Rieder aus Überzeugung

cache/images/article_1723_glasner_140.jpg Nach einer Gehirnblutung musste Oliver Glasner im August seine Karriere beenden. Die 37-jährige Ried-Legende über sein einjähriges Gastspiel beim LASK, die Gründe für das Scheitern vieler Talente und die große Herausforderung bei seiner jetzigen Jobsuche.
Mathias Slezak | 14.10.2011
Oliver Glasner gehört immer noch zur SV Ried, auch wenn ein Mitarbeiter des Stadtamts ihn mit »Servas Pensionist« begrüßt, als er den Ehrenkapitän auf der Tribüne des alten Rieder Stadions erblickt. Glasner sagt immer noch »Wir«, wenn er von der SV Ried spricht. An seiner alten Wirkungsstätte blickt er auf beinahe zwei Jahrzehnte in Schwarz-Grün zurück.


ballesterer: Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Anfangszeit in Ried?
OLIVER GLASNER: Als ich 1992 zur SV Ried gewechselt bin, hat es hier noch keinen Profibetrieb gegeben. Ich habe damals nebenbei Sport und Geografie in Salzburg studiert und bin immer erst am Abend zum Training nach Ried gefahren. Erst nach dem Aufstieg 1995 ist auf Profibetrieb umgestellt worden, da habe ich dann auch mein Studium ruhend gestellt.
Sie waren 19 Jahre lang im Dienste der SV Ried, Ihr einziger Wechsel führte Sie jedoch ausgerechnet zum Erzrivalen LASK.
Ich bin 2003 nach dem Abstieg ja nicht ganz freiwillig gewechselt. Der neue Trainer Peter Segrt wollte mich nicht und hat mir mitgeteilt, dass ich unter ihm nicht mehr spielen werde. Wenn ein Trainer so etwas zu dir sagt, ist es gescheiter, wenn du den Verein wechselst. Der LASK ist auf mich zugekommen und hat mir eine Gelegenheit geboten, wieder Fußball zu spielen. Leider ist es nicht gut gelaufen, weil ich mir im ersten Spiel das Kreuzband gerissen habe und im Frühjahr nach der langen Therapie gleich wieder den Meniskus eingerissen habe. Der LASK und Präsident Reichel haben sich jedoch sehr fair verhalten. Sie haben nie ein schlechtes Wort über mich verloren, obwohl ich ihnen sportlich überhaupt nicht helfen konnte. Dann ist Heinz Hochhauser in Ried wieder Trainer geworden und da war sehr schnell klar, dass ich wieder zurückkomme.
Von den Fans wurden Sie nach Ihrer Rückkehr nicht sofort mit offenen Armen empfangen. Haben Sie die Reserviertheit der Rieder Fans verstanden?
Negative Stimmen hat es ja nicht nur gegeben, weil ich zum LASK gewechselt bin. Nach dem Abstieg 2003 wurden beim Verein ein paar Feindbilder gesucht und ich habe das als Kapitän stark zu spüren bekommen. Das war sicherlich die schwierigste Phase meiner Karriere. Nach dem Jahr in Linz hat es eine sehr große Skepsis gegeben, so nach dem Motto: »Mit dem sind wir abgestiegen, was wollen sie denn mit dem?« Ich habe mich dem aber gestellt und gewusst, dass ich die Fans nur mit Leistung überzeugen kann. Ich denke, das ist mir in den darauffolgenden Jahren auch gelungen.
Sie waren elffacher U21-Teamspieler, haben es aber nie zu einem Einsatz im A-Team gebracht, trauern Sie einer Teamkarriere nach?
Mir wurde ja bereits in der Jugend zum Nachteil ausgelegt, dass ich in keinem Bundesnachwuchszentrum gespielt habe. Ich wurde von meinem Heimatverein Riedau einmal in die U15-Nationalmannschaft einberufen, der Trainer war übrigens Paul Gludovatz und er hat mir schon damals gesagt, dass ich keine Chance auf weitere Einsätze haben würde, wenn ich nicht in ein BNZ gehe. In Ried hat es damals aber keines gegeben und so wurde ich erst wieder ins U21-Team einberufen, als ich in Ried schon in der Kampfmannschaft gespielt habe. Dass ich nie für das A-Nationalteam gespielt habe, ist sicherlich ein bisschen ein dunkler Fleck in meiner Karriere.
Ist es von Austria oder Rapid leichter, ins Team zu kommen?
In Wien steht man sicherlich stärker im Fokus, man ist öfter in den Medien und vielleicht schaut auch der Teamchef öfter vorbei. Es gibt einige Beispiele wie Andi Lasnik oder Emin Sulimani, die von Ried zur Austria gewechselt sind und dann gleich für das Nationalteam nominiert wurden, teilweise sogar bevor sie für die Austria ein Spiel gemacht haben. Vorher in Ried, wo sie regelmäßig ihre Leistung gebracht haben, waren sie nie ein Thema. Aber ich glaube, dass sich das in letzter Zeit ein bisschen verschoben hat. Unsere Erfolge wurden früher oft als Ausnahmen abgetan, aber mittlerweile sind wir hinter den großen Vier die fünfte Kraft in Österreich und das wird respektiert.
Auch Paul Gludovatz war als Teamchef im Gespräch. Was sind seine größten Stärken als Trainer?
Er kann eine Mannschaft formen. Er schweißt die Spieler zusammen, lässt ihnen viele Freiheiten und zieht dann die Zügel aber wieder an. Das ist sicherlich seine größte Stärke und ich glaube, dass das für einen Teamchef vielleicht sogar das wesentlichste ist, weil man die Spieler ja nicht sehr oft zur Verfügung hat. Ich bezweifle, dass man die Spieler in der kurzen Zeit fußballerisch großartig verbessern kann, da ist vielmehr das taktische Konzept ausschlaggebend und dass das Nationalteam als Mannschaft funktioniert.
Sie arbeiten seit Jahren auch als Funktionär für die Rieder Fußballakademie. Woran scheitert der Übergang junger Talente zur Kampfmannschaft?
Wo wir auf jeden Fall Nachholbedarf haben, ist im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung. Die Burschen trainieren wahnsinnig eifrig, aber ihre Persönlichkeit bleibt dabei auf der Strecke. Ich habe das auch selbst miterlebt, als ich damals in die U15-Nationalmannschaft einberufen wurde. Plötzlich ist man in der Schule der Hero und bei den Mädchen begehrt - und das steigt dir in diesem Alter rasch zu Kopf. Manche hören das ja gar nicht gerne, dass es nach der Akademie erst richtig losgeht. Die Jungen dürfen nicht glauben, dass sie am Ende ihrer Träume sind, nur weil sie in der U18-Nationalmannschaft spielen. Wenn sie den Sprung in den Profikader schaffen, dann müssen sie sich beweisen, dann erst kommt der Druck dazu.
Was müsste man ändern?
Wir tun ihnen nichts Gutes, wenn wir ihnen alles abnehmen - die Jungen verlernen ja die Eigenverantwortung. Sie werden zum Training geführt, nach dem Training wieder zurück ins Internat und wenn sie in der Schule Probleme haben, spricht man mit den Lehrern und organisiert ihnen die Nachhilfe. Da sind wir gerade dabei, das zurückzuschrauben, denn im Spiel muss dann ja auch jeder selbst Verantwortung übernehmen.
Sie haben per Fernstudium Wirtschaftswissenschaften studiert. Machen sich viele Fußballer zu wenig Gedanken über ihre Zukunft?
Wenn man Anfang 20 ist, glaubt man natürlich dass es noch ewig geht. Wenn man in Ried gespielt hat, hat man aber nachher nicht ausgesorgt, da braucht man einen Beruf. Wenn einer zehn Jahre in Salzburg gespielt hat, muss er nachher wahrscheinlich nicht mehr aus finanziellen Gründen arbeiten, aber das ist auch nicht das Hauptargument. Man braucht ja ganz einfach eine sinnvolle Beschäftigung. Manche wissen nach ihrer aktiven Karriere nicht, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen, wenn sie nicht mehr im Rampenlicht stehen. Ich sehe das jetzt als meine große Herausforderung: Einen Job zu finden, in dem ich gefordert bin, der mir Spaß macht und wo ich mich einbringen kann. Ich möchte keinen Beruf, wo der Tag dann halt irgendwie vergeht. Ich möchte jeden Tag etwas machen, das mir Freude bereitet das hatte ich als Fußballer und so etwas möchte ich auch jetzt wieder finden.
Bei welchen Erinnerungen es Oliver Glasner eine Ganslhaut aufzieht, wie er seine Gehirnblutung in Kopenhagen erlebt hat und warum der Rieder Cupsieg von 2011 schöner war als jener von 1998 lesen Sie in der Printausgabe des ballesterer. Ab 15. Oktober österreichweit im Zeitschriftenhandel sowie an deutschen und Schweizer Bahnhofskiosken.

Referenzen:

Heft: 66
Rubrik: Spielfeld
ballesterer # 82

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Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

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