Kleines Land, kleine Spieler

cache/images/article_2146_20130726_9578_140.jpg Seit September 2009 ist die Fußballakademie Burgenland in Mattersburg in Betrieb. Zehn Millionen Euro kostete die Errichtung, rund 100 Jungspieler werden hier ausgebildet. Akademieleiter Hans Füzi spricht im Interview über seine Philosophie und unsichere Investitionen.
Moritz Ablinger | 14.08.2013

ballesterer: Sie beschreiben die Akademie auf Ihrer Website als modernste Trainingsanlage für den Fußballnachwuchs in Österreich. In der U18-Meisterschaft sind Sie bisher aber nicht erfolgreich. Woran liegt das?
HANS FÜZI: Das hat mehrere Gründe. Zum einen sind wir in erster Linie bestrebt, die burgenländischen Talente zu fördern. Das Land Burgenland hat hier schließlich sehr viel investiert. Mit 280.000 Einwohnern sind wir aber ein kleines Bundesland. Wenn man in Wien unter knapp zwei Millionen auswählen kann, besteht ein Riesenunterschied. Außerdem wählen wir die Jungs nicht nach Positionen, sondern nur nach dem Talent aus. Dadurch ist es schwierig, eine Mannschaft zu finden. Ich kann nicht drei Innenverteidiger, sechs Mittelfeldspieler und vier Stürmer aufstellen. Wir nehmen die talentiertesten Kicker und versuchen aus ihnen das Beste zu machen.

Wie kommen die Spieler zum SV Mattersburg? Verfügt er alleine über die Akademie?
Nein. Das ist anders als bei den Bundesliga-Akademien, wo der Verein die Lizenz hat. Bei uns gehört die Lizenz dem Burgenländischen Fußballverband, und wir kooperieren mit Mattersburg. Wir wollen die Talente hier bestmöglich weiterentwickeln, damit sich die burgenländischen Topvereine die Spieler dann holen können. Mattersburg hat nur ein Vorkaufsrecht, dafür zahlen sie aber auch.
Ihre Zielsetzung ist also, gute Spieler herauszubringen?
Ja, das ist das vorrangige Ziel. Wenn ich mir aussuchen könnte, ob ich Meister werde, aber kein Spieler den Sprung in die Bundesliga schafft, oder Letzter werde, aber jedes Jahr zwei Bundesliga-Kicker herausbringe, würde ich mich immer für die zweite Variante entscheiden. Unsere Absolventen sollen den burgenländischen Fußball nachhaltig verbessern, weil sie für ihren Stammverein spielberechtigt bleiben und dorthin zurückkehren können.

Rentiert sich eine Akademie überhaupt?
Fußball ist einer größte Wirtschaftsfaktor der Welt. Wenn man nicht investiert, geht man unter. Früher hat es keine hauptberuflichen Trainer, keine Vormittagstrainings und derartige Dinge gegeben. Wenn man das heute nicht macht, hat man keine Chance mehr. Ein Blick über die Grenzen genügt, um zu sehen, dass diese Entwicklung noch lange nicht am Ende ist. Das ist natürlich auch zu hinterfragen, weil es viel Geld kostet. Der österreichische Weg macht Fortschritte, aber man muss eben 15 bis 20 Jahre warten, ob dabei etwas herausschaut. Für eine Bilanz ist es noch zu früh.

Früher hat man ja den Eindruck gehabt, die burgenländischen Spieler sind vor allem körperlichs stark. Ist das immer noch so?
Mit solchen Typen gewinnt man Spiele, das ist das Problem. Es gibt genügend Beispiele in den Niederlanden für Spieler, die nie in einem Nachwuchsnationalteam gespielt haben, weil sie nur 1,52 Meter groß sind. Aber im A-Nationalteam tauchen die dann plötzlich auf und sind Weltklasse. Bei der Aufnahme entscheide ich mich heute daher ganz bewusst für die kreativeren Spieler, auch wenn sie kleingewachsen sind. Da kann man nur hoffen, dass sie sich nicht frustrieren lassen und mit dem Kicken ganz aufhören. In den Niederlanden wartet man auf diese Leute, und das rentiert sich. Bei uns wartet leider niemand auf irgendwen.

Zur Person
Hans Füzi (54) ist seit 2006 sportlicher Leiter der Fußballakademie Burgenland und seit 2005 Co-Trainer verschiedener Nachwuchsnationalteams. In seiner aktiven Karriere absolvierte der Pamhagener von 1978 bis 1985 195 Pflichtspiele beim SC Eisenstadt in der Bundesliga und erzielte dabei 47 Tore. Anfang der 1990er Jahre war er Trainer der Burgenländer.

 

Dieses Interview ist Teil einer ausführlichen Reportage über den SV Mattersburg nach dessen Abstieg aus der Bundesliga. Das gesamte SVM-Dossier finden Sie in der aktuellen ballesterer-Ausgabe - seit 16. August im Zeitschriftenhandel.

Referenzen:

Heft: 84
Rubrik: Spielfeld
Thema: Bundesliga, Burgenland
Verein: SV Mattersburg
ballesterer # 120

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