Kein König auf St. Pauli

cache/images/article_2437_0006_fcsp_aue020315_140.jpg Der FC St. Pauli kämpft derzeit gegen den Abstieg aus der zweiten Bundesliga. Auf dem Spiel steht weit mehr als der sportliche Erfolg, das neue Präsidium will den Klub zum Vorzeigemodell im modernen Fußball machen – demokratisch, transparent und wirtschaftlich erfolgreich.
Moritz Ablinger | 17.03.2015

Es ist kalt im Tabellenkeller. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt trifft der FC. St Pauli, Letztplatzierter der zweiten deutschen Bundesliga, auf den 13. aus Fürth. Dort, wo gerade die neue Nordtribüne am Millerntor entsteht, klafft eine Baulücke, die den Wind im Stadion noch eisiger werden lässt. Auch der dargebotene Fußball erwärmt die Zuschauer nicht. Die Hamburger verlieren 0:1. Nach Abpfiff stehen die Spieler der Heimmannschaft mit gesenkten Köpfen auf dem Feld, auch die Fans wirken geschockt. Es ist nicht nur die Kälte, die sie lähmt, es ist auch die Ratlosigkeit. Dabei hat sich der Verein vor der Winterpause auf den Abstiegskampf eingestellt. Im Dezember holte er den erfahrenen Ewald Lienen als Trainer, sein Vorgänger, Ex-Profi Thomas Meggle, ersetzte Rachid Azzouzi als Sportdirektor. Die Mittelfeldspieler Waldemar Sobota und Julian Koch wurden vom belgischen Tabellenführer FC Brügge und vom FSV Mainz ausgeliehen. „Die Stimmung in der Winterpause war sehr positiv“, sagt Mirko Hölling vom Fanzine Übersteiger. „Der Trainerwechsel hat der Mannschaft sichtlich gutgetan, es schien bergauf zu gehen.“ Doch in den ersten vier Spielen im Frühjahr holten die Hamburger nur zwei Punkte. Die Zuversicht war weg. „Mit so einem Kader sollte man eigentlich keine Abstiegssorgen haben“, sagt Rolf-Peter Rosenfeld, der für die Hamburger Morgenpost über den FC St. Pauli schreibt. „Es gibt zwar eine neue Führung, aber auch die muss erst einmal alles dem Klassenerhalt unterordnen.“

Neue Führung
„Wir wollen für den FC St. Pauli ein klares Profil erarbeiten“, sagt Oke Göttlich. Der 38-Jährige ist das Gesicht der neuen Klubführung, bei der Jahreshauptversammlung im vergangenen November wurde er zum Präsidenten gewählt. Ebenfalls gewählt wurde der Aufsichtsrat, fünf der sieben Positionen sind neu besetzt. Vorsitzende des Kontrollgremiums ist mit Sandra Schwedler eine Frau aus der aktiven Fanszene. Im Juli hatte der bisherige Aufsichtsrat bekanntgegeben, das alte Präsidium um Stefan Orth nicht zur Wiederwahl vorzuschlagen und stattdessen Göttlich mit der Auswahl eines neuen Präsidiums zu beauftragen. „Im ersten Moment haben das viele nicht verstanden“, sagt Hölling. „Es hat zwar immer wieder Reibereien mit den Fans gegeben, aber Orth hat auch viel dazugelernt.“ Die vier Jahre von Orths Präsidentschaft waren zudem durchaus erfolgreich: Der Verein hat eine Saison in der Bundesliga gespielt, sich wirtschaftlich konsolidiert und den Stadionumbau zu weiten Teilen umgesetzt. Und dennoch galt der Ex-Präsident vereinsintern vielen als zu passiv. „Wenn man sich ansieht, wie dramatisch sich der deutsche Fußball verändert hat und welche Herausforderungen auf uns zukommen, brauchen wir einen starken Präsidenten“, sagt Roger Hasenbein, der seit sieben Jahren im Aufsichtsrat sitzt und an der Entscheidung für Göttlich beteiligt war. Orth selbst sah andere Motive für seine Demontage. Er sei dem Verein offenbar nicht linksalternativ und fannah genug, sagte er dem Hamburger Abendblatt.


Foto: Ariane Gramelspacher


Den vollständigen Artikel über die Baustelle St. Pauli gibt es in der aktuellen Printausgabe des ballesterer Nr. 100 (seit 19. März 2015 im Handel bzw. im Austria Kiosk der APA) zu lesen.

Referenzen:

Heft: 100
Rubrik: Aktuell
Thema: Deutschland
Verein: FC St. Pauli
ballesterer # 121

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