Pfusch mit juristischen Folgen

cache/images/article_1177_40fans_pus_140.jpg Am  29. November 2008 spielte Werder Bremen gegen die Eintracht aus Frankfurt. Schon am Vormittag fanden sich zirka 300 Eintracht-Fans aus dem Umfeld der Ultras Frankfurt im Bremer Kneipenviertel ein, stets begleitet durch die von szenekundigen Beamten informierte Bremer Polizei samt einem SAT1-Fernsehteam. Es blieb ruhig, bis auf die szenentypischen Gesänge und einen gezündeten Bengalen. Doch das genügte: Einsatzleiter Hans-Jürgen P. ordnete die Einkesselung und Festnahme aller anwesenden Frankfurt-Fans an.
Clemens Schotola | 04.03.2009
Die Lagebesprechung P.s per Handy durften die Reporter aus einem halben Meter Entfernung mitfilmen, was die Bremer Grünen später zu einer Anfrage an den städtischen Innenausschuss veranlasste, wie die Polizei sicherstellen wolle, dass ermittlungstaktische Hintergrundinfos nicht an die Öffentlichkeit drängen. Doch diese Anfrage wird nicht das einzige Ungemach bleiben, das P. nun droht. Denn insgesamt 160 Fans ließen sich die Freiheitsberaubung nicht gefallen und klagten.

Die Staatsanwaltschaft Bremen leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den Einsatzleiter wegen rechtswidriger Gewahrsamnahme und Freiheitsberaubung in mindestens 266 Fällen ein. Sollte es tatsächlich zu einem Verfahren kommen, muss P. beweisen, dass die »Masseningewahrsamnahme« rechtens war. Im Weserkurier meinte der ebenfalls eingekesselte Leiter des Fanprojekts Frankfurt, Stephan von Ploetz: »Es gab keine Lagezuspitzung (seitens der Fans, Anm.). Das war ein Ereignis mit beschlossenem Ausgang.«

Angebote der Fans, sich ohne Matchbesuch nach Frankfurt rückführen zu lassen, hatte P. ausgeschlagen. Erst nach dem Spiel wurden die Inhaftierten freigelassen und heimeskortiert. Raststätten und Tankstellen ließ P. sperren, der Kauf von Essen oder Getränken war damit von 9.30 Uhr bis zur Ankunft in Frankfurt um 4.00 Uhr früh des nächstens Tages unmöglich. Auch diese Anordnung kann unangenehme Konsequenzen für P. haben. Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Polizisten auch wegen Nötigung in rund 300 Fällen.

Referenzen:

Heft: 40
Rubrik: Fansektor
ballesterer # 120

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