Virale Mobilisierung

Rechtsextreme Orientierung und islamfeindliche Stimmung liefern die Bindungskraft für die "HoGeSa"-Bewegung von Hooligans und Neonazis. Eine Mischung, die auch in Österreich ihre Wirkung entfalten könnte, sagt Rechtsextremismusexperte Wilhelm Lasek. 

Clemens Schotola | 10.12.2014

Während in Deutschland "HoGeSa" 5.000 Teilnehmer für die Demonstration in Köln mobilisieren konnte, blieben in Österreich die Aktivitäten vor allem auf Facebook beschränkt. Ein geplanter Reisebus kam nicht zustande, lediglich einige Einzelpersonen fuhren nach Köln. Die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken weisen jedoch darauf hin, dass die rechtsextreme Szene auch in Österreich Verbindungen nach dem Muster von "HoGeSa" knüpfen könnte. Der Rechtsextremismusexperte Wilhelm Lasek vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes mit einer Einschätzung.

ballesterer: Bei "HoGeSa" sind unterschiedlichste Gruppierungen aktiv. Wie kann so ein Zusammenschluss längerfristig funktionieren?

Wilhelm Lasek: Man darf auch bei den Hooligans nicht alle in einen Topf werfen, aber ein nicht unbeträchtlicher Teil ist rechtsextrem orientiert. Vereinszugehörigkeit und Parteien spielen für "HoGeSa" keine Rolle, sondern es ist der Versuch, in der Fußballszene Leute für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Mit dem Namen "Hooligans gegen Salafisten" werden im Sog der medialen Diskussionen öffentlichkeitswirksame Aktionen gesetzt, bei denen es aber eigentlich um ausländerfeindliche Stimmungsmache geht.

Auch in Österreich wurde zur Teilnahme an der Demo in Köln aufgerufen. Gibt es auch hierzulande Vernetzungen zwischen Hooligans und rechtsextremer Szene?

Ja, die gibt es. So ist bei einer Facebook-Gruppe ein führender Aktivist der neonazistischen Szene als Mitglied aufgeschienen. Eine andere Gruppe, die sich "Antifa Hunter - Ho. Ge. Sa Österreich" nannte, veröffentlichte auf ihrer Seite das Bild eines Skinheads mit einem Hakenkreuz auf der Brust und einer Pistole in der Hand.

In einer Facebook-Gruppe zur "HoGeSa"-Kundgebung in Köln waren Personen aus der Identitären-Bewegung und ein FPÖ-Bezirksrat aktiv. Erleben wir da noch weiter gefasste Allianzen?

Die Identitären sind eine politische Strömung, die von uns als rechtsextrem eingestuft wird. Eine ihrer Hauptaufgaben sehen sie darin, die ihrer Meinung nach drohende feindliche Übernahme Europas durch den Islam zu verhindern. Es stellt sich die Frage, ob Aktivisten der Identitären auch bei zukünftigen Aktionen Hooligans als potenzielle Verbündete betrachten. Das wäre sicher ein Novum. Wenn auch ein FPÖ-Funktionär mit Sympathisanten von "HoGeSa" Diskussionen geführt hat, ist das an sich keine Überraschung. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart sind FPÖ-Funktionäre immer wieder durch rechtsextreme Aktivitäten aufgefallen.

Auf Facebook konnte "HoGeSa" auch in Österreich viele Anhänger gewinnen, nach Köln sind dann jedoch nur wenige gefahren. Warum?

Davon auszugehen, eine größere Personenanzahl nach Köln zu mobilisieren, war sicher eine Selbstüberschätzung der Seitenbetreiber. Die verbale Unterstützung ist meist größer als die Bereitschaft, bei solchen Aktionen auch tatsächlich mitzumachen.   

"Vom Acker auf die Straße" - In unserer Printausgabe Nr. 98 (Jänner/Februar 2015) beschäftigen wir uns in einem ausführlichen Artikel mit der Bewegung "Hooligans gegen Salafisten" in Deutschland und den Reaktionen von Fans und Vereinen.

 

Referenzen:

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