Gerade vor dem Eintreten dieser dramatischen Situation haben die drei großen Fangruppen der Grazer Schwarzen-Weißen schon seit Jahren gewarnt. Brigata, Jewels und Sturmflut waren in der unmittelbaren Vergangenheit durch Streiks, Spruchbänder, Flugblatt-aktionen und andere Formen des Protestes aus Sorge um den Verein oft damit beschäftigt, jene Missstände aufzuzeigen, die jetzt erst auch von einer breiten Öffentlichkeit als Gründe für den drohenden Konkurs wahrgenommen werden.
Der Traum vom Ausgleich
Im Zentrum ihrer Kritik stand immer Hannes Kartnig, der so der Vorwurf den Verein wie ein zentralistischer Despot praktisch in Alleinregie führe und nicht loslassen könne oder wolle. Beinahe resignativ und dennoch mit Wut im Bauch erklärt Oliver Palfi (Brigata), warum Ausgleich oder Konkurs auch für die gut informierten Ultras die einzig gangbaren Zukunftsvarianten für den Verein sind. »Wer wird so blöd sein und die Suppe auslöffeln, die Kartnig Sturm eingebrockt hat und ein paar Millionen hineinpulvern, nur damit er dann bei Null anfangen kann und Kartnig gut dasteht?« »Deswegen«, assistiert Markus Hartzl (Jewels), »wäre mein Traumszenario ein 20-prozentiger Ausgleich, nach dem man mit einer anderen Vereinsführung neu anfangen könnte.« Im Gespräch mit den Fancapos wird klar, wie sehr es Präsident Kartnig in den letzten Jahren gelungen ist, das Schicksal des Vereins auf Gedeih und Verderb an seine Person zu binden. Die Anhänger-Vertreter machen plausibel, warum er in der jetzigen Situation nicht mehr der laut Eigendefinition größte Retter des SK Sturm, sondern der wichtigste Hinderungsgrund für den Einstieg neuer Investoren ist.
Support statt Wirtschaftsmathematik
Sobald ein Neubeginn geschafft ist, wünschen sich die Fangruppen nichts mehr, als ihre Kurve in Autonomie verwalten zu können. Statt sich durch die Vorkommnisse im Verein ständig zur Kritik gezwungen zu sehen, wollen sie vielmehr die Mannschaft im Stadion unterstützen. Sie möchten sich nicht mehr mit unliebsamen Wirtschafts- und Rechtsfragen beschäftigen müssen, um die tragische Lage ihres Klubs durchleuchten zu können. Das Fanpotential von Sturm sei extrem groß, unterstreichen sie unisono, und die Sturmfamilie müsse unbedingt wieder zusammengeführt werden. Einvernehmen mit dem Verein sei ihnen bei einem Neustart wichtig. Gerne würden sie ihre Kreativität bei Marketingmaßnahmen wie der Organisation von Fanveranstaltungen und dem Gestalten von Fanartikeln in den Dienst der Schwarzen stellen. Niemals dürfte dabei aber ihre Unabhängigkeit und Freiheit in Gefahr geraten.
Abseits allen Ärgers über die verantwortlichen Vereinsfunktionäre und einer kühlen Sicht auf die zukünftigen Handlungsszenarien, sieht man den Herren der schwarz-weißen Kurve den Schock und die Verzweiflung über die prekäre Lage ihrer Herzensmannschaft dennoch an. »Man denkt sich jeden Tag, jetzt kann es nicht mehr schlimmer kommen und dann kommt schon die nächste Watschn«, sagt Bruno Hütter von der Sturmflut ganz offen. Was jedoch auch kommen mag, sind sich Hartzl, Palfi und Hütter einig, »den SK Sturm wird es immer geben.«






erscheint am 12. Juli 2013.
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