Schon wieder zurück

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Als der FC Blau-Weiß Linz vor zweieinhalb Jahren aus der zweiten Liga abstieg, war der Verein sportlich am Boden. Nach einer Saison im Umbruch spielen die Linzer heuer wieder um den Aufstieg – und wollen doch nichts überstürzen.

Moritz Ablinger | 07.12.2015

Auf der Linzer Gugl ist es ziemlich leer, wenn dort 1.300 Leute einem Fußballspiel zusehen. An diesem Frühlingsnachmittag ist es außerdem kalt und windig. Am Platz verliert ein chancenloser FC Blau-Weiß Linz in einem fürchterlichen Spiel 0:1 gegen Vorwärts Steyr. Von den Rängen sind Pfiffe zu hören. Die Saison beenden die Linzer auf dem sechsten Platz, über 30 Punkte trennen sie vom Meister, dem LASK. „Damals war die Luft draußen“, sagt Sportdirektor David Wimleitner heute. Es war die Saison 2013/14, die erste nachdem Blau-Weiß aus der zweiten Liga abgestiegen war.

„Heuer ist das Ziel der Aufstieg“, sagt Wimleitner. Nach einer sehr guten Herbstsaison scheint das Ziel in greifbarer Nähe. Drei Punkte liegen die Linzer hinter Tabellenführer Hartberg, auf den Dritten haben sie sechs Punkte Vorsprung. Der Zuschauerschnitt ist der höchste, seit Blau-Weiß wieder in der Regionalliga spielt – knapp 1.000 Leute kommen durchschnittlich zu den Partien in das kleine Donauparkstadion. Die Mannschaft begeistert mit einer modernen Spielanlage und vielen Toren. 45 haben sie im Herbst geschossen, mehr als jeder andere Klub in der Regionalliga Mitte.

Planlos Linz
Dass Blau-Weiß heute wieder vom Aufstieg träumen kann, war nicht unbedingt zu erwarten. 2013 wurden die Linzer Letzter in der zweiten Liga, rutschten aber durch die Insolvenz des FC Lustenau noch in die Relegation. Dort scheiterten sie an Parndorf, es ging zurück in die Regionalliga. „In der Abstiegssaison haben viele im Verein nicht wahrhaben wollen, dass das wirklich passiert“, sagt Wimleitner. „Da ist einiges kaputt gegangen, und am Schluss sind wir ohne Plan dagestanden.“

Die erste Saison nach dem Abstieg stand im Zeichen des Umbruchs. Tormann Wimleitner hängte die Schuhe an den Nagel, Leistungsträger wie Manuel Hartl und Philipp Huspek verließen den Verein. Der sechste Tabellenrang übertraf zwar die Erwartungen vieler Fans, dennoch waren blamable Vorstellungen wie jene gegen Steyr fixer Bestandteil der Saison.

„Die Stimmung war schon sehr angespannt, als ich zum Verein gekommen bin“, sagt Wilhelm Wahlmüller, der im Sommer 2014 als Trainer verpflichtet wurde. Mit dem neuen Trainer sollte sich die Dynamik im Verein rasch ändern, zudem übernahm mit David Wimleitner ein Vereinsurgestein die sportliche Leitung. „Es hat so einfach nicht mehr weitergehen können“, sagt der ehemalige Kapitän. „Wir wollten uns professionalisieren.“ Wimleitner überzeugte Präsident Herrmann Schellmann von seinen Plänen. Neue Spieler sollten vermehrt durch ein Scoutingsystem gefunden werden und die Nachwuchsteams wieder die Heimat für talentierte Kicker aus dem Linzer Umland sein. Auch abseits des Sportlichen beschritt Blau-Weiß neue Wege, indem der Klub mit Christian Wascher einen Marketingleiter mit Bundesliga-Erfahrung installierte. „Dass man die Kampfmannschaft wieder auf Vordermann bringt, geht schnell, aber es braucht ja auch einen längerfristigen Plan“, sagt Wimleitner. In der ersten Saison unter Wahlmüller reichte es immerhin für den dritten Platz, elf Punkte hinter Meister Austria Klagenfurt.

Keine Routiniers
Der Umbau ging in der Sommerpause weiter, mit Stefan Rabl, Boris Arapovic und Svetozar Nikolov verabschiedete sich der Verein von drei Spielern, die 2011 wesentlichen Anteil am Aufstieg ins Profigeschäft gehabt hatten. Auch Kapitän Wolfgang Bubenik verließ den Verein, sein Nachfolger Florian Maier ist heute der einzige Spieler im Kader, der schon in der Ersten Liga bei Blau-Weiß war. „Natürlich haben einige Abschiede wehgetan, das waren meine Teamkollegen und sind meine Freunde“, sagt Wimleitner. „Aber wir brauchen Spieler, die einem Aufstieg mit Blau-Weiß alles unterordnen wollen.“ Der aktuelle Kader ist geprägt von jungen Spielern, Kreshnik Kelmendi im Mittelfeld ist mit 27 Jahren der älteste. Der Großteil der Spieler kommt zudem aus Oberösterreich oder spielt schon länger in der Regionalliga Mitte. „Ich bin jetzt seit über sechs Jahren Trainer in dieser Liga, sicher haben mir mein Gefühl und meine Kontakte bei der Kaderplanung geholfen“, sagt Wahlmüller. „Vor der Saison wurde unser junger Kader sehr kritisch beäugt, jetzt heißt es auf einmal, dass wir aufsteigen müssen.“

Tatsächlich stehen die Vorzeichen sehr gut, denn Ligakonkurrent Hartberg überlegt noch, ob er überhaupt für eine Profilizenz ansuchen soll. Der Drittplatzierte, die Spielgemeinschaft aus LASK Juniors und dem FC Pasching, darf nicht aufsteigen. Auch die schon etwas abgeschlagenen Verfolger aus Stadl/Paura und Allerheiligen werden laut des Onlinestadtmagazins linza.at keinen Lizenzantrag stellen. Für Trainer Wahlmüller ist diese Frage ohnehin müßig: „Selbst wenn wir Erster werden, ist es nicht gesagt, dass wir aufsteigen. Es gibt ja noch die Relegation.“ Dort wartet auf den Meister der Regionalliga Mitte jener der Regionalliga West. Tabellenerster zur Winterpause ist dort die WSG Wattens. Schon 2011 waren die Tiroler der Relegationsgegner der Linzer. Und damals setzte sich Blau-Weiß im Elfmeterschießen durch. 


Foto: Bernd Speta

Referenzen:

Heft: 108
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