Von Stahlstadtkindern und Rabauken

cache/images/article_1303_47fans_arg_140.jpg »Dont Throw Your Points Away« eine Aufforderung, die Blau-Weiß Linz nicht immer befolgt hat. Dass die Fanszene aus dem Donauparkstadion jetzt eine CD dieses Namens hervorgebracht hat, hat mit der Leistung der Mannschaft freilich nicht viel zu tun.
Mario Sonnberger | 03.11.2009
Bereits 1995 erschien mit »The Spirit of Linz« ein Sampler, der in Fankreisen des damaligen FC Linz bald Kultstatus erreichte. Er sollte vorerst der einzige bleiben. Kaum zwei Jahre später folgten die »Fusion« mit dem Stadtrivalen LASK und die Neugründung als FC Blau-Weiß. Der Wunsch, die musikalische Tradition zu revitalisieren, musste warten. 2009 schließlich hat sich die prominent im Donauparkstadion vertretene Musikszene der Stadt aufs Neue zusammengetan, um ihren Verein musikalisch zu würdigen.

Taten statt Worte
»Wir haben jahrelang geredet«, erzählt Rapper Huckey dem ballesterer. Der Texta-MC ist mit dem Track »Auswärtssieg« (gemeinsam mit Sam von Hinterland) auf dem Album vertreten. »Die ARGE ToR hats dann durchgezogen.« Die Arbeitsgemeinschaft für eine Tribüne ohne Rassismus wurde 2008 mit dem Interkulturpreis ausgezeichnet und steckte das Preisgeld in die Produktion der CD. Binnen eines halben Jahres entstanden so 15 Songs über Fußball, Fantum und die Liebe zum Verein in einem Studio des Linzer Kulturzentrums Kapu: von der Hymne auf Stahlstadtkinder bis hin zur Ballade über das Rabaukendasein. »Ursprünglich waren nur acht bis zehn Tracks geplant«, sagt ARGE-Sprecher Christian Steineder, der das Projekt koordinierte und vorantrieb. Das gesteigerte Interesse mündete schließlich nicht nur im Zuspruch der Musiker, sondern auch in einer gut besuchten Releaseparty.

Doch auch abseits musikalischer Pfade ist die ARGE erfolgreich. Der Grundgedanke, Antirassismusarbeit im Stadion sichtbar zu machen und zu fördern, wurde in die Tat umgesetzt, als vor drei Jahren eine Werbebande im Donauparkstadion frei wurde. Die Gemeinschaft, die bewusst keine anderen Fananliegen vertritt und über unterschiedliche Fangruppen hinweg vernetzt ist, vermietet das Stück Werbefläche seither in Absprache mit dem Verein symbolisch an Unterstützer. Für fünf Euro pro Saison können Sympathisanten ein Stück der Bande pachten. In der ARGE sitzen Mitglieder der Ultrà-Gruppe »Blauhelme« ebenso wie Vertreter der Fanklubs »The Firm« und »Fanatics« sowie unorganisierte Fans, weshalb sie auf breite Unterstützung bauen kann. Ausnahmen gebe es immer, erzählt Steineder: »Die verstecken sich aber hinter blödsinnigen Aussagen wie Politik hat im Stadion nichts verloren.« Dann müsse man klarmachen, dass es nicht um Politik gehe, sondern das Auftreten gegen Rassismus eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Blau-Weiße Kulturproduktion
Zur Philosophie der ARGE gehört, Fankultur auch abseits des Platzes zu leben. Neben der
eigenen Radiosendung »BlauCrowd FM« organisiert die Gruppe regelmäßig Veranstaltungen
wie etwa Konzerte befreundeter Bands. »Wir stehen nebeneinander, wir sind alles Haberer«, drückt es Huckey aus. Zu den Blau-Weiß-affinen Künstlern zählen neben Texta unter anderen Shy, Didi Bruckmayr, Vacunt und Kommando Elefant. Auch gelesen wird immer wieder, zum Beispiel bei Auftritten von Gerd Dembowski und den Vorträgen über »Fußball unterm Hakenkreuz«. Daneben spielt die ARGE natürlich selbst Fußball, druckt T-Shirts und ist im Stadion präsent.

»Dont Throw Your Points Away« war das bisher größte Projekt der Initiative, dessen Kosten sich allmählich wieder einspielen. Auch medial konnte so eine zusätzliche Aufmerksamkeit erregt werden, die bei bewusstseinsbildenden Maßnahmen mindestens ebenso wichtig ist wie eingängige Melodien.

Referenzen:

Heft: 47
Rubrik: Fansektor
ballesterer # 121

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