Hitzfeld als zu große Schuhnummer
Einige Schweizer Fußballfans vermuten, dass ein Engagement von Hitzfeld ein paar Nummern zu groß wäre für den gemütlichen Schweizer Fußballverband. Der Vorstand um den 74-jährigen Präsidenten Ralph Zloczower arbeitet ehrenamtlich und besteht aus pensionierten Juristen und Architekten. Das Verhältnis zu den Medien ist angespannt. Die Situation spitzte sich zu, als Nati-Coach Köbi Kuhn im Frühjahr 2007 Captain Johann Vogel aus dem Kader strich und Lämmli sagte: »Ich muss diesen Entscheid nicht mittragen.« Kuhn stand mit abgesägten Hosen da. Die Boulevardzeitung Blick warf dem Verband vor, er würde »stillos« mit Köbi Kuhn umgehen. Das Schweizer Fernsehen organisierte sogar eine Diskussionssendung zu den Querelen. Kuhn fühlte sich dort sichtlich unwohl. Den Vorwurf, dass die verknöcherten Verbandsstrukturen schuld seien, konnte er nicht wirklich zurückweisen: »Dass unsere Strukturen nicht ganz dem höchsten Niveau des heutigen Fußballs entsprechen, ist klar.« Wenige Wochen später engagierte der Fußballverband nach deutschem Vorbild den ehemaligen Nationalspieler Adrian Knup als Manager.
Schwierige Suche mit Tradition
Oft geht heute vergessen, dass schon Köbi Kuhn nur eine Notlösung nach einer unruhigen Zeit war. Der Verband legte sich im Jahr 2000 mit dem argentinischen Spitzenklub Independiente an, als der damalige Präsident und heutige Ehrenpräsident Marcel Mathier nach Buenos Aires flog und Enzo Trossero unter Vertrag nahm. Die Verantwortlichen von Independiente waren düpiert, da Trossero noch einen gültigen Vertrag besaß. Der Trainer selbst trat nach wenig Erfolg bereits ein Jahr später zurück.
Nach der EM braucht die Schweizer Nationalmannschaft einen Nachfolger für Köbi Kuhn. Das hat man beim Fußballverband erkannt, viel mehr noch nicht. Am besten ließen die Funktionäre vielleicht die Hände von der großen Fußballpolitik und machten den Assistenztrainer oder einen Jugendtrainer zum Chefcoach. Das hat mit Kuhn recht gut geklappt und die Bild-Zeitung würde das auch nicht interessieren.






erscheint am 12. Juli 2013.
Abo bestellen