Als gutes Omen für das Duell mit Deutschland in Durban will der 35-Jährige diesen Achtungserfolg jedoch nicht werten: »Die fünfte Garnitur der Deutschen ist immer noch stärker als unser Team«, übt sich Agostino im Understatement, »Deutschland hat auch ohne Michael Ballack eine starke Mannschaft und ist absoluter Favorit auf den Gruppensieg. Bei uns dagegen darf sich niemand verletzen, wenn wir ins Achtelfinale wollen.«
Im deutschen Kader vermisst Agostino neben Ballack aber noch einen anderen Spieler. »Ich hätte Roman Weidenfeller mit zur WM genommen, weil er ein Super-Torwart ist«, so Agostino über den Dortmunder, »dass er zu Hause geblieben ist, hat mich sehr überrascht.«
Dass die WM in Australien genügend Aufmerksamkeit erfährt, liegt für Agostino vor allem an der attraktiven Gruppenkonstellation mit den Gegnern Deutschland, Serbien und Ghana. »Fakt ist, dass die Spiele nach unserer Zeit in der Nacht stattfinden werden. Die meisten Australier werden daher wohl spät essen gehen und sich irgendwo treffen. In Bars und Stadien wird es Leinwände geben«, erklärt Paul in einem Zeitungsinterview, »die Australier gucken lieber zusammen als allein.«
Paul Agostino gehörte neben dem aktuellen Nationalkeeper Mark Schwarzer (Dynamo Dresden und 1. FC Kaiserslautern) und seinem Ex-Mitspieler bei 1860, Ned Zelic, zu den bekanntesten Australiern in der deutschen Bundesliga. Nach zwei Jahren bei Bristol City wechselte er 1997 zu den Münchner »Löwen«, wo Coach Werner Lorant ein beinhartes Regiment führte. »Er war hart, aber er konnte auch loben«, sagt Agostino heute über Lorant, der sogar mit Bier und Zigaretten im Teambus kein Problem gehabt haben soll.
In nachhaltiger Erinnerung aus seiner Zeit in Deutschland sind Paul vor allem die Duelle mit dem Brasilianer Marcelo Bordon geblieben: »Bei den Zweikämpfen mit ihm«, lacht er, »hat es immer mächtig gescheppert. Und danach war mein ganzer Körper voller Eisbeutel.« Die wichtigste Erkenntnis für Agostino, der mit einer Deutschen verheiratet ist, und heute in Adelaide als Spielerberater arbeitet: »Ich habe in Deutschland Tugenden wie Ordnung, Fleiß und Pünktlichkeit gelernt – in Australien kommt man gern einmal zehn Minuten zu spät.«






erscheint am 6. Oktober 2010.
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