Maskenball

EXEKUTIVE Immer öfter treten bei Fußballspielen in Österreich vermummte Polizisten in Erscheinung. Der ballesterer fm hat sich die rechtliche Lage angesehen und Peter Jedelsky, den obersten Fanpolizisten des Landes, nach seiner Meinung zu den maskierten Kollegen befragt.
Stefan Kraft | 05.06.2008
Mattersburg, Graz, Wien: In den letzten Jahren machten zahlreiche österreichische Fans Bekanntschaft mit Spezialeinheiten der Exekutive, deren Outfit neben der üblichen Nahkampfausrüstung auch aus einer Sturmmaske besteht, die die Gesichter der Einsatzkräfte unkenntlich  macht. Ansonsten vermummen sich Polizisten etwa bei Einsätzen gegen das illegale Verbrechen oder bei Anti-Terror-Operationen, damit sie nicht wieder erkannt werden. Dort liegt eine »extreme Gefährdung« vor. Doch ist eine solche Montur beim Fußball verhältnismäßig? Auch Fanpolizist Peter Jedelsky bestätigt im Interview mit dem ballestererfm, dass eine derartige Gefährdung am Fußballplatz nicht gegeben sei.

Eskalierend


Die Arbeit der Fanpolizei macht ein derartig martialisches Verhalten ihrer Kollegen jedenfalls nicht leichter. Doch es obliegt der jeweiligen Einsatzleitung wie jener der Wiener Einsatz Gruppe Alarmabteilung (WEGA), welches Aussehen an den Tag gelegt wird. »Häufig diskutieren wir auch das Tragen der Helme«, erläutert Jedelsky. Denn behelmte Polizisten können wie vermummte Einsatzkräfte eskalierend auf die Situation rund um das Stadion wirken. Jedelsky zeigt sich »nicht glücklich« über den Gebrauch der Sturmmasken und gibt auch ein Beispiel dafür, wie die Fanpolizei dafür Sorge trägt, dass die Einsatzeinheiten in kritischen Situationen nicht an vorderster Front agieren. Beim friedlichen »Platzsturm« der Rapid-Fans Anfang November im Hanappi-Stadion marschierte nicht die WEGA auf, sondern eine »gewöhnliche« Abordnung der Wiener Polizei. Ohne Helme und Sturmmasken.

Rechtliche Lage


Als Argument gegen die Vermummung wird oft auch angeführt, dass diese vor einer Identifizierung schützt. Tatsächlich sind action-geladene Polizisten auf Fotos und Videomaterial damit kaum eindeutig zu erkennen. In jedem Fall müssen aber auch sie bei einem Einsatz auf Aufforderung ihre Dienstnummer bekannt geben. Dennoch wissen einige Fans zu berichten, dass ihnen gerne der Beamte mit der Zahl »4711« Auskunft erteilt.
Nach den Paragrafen des Sicherheitspolizeigesetzes (SPG) sind solche Scherze aber nicht legal: »Die Bekanntgabe der Dienstnummern der einschreitenden Organe« hat »durch Aushändigung einer mit der Dienstnummer, der Bezeichnung der Dienststelle und deren Telefonnummer versehenen Karte« zu erfolgen. Aber das SPG kennt auch kein Vermummungsverbot für die »einschreitenden Organe«. Die Sturmhauben der Sondereinheiten sind demgemäß legal. Auch wenn sie in keiner Weise der Situation eines Polizeieinsatzes im Stadion entsprechen.
Dass auch manche Fans auf die Idee gekommen sind, sich bei Auseinandersetzungen mit der Polizei zu vermummen, sollte die maskierten Beamten nicht weiter verwundern. Auf das Thema angesprochen, meint Peter Jedelsky, so etwas könne man derzeit nicht verhindern. Zu einer »entspannten« Situation würden die vermummten Fans aber nicht beitragen. Ein Verbot ließe sich dennoch kaum durchsetzen: »Sie können ja nicht jedem im Stadion den Schal wegnehmen.«             

Referenzen:

Heft: 25
ballesterer # 121

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Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

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