Mario Götzes Brieffreund

cache/images/article_2225_miki_140.jpg Rapper und BVB-Fan M.I.K.I schreibt Lieder über seine Fußballidole. Manchmal bekommt der 24-jährige dafür Einladungen, manchmal Post von Mario Götzes Anwalt.
ballesterer: Wie sind Sie Borussia-Dormund-Fan geworden?
M.I.K.I: Im Ruhrgebiet kann man nur zwischen dem BVB und Schalke wählen. Ich habe mich Gott sei Dank für das Richtige entschieden, durch eine ganz kuriose Geschichte. Als kleines Kind bin ich nachts einmal aufgewacht und habe meinen Vater am Küchentisch gesehen. Aus einer Laune heraus habe ich ihn gefragt, welches Team er anfeuert. Er hat "Dortmund" gesagt - somit war die Entscheidung für mich klar.
Wann sind Sie das erste Mal im Stadion gewesen?
Als Siebenjähriger, bei einem Spiel gegen Werder Bremen. Als ich zum ersten Mal die Südtribüne gesehen habe, habe ich mir gedacht: »Das ist mein Ding.« Zwei Jahre später hat mich mein Onkel dorthin mitgenommen. Mit 13 Jahren habe ich meine erste Dauerkarte auf der Tribüne bekommen, heute stehe ich im Block 14.
Sind Sie in einem Fanklub organisiert?
Meine Jungs und ich sind ein immer ein Mob von 30 bis 50 Personen gewesen, aber wir waren immer unorganisiert. Im letzten Jahr haben wir einen Fanklub gegründet, die »Los Borussos«. Wir sind auswärts immer dabei und machen uns eine gute Zeit.
Ihr kommendes Album, das am 20. Dezember erscheint, wird Malochersohn heißen. Welche Rolle spielt der Fußball dabei?
In einigen Songs geht's um Fußball, zum Beispiel Auswärtsfahrten, hohe Ticketpreise oder die momentane Polizeiproblematik im Stadion, weswegen ich einen Track 1.3.1.2. genannt habe. Ansonsten dreht es sich um persönliche Lebenserfahrungen, Erkenntnisse und auch um Party.
Sind Sie im Stadion bekannt? Werden Sie von Fans angesprochen?
Das kommt schon regelmäßig vor, manche wollen sogar ein Autogramm. Mittlerweile kann nicht mehr unerkannt auf der Tribüne stehen. Die Aufmerksamkeit freut mich, natürlich bekomme ich aber auch negatives Feedback. Meistens im Internet, aber auch Kritik muss jeder verkraften können.
Der Song "Hast du jetzt, was du willst?" ist eine emotionale Aufarbeitung von Mario Götzes Wechsel zum FC Bayern und hat Ihnen Probleme beschert. Wie ist das genau abgelaufen?
Als mein Rapkollege Reece und ich gehört haben, dass Götze abhaut, haben wir nicht lange überlegt und den Song aufgenommen. Mit der Veröffentlichung haben wir aber bis zum Saisonende gewartet, weil er ja noch unser Spieler war. Einen Tag später ist dann Post von seinem Anwalt gekommen, seitdem sind wir Brieffreunde.
Was hat er geschrieben?
Der Anwalt hat den Streitwert auf 70.000 Euro festgelegt. Eine Woche später sind wir informiert worden, dass Götze zudem noch 25.000 Euro Schmerzensgeld verlangt. Wir haben uns daraufhin ebenfalls einen Anwalt genommen, der uns umsonst vertritt, weil er auch Borusse ist.
Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?
Wir kriegen das meiste nur durch die Presse mit. Anscheinend ist die Geschichte beendet, wir haben aber nichts schwarz auf weiß. Vielleicht hat Götze eingesehen, dass sich die Fans eher mit uns solidarisieren. Wir haben eine Menge Spenden bekommen. Wenn wir nichts zahlen müssen, spenden wir das Geld für einen guten Zweck.
Auch mit Bayern-Rapper Zamjo verstehen Sie sich nicht gut.
Nach unserem Götze-Lied hat er ihn mit einem eigenen Track in Schutz genommen und uns Unmenschlichkeit vorgeworfen. Dabei hat er wenige Monate zuvor einen Song gegen Kevin Großkreutz aufgenommen und ihm den Tod gewünscht. Seitdem haben wir Ärger mit dem Hampelmann.
Wie wichtig ist Großkreutz für Sie als Integrationsfigur?
Er verkörpert Dortmund und ist ein Kämpfer. Im Ruhrgebiet schätzt man Kampfgeist, und deswegen haben wir beide eine emotionale Bindung zum Klub. Gerade weil Kevin Großkreutz von der Südtribüne kommt und jetzt auf dem Platz steht, verkörpert er ein Märchen.
Nach dem Derby ist ihm vorgeworfen worden, dass er sich nach der in den Schalker Block abgefeuerten Pyrotechnik nicht ausreichend von der Fankurve distanziert hat. Wie sehen Sie die Vorkommnisse?
Ich mag die Rivalität, aber man muss nicht übertreiben.  
Der Verein hat den Ultra-Gruppen »The Unity«, »Desperados« und »Jubos« auf unbeschränkte Zeit die Auswärtsdauerkarten gesperrt. Was sagen Sie zu diesen Strafen?
Ich finde die Pyroaktion nicht schlimm, nur hätte das Feuer nicht auf den Rasen und in den Block geworfen werden sollen. Wegen fünf oder sechs Leuten wird jetzt das kollektiv bestraft.
Ein Highlight Ihrer Karriere war die Einladung von Jakub Blaszczykowski zur Eröffnung seiner Bowlinghalle in Polen. Wie ist es dazu gekommen?
Ich habe einmal einen Song über "Kuba" aufgenommen. Ihm hat das Lied gefallen und er hat mir über seinen ehemaligen Dolmetscher die Einladung übermittelt. Reece und ich haben nicht lange überlegt. Er hat uns den Flug, das Hotel in Opole und alle Spesen bezahlt. Das war unbeschreiblich, ich werde meinen Kindern davon erzählen.
Wie ist die Eröffnung verlaufen?
Es war wie im Film: Nur geladene Gäste, alle natürlich im Anzug. Die Leute haben unseren Auftritt gesehen und uns ins Herz geschlossen. "Kuba" hat uns allen vorgestellt, wir haben gemeinsam gebowlt und den einen oder anderen Wodka getrunken.
Gibt es auch Feedback von anderen Dortmund-Spielern, die Gefallen an Ihrer Musik finden?
Nach der Geschichte mit Götze halten sich die aktuellen Spieler etwas zurück. Für Dede habe ich einen Song zum Abschied aufgenommen. Dafür hat er sich persönlich bedankt und mir ein Trikot geschenkt. Ich denke, die Klubverantwortlichen mögen mich nicht mehr sonderlich, aber das ist in Ordnung. Ich mache meine Lieder für die Fans.

Referenzen:

Heft: 88
ballesterer # 121

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