Vom Donaustrand an die Copacabana

cache/images/article_2285_253-1949_-_in_sao_paulo_s_140.jpg 1949 wurde der SK Rapid zu einer Tournee nach Brasilien eingeladen, zwei Jahre später folgte der FK Austria. Während Rapid mit einem neuen Spielsystem heimkehrte, hinterließ auch die Austria ihre Spuren am Zuckerhut.

Kaum war die Meisterschaft vorbei, bist schon im Flieger oder Zug gesessen auf Tournee", sagt der heute 88-jährige Alfred Körner im ballesterer-Gespräch. Als junger Stürmer ist er mit dem SK Rapid um die Welt gereist. Um ihre Budgets steuerfrei aufzubessern, schlossen die Wiener Vereine in den 1950er Jahren wie schon in der Zwischenkriegszeit Verträge für zahlreiche Tourneen ab. "Wir sind auf der ganzen Welt verlangt worden, wir waren die ersten in Australien, Schweden und Südamerika." Auch der Austrianer Ernst Ocwirk erinnerte sich in seiner Autobiografie: "So kam es mitunter vor, dass wir Weihnachten im Ausland verbringen mussten. Irgendwo in einem Hotelzimmer, im Flugzeug oder der Eisenbahn holt der Masseur ein zerknittertes Bäumchen aus dem Koffer, zündet die Kerzen an und beginnt mit heiserer Stimme ,Stille Nacht' zu singen." Alfred Körner war siebenmal mit Rapid in Übersee, die Tourneen dauerten bis zu zweieinhalb Monate: "18 Jahre war ich zu Weihnachten nicht zu Hause, weil wir immer mit dem Nationalteam oder Rapid unterwegs waren. Aber das mussten wir in Kauf nehmen: Wer Geld verdienen wollte, musste ins Ausland gehen."

Österreichs Mannschaften standen in den 1950er Jahren hoch im Kurs. "Grundvoraussetzung war, dass man mit allen Stars angereist ist", sagt Rudolf Rappel, der in dieser Zeit mit der Austria auf Tournee war. "Die Austria konnte es sich also nicht leisten, Spieler wie Ocwirk, Lukas Aurednik und Ernst Melchior zu Hause zu lassen." Die Vienna zog es 1953 nach Uruguay, den LASK und VÖEST nach China.

Pionier Rapid
Den ersten Schritt nach Südamerika setzte aber Rapid, 1949 ging es nach Brasilien. "Jogara amanha o Rapid", titelte die brasilianische Gazeta Esportiva im Juni in großen Lettern - "Morgen spielt die Rapid". Das Gastspiel der Wiener löste in Brasilien einigen Medienrummel aus. Anfang des Monats hatten sich 18 Spieler unter Führung von Sektionsleiter Franz Binder und Trainer Hans Pesser auf den Weg gemacht. Mit dem Zug nach Genf, dann mit dem Flugzeug nach Rio de Janeiro. In acht Wochen absolvierte das Team elf Spiele. Die Stationen waren Rio, Sao Paulo,
Campinas, Curitiba, Joinville.

Rapid-Funktionär Leo Schidrowitz berichtete: "Das Jahr 1950 bringt die Austragung des Jules Rimet Cups, populär ,Fußball-Weltmeisterschaft' genannt, in Rio de Janeiro, und Brasilien, dem auf eigenem Boden allererste Chancen für die Eroberung des stolzen Titels eingeräumt werden, machte das Jahr vor der Begegnung zur Generalprobe für seine Mannschaften und ihr Spielsystem." Neben Rapid waren auch der italienische Serienmeister FC Torino und Arsenal London eingeladen worden.

Vielleicht war es Schidrowitz selbst gewesen, der die Kontakte geknüpft hatte, denn er war erst im Frühjahr aus Brasilien in seine alte Heimat zurückgekehrt. 1938 war er mit seiner Familie vor den Nazis geflüchtet und hatte die NS-Zeit in Porto Alegre und Rio verbracht.

Lesen Sie den gesamten Artikel in der WM-Ausgabe des ballesterer (Nr. 92 Juni/Juli 2014). Ab 13. Mai österreichweit in den Trafiken sowie im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel!

 

Foto: Privatarchiv Franz Binder jun., Rapideum

Referenzen:

Heft: 92
Thema: Brasilien, WM 2014
ballesterer # 120

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