Wer will mich?

cache/images/article_2221_admira_140.jpg Nach dem Abzug von acht Punkten trotzt die Admira mit der Wut im Bauch dem Abstiegsgespenst. Doch selbst wenn das Vorhaben gelingen sollte, benötigt der ehemalige Trenkwalder-Klub immer noch eine neue Führung.
Reinhard Krennhuber | 10.12.2013

Die Rückkehr an seine ehemalige Wirkungsstätte hatte sich Didi Kühbauer wohl anders vorgestellt. Doch von der alten Anzeigetafel des Südstadt--Stadions prangen die Fakten: Die Admira schlägt den WAC an diesem eisigen Novembersamstag 3:0, und Kühbauer bleibt nichts anderes übrig, als das anzuerkennen. "Der Punkteabzug war das Beste, was der Mannschaft passieren konnte. Sie ist völlig vom Druck befreit", sagt der ehemalige Admira- und jetzige Wolfsberg-Trainer. "Spielerisch hat sie ohnehin das größte Potenzial von allen Teams aus dem unteren Tabellendrittel."


Kühbauer sollte wissen, wovon er spricht, denn die meisten Spieler haben auch schon unter ihm gekickt. Doch nach dem in letzter Minute fixierten Klassenerhalt verließ Kühbauer im Sommer den Verein. Angesichts einer Budgetkürzung von rund 20 Prozent sah er nach drei Jahren keine Perspektiven mehr. Aber selbst wenn die Admira ohne den Abzug der acht Punkte nun Siebter wäre und nicht Letzter - tauschen würde Kühbauer mit den aktuellen Trainern Walter Knaller und Oliver Lederer vermutlich trotzdem nicht. Denn sein Ex-Verein vollführt einen Drahtseilakt, der im Abgrund enden könnte.

Polsters Pleite
Ihren Auftakt nahm die turbulente Saison der Admira mit der Bestellung von Toni Polster zum Cheftrainer. Der ÖFB-Rekordtorschütze hatte zwar nur Referenzen aus dem Unterhaus, erschien der neuen Sponsorengruppe um Spediteur Karl Cermak aber als der richtige Mann. "Ich hab mir gedacht, er ist ein lieber Kerl, dem niemand eine Chance gibt", sagt Trailfracht-Geschäftsführer Cermak, der mit seiner Gruppe einen siebenstelligen Betrag zum Budget der Südstädter von 5,5 Millionen Euro beisteuert. "Der Toni hat sich aber als große Enttäuschung entpuppt. Er hat die Arbeit nicht so ernst genommen, wie es bei einem Profiverein erforderlich ist."


Nach drei Niederlagen in ebenso vielen Spielen wurde das Experiment von Vereinsseite beendet. Österreich-Kolumnist Polster richtete aus, Cermak habe ihm die Aufstellung diktieren wollen. Der Spediteur regt sich auch Monate danach noch immer auf über diese "ungeheuerliche Verleumdung". Polster solle sich lieber eingestehen, dass seine Tätigkeiten als Werbefigur und Kolumnist nicht mit einem Trainerjob in der Bundesliga vereinbar seien.


Auf die Werbefigur folgte Co-Trainer Lederer, unter dem die Admira die ersten Punkte einfuhr. Doch mangels einer UEFA-Pro-Lizenz durfte der 37-Jährige die Kampfmannschaft nur interimistisch leiten. Erstmals wurden Spannungen sichtbar zwischen der Admira und der Bundesliga, denn mit einer Ausnahmegenehmigung hätte Lederer bis zur Winterpause weitermachen können. So wurde ihm nach nur einem Monat Akademieleiter Walter Knaller vor die Nase gesetzt, der einzige Dienstnehmer der Admira mit der erforderlichen Qualifikation. Für eine externe Lösung fehlte dem Verein offensichtlich das Geld und der Mut.

Post von der Gemeinde
Die Courage schienen danach auch die Admira-Kicker zu verlieren: Vier Niederlagen in Folge nährten Zweifel an der Richtigkeit des Trainermanövers und der Konkurrenzfähigkeit der Mannschaft. Und just als diese sich nach Siegen über die Vienna im Cup und über Meister Austria zu berappeln schien, folgte der nächste, viel heftigere Tiefschlag. Der Anwalt der Gemeinde Maria Enzersdorf, in der der Fusionsklub seit 1967 beheimatet ist, legte bei der Bundesliga einen Exekutionsantrag aufgrund offener Kommunalsteuerabgaben vor. Für den Fall der Nichtbezahlung wurde die Beschlagnahme von TV-Geldern angekündigt. Die Liga reagierte und beförderte den Verein zurück an den Start: Acht Punkte Abzug lautete das Urteil des Senat 5, als Begründung wurde ein bilanztechnisches Detail angegeben. Denn nach Ansicht der Bundesliga hätte die Admira die entsprechende Summe im Lizenzantrag als Verbindlichkeit und nicht als Rückstellung anführen müssen - ein Verstoß gegen ein sogenanntes A-Kriterium und damit ein schweres Lizenzvergehen.


Umstritten sind die Umstände, die zur Mitteilung an die Bundesliga führten. "Der Verein hat mit der Exekution rechnen müssen. Wenn Sie keine Steuern bezahlen, erhalten Sie Mahnungen. Wenn Sie auch darauf nicht reagieren, kommt eines Tages der Exekutor", sagt Johann Zeiner, Bürgermeister von Maria Enzersdorf. Doch laut Admira-Manager Alexander Friedl verlor Zeiner bei einem Gespräch wenige Tage vor der Information an die Liga kein Wort über diesen Schritt. Auf ballesterer-Rückfrage wollte sich der ÖVP-Ortschef dazu nicht äußern. Dem Urteil folgten unbeholfene Versuche, den Schaden einzudämmen: Noch vor Zusammentreten des Senat 5 schlossen Verein und Gemeinde eine Ratenvereinbarung zur Begleichung der Steuerschuld von knapp 150.000 Euro ab. Nach dem Urteilspruch rief der Gemeinderat von Maria Enzersdorf die Bundesliga auf, den Punkteabzug wieder zurückzunehmen, weil die Abwicklung nun ja geklärt sei.

 

Herzblut und Provokationen
Das Trainerteam der Admira versuchte unterdessen, die Rückschläge auszublenden. "Es war zach, aber wir haben die Mannschaft darauf eingeschworen, dass wir uns nicht hängen lassen", sagt Co-Trainer Lederer. Zugute kam dem Verein dabei die Loyalität seiner langjährigen Angestellten. "Wir haben den kleinsten Trainerstab in der Liga, aber mehr Herzblut als die Mitarbeiter anderer Vereine", sagt Lederer, wie Knaller ein Urgestein der Südstädter.

Gegen den Punkteabzug halfen aber weder Herzblut noch Einspruch. Am 13. November bestätigte das Protestkomitee der Bundesliga das Urteil aus der ersten Instanz, die acht Punkte blieben abgezogen. "Sowohl für den Senat 5 als auch für das Protestkomitee liegt ein Verstoß gegen die Lizenzbestimmung 4.4.3.e vor, die besagt, dass der Klub der Liga alle notwendigen Unterlagen zukommen lassen muss, die für die Beurteilung und den Nachweis der Erfüllung der Lizenzbedingungen relevant sind", sagt Bundesliga-Lizenzmanager Reinhard Herovits. Dem Vorwurf, das Protestkomitee sei nicht wirklich unabhängig von der Liga und werde dieser nicht die Blöße antun, das Urteil zu revidieren, entgegnet Herovits: "Das ist absolut kein Faktor. Das Protestkomitee hat das bereits in einigen Fällen getan." Bestes Beispiel sei die Vienna, bei der in der Sommerpause ein Punkteabzug reduziert wurde.

Nach dem Spruch des Protestkomitees bleibt der Admira nun nur noch der Gang vor das Ständige Neutrale Schiedsgericht. Manager Friedl beklagt zwar eine "nicht nachvollziehbare Ignoranz" der Bundesliga, hat den Kampf aber noch nicht aufgegeben. "Es war ein offenes Verfahren, das bis zur Abgabe der Lizenzunterlagen zu keiner Zeit exekutierbar war. Deshalb kann man es nicht als überfällige Verbindlichkeit sehen", sagt Friedl. Hinzu komme, dass es bilanztechnisch keinen Unterschied mache, wie die Summe verbucht worden sei. "Wir hatten keinen Vorteil und haben nicht vorsätzlich gehandelt. Wenn das Schiedsgericht einen Fehler bestätigt, sollte das berücksichtigt werden", so der Admira-Manager, der zumindest auf eine Reduktion der Strafe hofft.

Die Aussage von Liga-Vorstand Georg Pangl, die sportlichen Erfolge der Admira würden auch so noch Spannung im Abstiegskampf erwarten lassen, empfindet Friedl als Provokation. Sponsor Cermak ergänzt: "Da kann man nur sagen: ,Erst denken und dann reden.' Wenn man sieht, welche Kleinigkeiten in der vergangenen Saison über den Abstieg entschieden haben, führen sich solche Wortmeldungen von selbst ad absurdum."

Zwei Mitglieder, keine Führung
Auf einer anderen Admira-Baustelle spuckt Karl Cermak derzeit weniger große Töne, ist er doch angetreten, die Nachfolge von Richard Trenkwalder zu regeln. Der ehemalige Mäzen hatte sich nach dem Verkauf seiner Personalleasingfirma 2012 als Geldgeber der Admira zurückgezogen, fungiert jedoch weiterhin als Präsident des Bundesligisten. Waren die Übernahmegespräche schon aufgrund einer schweren Erkrankung Trenkwalders kompliziert, gerieten sie durch den Streit mit der Liga völlig ins Stocken. "Wenn die Admira aufgrund des Punkteabzugs absteigt, wird es schwer", sagt Cermak. "Die Geldgeber wollen einen Bundesligisten. Aber wenn von allen Seiten nur Prügel fliegen, überlegt sich jeder vernünftige Mensch, ob er das tun soll."

Die Namen der potenziellen Investoren und Führungskräfte ist Cermak bisher schuldig geblieben. Gegenüber dem ballesterer gibt er an, dass Trenkwalder erst gewisse Verflechtungen zwischen seinem Unternehmen und dem Verein lösen müsse, ehe er damit an die Öffentlichkeit gehen könne. Auf Details will Cermak nicht eingehen. Dem Vernehmen nach geht es aber darum, dass der neue Trenkwalder-Eigentümer, die deutsche Droege-Gruppe, keine Ansprüche mehr beim Verein anmelden kann.

Cermaks Gegenüber am Verhandlungstisch ist ein alter Bekannter: der ehemalige Stronach-und GAK-Anwalt Wolfgang Rebernig. Für ein Interview steht der von Trenkwalder mit einer Vollmacht ausgestattete Sportjurist nicht zur Verfügung, in einem schriftlichen Statement lässt er ausrichten, die Verhandlungspartner hätten sich das Ziel gesetzt, die Lösungsansätze spätestens bis Jahresende umzusetzen. Laut einem Krone-Bericht soll die neue Führung aus zwölf Wirtschaftsbeiräten bestehen, von denen vier bis fünf das Präsidium bilden könnten.

Wie notwendig die Bestellung einer neuen Führung ist, zeigt ein Blick auf die Vereinsstruktur der Admira. Der Bundesligist hat aktuell nur zwei Mitglieder - Richard und seinen Sohn Nils Trenkwalder, der nie eine aktive Rolle im Verein eingenommen hat. "Wir wollen weg von diesem Konstrukt eines Werksvereins hin zu einem Klub mit mehreren Standbeinen", sagt Alexander Friedl. "Man hat ja gesehen, wie schnell der Verein ins Wanken geraten kann, wenn man von einem Geldgeber abhängig ist." Eile ist geboten. Denn bereits in vier Monaten müssen die Lizenzunterlagen für die nächste Saison abgegeben werden - und dafür braucht es neben korrekten Bilanzen auch eine handlungsfähige Klubführung.

Referenzen:

Heft: 88
Rubrik: Spielfeld
Verein: Admira Wacker
ballesterer # 121

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