblick in den Konkurrenzkampf und die Einsamkeit des Fußballers im Profibetrieb geben die ehemaligen Teamkollegen bei Ajax, Andy van der Meyde und Mido: Training, Pressetermine, Playstation, lange Telefonate nach Hause und dazwischen immer die Frage, ob der Trainer dich aufstellt. Erst nach großen Schwierigkeiten setzt sich Ibrahimovic in Amsterdam durch – und wechselt dann in die Serie A. Am Ende des Films kehrt er nach Rosengard zurück, um einen Fußballplatz zu eröffnen, mit einem Grinsen im Gesicht. „Zlatan hat sich nicht groß verändert“, sagt Teamkollege Mido. „Er ist schon immer Zlatan gewesen.“

 

Der Film zeigt jedoch, wie aus dem jungen Zlatan bei Ajax der Profi Ibrahimovic geworden ist, und das ganz buchstäblich. In der zweiten Saison lässt er die Trikotbeflockung von Zlatan auf Ibrahimovic ändern. Gewünscht hat sich das sein Vater. Das schwierige Verhältnis zu ihm wird im Film vor allem in den Erzählungen van der Meydes deutlich. In einem der alten Filmausschnitte sagt der Teenager Zlatan, was sein Vater ihm eingeprägt habe: „Du bist niemand, solange du es nicht in Europa geschafft hast.“ Bei Juventus schafft er es, wird auf Anhieb Stammspieler und Meister. Die Einsamkeit des Profis verschwindet jedoch nicht ganz. Ein italienischer Freund erzählt, dass er Ibrahimovic öfter beim IKEA getroffen habe, wo er allein im Restaurant gegessen habe.

 

Filmtipp
Fredrik und Magnus Gertten: „Zlatan. Ihr redet – ich spiele“ (WG Film, 2015)
Österreich-Premiere am 18. Mai im Filmcasino Wien

Referenzen:

Heft: 112
Verein: Schweden
ballesterer # 121

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