Vorwärts auf der Ervolxstraße

cache/images/article_1554_57fans_vor_140.jpg Nach dem Lizenzentzug im Jahr 2000 fand sich Vorwärts Steyr in der achten Liga wieder. Die Fans rocken seither das Unterhaus. Christian Kreil ist mit seinem Volxroad-Blog der Chronist dieser Szene. Im Interview wagt er eine kleine Träumerei.
Radoslaw Zak | 02.11.2010
ballesterer: Wie bist du auf die Idee gekommen, den Volxroad-Blog über Vorwärts ins Leben zu rufen?
Christian Kreil: Ich bin seit 33 Jahren Fan und habe mir irgendwann angeschaut, wie man bloggt. Zur Idee, so etwas auch über die Vorwärts zu machen, war es dann nicht mehr weit. Bei der Namensgebung habe ich mich an der Volksstraße orientiert, an der unser Stadion steht. Ziel des Blogs ist es, das Geschehen um Vorwärts ausführlich zu ­dokumentieren.
Bloggst du alleine?
Seit dieser Saison habe ich einen Helfer, den »Strengen Onkel Michael«. Der hat im Gegensatz zu mir wirklich Ahnung vom Fußball. Ich bin zwar ein eingefleischter Fan, aber kein guter Experte. Michael ist für die Spielanalysen zuständig, die sehr gut ankommen. Dabei war er als Spieler für den Lokalrivalen Sierning aktiv.
Ein Überläufer sozusagen?
Die Geschichte ist kein Einzelfall. Vor drei Jahren beim Schlagerspiel in Sierning hat der Vorschreier von »Südchaos«, der dominierenden Fangruppe, vor dem Hauptmatch in der Reserve gegen uns gespielt. Dann ist er duschen gegangen und zu uns in den Fanblock. Einige »Südchaoten« haben früher gegen die Vorwärts gespielt.
Schlagerspiele bewegen die Steyrer Massen. 2003 waren 1.000 Fans beim Entscheidungsspiel der achten Liga, zwei Jahre später 5.000 beim Meisterschaftsfinale eine Etage höher, 2007 kamen 7.000 Fans. Worin liegen die Gründe für den enormen Zulauf?
Vor dem Lizenzentzug haben wir noch ein halbes Jahr in der zweiten Liga gespielt, beim letzten Heimspiel gegen Leoben waren 70 Zuschauer. Danach hat es eineinhalb Jahre lang keinen Fußball in Steyr gegeben. In dieser Zeit sind wir in der Schockstarre verharrt. Der Neuanfang hatte etwas Mythisches, das die Leute bis heute anzieht. Sollten wir wieder einmal in die Bundesliga aufsteigen, werden wir im Zuschauerranking zwar nicht zu den Top Fünf gehören. Kapfenberg und Wiener Neustadt stecken wir aber sicher ein.
Wie viele Leute kommen zu den Heimspielen in der Oberösterreich-Liga?
Im Moment ein Stamm von 1.700 Leuten. Wenn es um etwas geht, sind es viel mehr. Gegen Sierning waren 3.500 da. Wenn wir heuer Meister werden, wird der Schnitt sicher bei 2.000 liegen.
Was war dein eindrucksvollstes Fanerlebnis im Unterhaus?
Gegen Weißkirchen haben wir 2007 um den Meistertitel der 2. Landesliga gespielt. Wir mussten gewinnen, das Spiel ist aber 1:1 ausgegangen, und die meisten Leute bezeichnen das als den schlimmsten Moment ihres Fandaseins. Für mich dagegen war es das Eindruckvollste, weil es so furchtbar emotional war. 7.000 Fans sind um die angesagte Meisterfeier »betrogen« worden und mit offenen Mündern dagestanden. Erst zwei Jahre später sind wir dann Meister geworden.
Was würdest du als Vorwärts-Fan gern noch erleben?
Spontan würde ich sagen: Noch einmal gegen Rapid und die Austria spielen. Die Frage, die ich mir allerdings immer wieder stelle, ist, ob ich das wirklich will. Wenn ich am Samstagnachmittag meinen Kaffee trinke, mir die Schuhe anziehe und ins Stadion zum Spiel gegen Haidershofen gehe, kann das besser sein als gegen Rapid. Auch wenn das viele nicht verstehen: Nach und nach kommt man drauf, dass es egal ist, gegen wen die Mannschaft spielt.
»Dem Ausscheiden im oberösterreichischen Bier-Cup folgt ein glorioser Erfolg im österreichischen Bier-Cup«, stand in deinem Blog nach dem Sieg gegen den WAC. Am 10. November kommt Sturm Graz. Welche Hoffnungen macht ihr euch?
Offiziell hoffen wir auf ein schönes Spiel mit einer Wahnsinnsstimmung und weniger als drei Gegentoren. Es wäre schön, wenn es nach einer Viertelstunde noch 0:0 steht. Meine inoffizielle Verlautbarung lautet: 3:3 nach regulärer Spielzeit, 4:4 nach Verlängerung, 23 Elfer und Verteidiger »Mauschi« Rabenhaupt als Siegestorschütze via Innenstange.
Das Spiel wird sicherlich viel Aufmerksamkeit auf Vorwärts ziehen.
Schon über die Live-Auslosung in »Sport am Sonntag« ist tagelang geredet worden. Es ist das Hauptgesprächsthema in der Stadt gewesen, weil wir nach zehn Jahren wieder im Fernsehen waren und aus einer Kugel ein Zettel mit dem Namen Vorwärts Steyr gezogen wurde. Das Spiel gegen Sturm kann nur ein Fußballfest werden.  
Die Nordtribüne muss für die Sturm-Fans erst hergerichtet werden. Wird alles rechtzeitig fertig?
Es wäre wie Weihnachten und Ostern für uns, wenn der Auswärtssektor wieder bevölkert wird und wir endlich wieder ein Gegenüber haben, das uns hoffentlich auch ernst nimmt. Wir wollen eine Woche lang das Gesprächsthema in Graz sein.
Wie jeder anständige Fußballfan trinkst du kein Red Bull, wie dem Volxroad-Blog zu entnehmen ist. Angenommen, Sturm muss dran glauben: Womit wirst du deinen ­Wodka mischen?
Ich trinke nur Bier. Bei einem Sieg wird die komplette Stadt kopfstehen, und ich werde einen Festbock trinken. Wahrscheinlich nicht nur einen.
ballesterer # 121

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