Reden über Raketen

cache/images/article_2426_streitgespraech_140.jpg Der Grünen-Politiker Peter Pilz fordert härtere Strafen für das Abschießen von Leuchtstiften im Stadion, Helmut Mitter von der "Rechtshilfe Rapid" fürchtet Stimmungsmache gegen Fans. Im Streitgespräch der beiden geht es um die Definition von Gewalt, öffentliche Sanktionen und gemeinsame Wünsche nach Gesetzesreformen.

Das letzte Wiener Derby beschäftigt derzeit das Parlament. Im November wurden beim Spiel zwischen Rapid und der Austria Leuchtstiftraketen aus dem Auswärtssektor abgefeuert, der Grünen-Abgeordnete Peter Pilz fordert seither eine Gesetzesverschärfung - per parlamentarischer Anfrage und per YouTube. Sein Video "Fußball statt Raketen" wurde bisher über 20.000-mal angeklickt. Darin demonstriert er, wie man einen Signalstift kaufen und im Stadion abschießen kann. Die Reaktionen auf das Video waren geteilt.


ballesterer: Herr Pilz, Sie schreiben in Ihrer Anfrage von Raketenterror. Was meinen Sie damit?
Peter Pilz: Ich war in der Halbzeitpause des Derbys beim Ausgang. Da sind mir Väter mit ihren Kindern entgegengekommen - die Kinder schwer traumatisiert, die Väter haben alle dasselbe gesagt: "Wir gehen nie wieder hin." Wenn man Raketen in den Familiensektor schießt, ist eine Grenze weit überschritten. Ich habe das mit allen Sicherheitssprechern im Parlament diskutiert, und wir haben gesagt: Das klären wir.
Wie ist dieses Video in der Rapid-Fanszene diskutiert worden?
Helmut Mitter: Man glaubt immer, wenn die eine Seite gegen Raketenschützen ist, ist die andere dafür. Wir haben das Abschießen von Leuchtstiften auch verurteilt. Kein Mensch will, dass irgendwer auf der Längsseite des Stadions in Fanauseinandersetzungen hineingerät. Aber wir verwehren uns dagegen, dass man alle in einen Topf wirft. Im Stadion sind fast 30.000 Leute, einer schießt einen Leuchtstift. Der ist erwischt worden und wird juristisch belangt.
Pilz: Bis dahin sind wir fast einer Meinung. Wir haben als Grüne ein ganz ähnliches Problem mit kleinen Schwarzen Blocks, die auf antifaschistische Demonstrationen kommen, um sich zu schlagen und Auslagenscheiben einzuhauen. Wir können das dann politisch ausbaden. Deswegen habe ich im Video nicht gesagt "die Fans", sondern Leute, die sich als Austria- oder Rapid-Fans verkleiden. Aber die Frage ist nicht nur, ob ihr dies oder jenes verurteilt, sondern wie klar die Distanz nach außen ist.
Mitter: Wir haben uns schon 2008 beim Derbymarsch gegen Böller und Leuchtstifte ausgesprochen. Aber wenn man dann von "diesen Gruppen" spricht, meint man automatisch Fangruppen. Das beste Beispiel für solche Pauschalierungen war der Platzsturm 2011. Es hat geheißen: Die Fans, die auf das Spielfeld gelaufen sind, haben nur Gewalt im Sinn. Die gleichen Leute sind es aber, die für die Choreografien und für die Stimmung sorgen, die immer gelobt werden. Das war eine Protestmaßnahme, keine Gewaltaktion. Es hat dabei Ausreißer gegeben, was wir auch intern sanktioniert haben.
Pilz: Kein Mensch weiß das. Das solltet ihr nachvollziehbar machen, nur so gebt ihr der Öffentlichkeit eine Chance, zu verstehen: Da handelt es sich um eine organisierte Fankultur, die will nichts damit zu tun haben und unternimmt auch etwas. Ihr werdet sofort die Leute hinter euch haben. Das ist keine Geschichte, die man in der Verschwiegenheit der Familie ausmacht.
Mitter: Die Kronen Zeitung würde doch nie schreiben, dass die Argumente der Fans eine Berechtigung haben. Letztlich steckt auch das Interesse dahinter, Abweichler - und das ist der Fußballfan, der nicht im Stadion sitzt und sein Popcorn isst - kleinzuhalten.

 

Lesen Sie den gesamten Artikel in der aktuellen Ausgabe des ballesterer (Nr. 99 März 2015). Seit 11. Februar österreichweit in den Trafiken sowie einige Tage später im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel!


Zu den Personen

Helmut Mitter (31) ist  Vorstandsmitglied der "Rechtshilfe Rapid" und seit 2003 in der organisierten Fanszene aktiv.

Peter Pilz (61) ist Gründungsmitglied, ehemaliger Bundessprecher und aktueller Sicherheitssprecher der Grünen. Neben seiner politischen Tätigkeit ist er Mitglied im Rapid-
Kuratorium.


Foto: Dieter Brasch 

Referenzen:

Heft: 99
Rubrik: Fansektor
Verein: SK Rapid
ballesterer # 120

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 13.04.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png