Keiner für die Schickimicki

cache/images/article_1259_44gregerl_140.jpg Werner Gregoritsch gilt als Heißsporn in der Coaching-Zone. Beim beschaulichen Gastgartenbesuch in Graz-Gösting zeigte der Cheftrainer des SV Kapfenberg Gelassenheit und reflektierte über seinen Ex-Schützling Milivoje Novakovic, den langen Schatten des Arsène Wenger und den obligaten Trainingsanzug als Modestatement.
ballesterer: In der Saison 2009/10 spielt der SV Kapfenberg immer noch in Liga eins. Was richten Sie dem ehemaligen Altach-Trainer Manfred Bender aus, der voriges Jahr gemeint hat, dass der Abstiegsplatz durch den KSV schon fixiert sei?
Werner Gregoritsch: Deutsche Arroganz führt nicht immer zum Erfolg. Deswegen bin ich in meinem Verhältnis zum deutschen Fußball sehr gespalten. Einerseits habe ich deutsche Gründlichkeit und Perfektion gelernt und selbst davon profitiert, als ich unter Klaus Augenthaler GAK-Co-Trainer war. Andererseits stößt es mir immer auf, wenn deutsche Trainer glauben, sie hätten den Fußball in Österreich erfunden. Vor allem Trainer wie Manni Bender, die in Deutschland nicht einmal in der dritten Liga eine Chance kriegen würden und keine Trainerausbildung haben, sind fatal.

War der Trainerjob in Kapfenberg, nach dem Cupsieg mit dem GAK, den Jobs bei Mattersburg und dem LASK, nicht ein Karriereabstieg?
In Kapfenberg legt man Wert auf Kontinuität und hat mit mir ein längerfristiges Konzept vereinbart. Auch das Underdog-Image des KSV ist eine Zusatzmotivation. Wir sind bis jetzt immer als Fixabsteiger gehandelt worden. Der zweite Grund für meine Zusage war der Reiz, Jugendliche zu fördern und rauszubringen. Wie beim GAK mit Schranz, Sick und Standfest oder in Mattersburg mit Mörz und dem Christian Fuchs, den ich mit 16 geholt habe. Der ist nur meinetwegen gekommen. Da habe ich damals bei seinem Vater Überzeugungsarbeit leisten müssen. Das sollte man in Mattersburg nicht vergessen. Der KSV hat eine sehr gute Teamsportakademie. Dazu kommt, dass sich Problemspieler unter mir oft erstaunlich gut entwickeln. Wie etwa der Michi Liendl, der jetzt bei der Austria spielt.

Sie haben die positiven Beispiele Ihrer Arbeit mit Spielern aufgezählt. Milivoje Novakovic konnte sich unter Ihnen weder in Mattersburg noch beim LASK durchsetzen. Jetzt ist er Kapitän und Torjäger des 1. FC Köln. Was ist da schiefgelaufen?
Der hat bei mir zu Hause trainiert, als er keinen Verein und kein Geld gehabt hat. Er ist von meiner Frau und mir versorgt worden. In Mattersburg hat er dann Tore geschossen, sich aber verletzt. Nach Mattersburg haben wir dann ein Zweimonatsprojekt für ihn konzipiert. Als wir gemeinsam zum LASK gegangen sind, hat er dort zunächst sehr schlecht gespielt. Nach guten Leistungen im Frühjahr 2005 ist es dann zum Bruch gekommen. Ich habe damals den Ivo Vastic geholt und den Novakovic fix eingerechnet. Novakovic hat mich menschlich dann sehr enttäuscht, als er mir gesagt hat, dass er nie einen Vertrag unterschrieben hätte und jetzt nach Bulgarien zu Litex Lowetsch geht. Da habe ich gelernt, dass es ganz wenige Menschen gibt, die nicht durch Geld ihre Prinzipien vergessen.

Wie haben Sie sich als Trainer über die Jahre verändert?
Zuerst habe ich immer geglaubt, dass man ein beliebter Kumpeltyp für die Spieler sein muss. Dann habe ich beim GAK gesehen, wie leicht es passieren kann, dass dir die Spieler in den Rücken fallen. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass der Mittelweg ideal ist. Einerseits musst du wie ein Vater agieren, das heißt die Spieler müssen Vertrauen in dich haben, und andererseits musst du die totale Respektsperson sein und eine Autorität ausstrahlen. Die Zeit, die mich im Fußballgeschäft aber am meisten geprägt hat, war meine Hospiz bei Arsène Wenger im Zuge der Trainerprofilizenz vor fünf Jahren. Die Art und Weise, wie dieser Mensch auftritt und seine Mannschaft führt, hat mir sehr imponiert. In dieser Woche hat es bei mir Klick gemacht. Man muss eine ganz klare, natürliche Distanz zu den Spielern schaffen.

 

Warum Ausdrücke wie »Eierkopf« für Werner Gregoritsch »liebliche Floskeln« sind und weshalb er den feinen Zwirn aus GAK-Zeiten gegen einen Trainingsanzug getauscht hat, können Sie in der Vollversion des Interviews lesen - in der Printausgabe des ballesterer Nr. 44 (August 2009). Ab Donnerstag österreichweit in den Trafiken sowie im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel!

Referenzen:

Heft: 44
Rubrik: Spielfeld
ballesterer # 120

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